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Verkehr

Gratis-Tickets für die Klimabilanz

Der Flughafen will Passagieren, die in Stuttgart landen, kostenlose Fahrkarten für den VVS spendieren. Das Auto soll dadurch seltener genutzt werden.

23.01.2020

Von DANIEL GRUPP

Die Ticketautomaten, die es schon bei den Gepäckbändern gibt, könnten bald kostenlose VVS-Karten ausdrucken. Foto: Ferdinando Iannone

Stuttgart. Fliegen belastet Umwelt und Klima. In einer Statistik des Umweltbundesamts fürs Jahr 2018 liegt bei den Treibhausgasen in Gramm pro Person und Kilometer der Flugverkehr weit vor Autos und Eisenbahnen. Fernlinienbusse verursachen dieser Statistik zufolge am wenigsten Treibhausgase. Seit die Themen Klimawandel und CO2-Ausstoß weit oben auf der Tagesordnung stehen, gerät das Fliegen unter Rechtfertigungszwang. Das Wort Flugscham hatte im vorigen Jahr im Umfeld der Demonstrationen von Fridays-for-Future Hochkonjunktur.

Auch der Stuttgarter Flughafen muss sich mit dem Klimathema befassen. Zu Beginn der Sommerferien fand zum Beispiel im Terminal eine Demonstration der Klimaschützer statt. Der Stuttgarter OB und Vize-Vorsitzende des Aufsichtsrats des Manfred-Rommel-Airports, Fritz Kuhn (Grüne), drängt in seinem Klimaschutzpaket darauf, auf Kurzflüge zu verzichten.

Der Flughafen ist indes selbst aktiv, um seine Klimabilanz zu verbessern. „Als Airport tun wir alles, um unseren Betrieb möglichst nachhaltig zu organisieren“, sagt Pressesprecherin Beate Schleicher und verweist zum Beispiel auf die Elektrobusse, die Passagiere zu den Fliegern bringen.

Die CO2-Einsparung soll sich bald außerhalb des Airports fortsetzen. Geplant ist, Passagieren, die dort ankommen, ein kostenloses Ticket für den Verkehrsverbund Stuttgart zu spendieren. Das Angebot soll im Frühjahr starten. „Wir sind deutschlandweit der erste Flughafen mit einem solch innovativen Angebot“, sagte Arina Freitag, Geschäftsführerin der Flughafen-Gesellschaft, auf Anfrage. „Wir wollen den Anteil der Passagiere, die öffentliche Verkehrsmittel nutzen, deutlich erhöhen. Daher hoffen wir, dass das Gratis-Anschlussticket gut angenommen wird.“

Nach Angaben der Flughafen-Gesellschaft liegt derzeit die Quote der ÖPNV-Nutzer am Airport bei 23 Prozent. Rund zehn Prozent der Fluggäste nutzen ein Taxi. In den Zahlen zum Verkehrsmix sind neben Fluggästen auch sonstige Besucher und Mitarbeiter enthalten, erläutert Schleicher. „Diesen Anteil wollen wir auf 45 Prozent steigern.“ Die rund 1000 Mitarbeiter werden bereits mit einem Firmenticket zum Umstieg auf den ÖPNV ermuntert. Dafür erhalten sie laut Schleicher einen Zuschuss von 500 Euro im Jahr.

Geplant ist, dass die Fluggäste das Gratis-Ticket im Ankunftsbereich bei den Gepäckbändern ziehen, bevor sie in den öffentlichen Bereich des Flughafens gehen, erläutert die Pressesprecherin. Denkbar sei auch, den Freifahrschein mit einer App aufs Smartphone zu laden. Organisation und technische Details müssten aber noch geklärt werden.

Das Freiticket soll im VVS-Gebiet zur Heimfahrt, zur Fahrt ins Hotel oder zum Geschäftstermin genutzt werden. Die freie Fahrt soll bis zu zwei Stunden nach der Ankunft des Fliegers möglich sein. Als Berechtigungsnachweis müssen die Nutzer womöglich ihre Boarding-Card dabei haben. Der Flughafen hofft, dass die Passagiere mit der Aussicht auf eine kostenlose Heimfahrt schon für die Anfahrt in Busse, Stadt- oder S-Bahnen steigen. Zumal die Verlängerung der Stadtbahnlinie U6 zum Flughafen, die Ende 2021 fertig sein soll, die Anbindung noch verbessern wird.

Kostenlose VVS-Tickets gibt es allerdings nicht zum Nulltarif. Dem Verkehrsverbund entgehen Einnahmen, die der Flughafen dem VVS ersetzen muss. Der VVS unterstütze den Vorstoß, teilt Sprecherin Ulrike Weißinger mit. „Wann das Ticket kommt und wie es umgesetzt wird, liegt beim Flughafen, der auch dafür bezahlt“, erläutert Weißinger. Welche Summe hier anfallen könnte, sei derzeit nicht bekannt, da sie von der Umstiegsbereitschaft der Fluggäste abhängig sei, sagt Schleicher.

Die Kritik an Kurzflügen – auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hat sich entsprechend geäußert – schlägt sich bisher in der Ausrichtung des Rommel-Airports nicht nieder. Der Flughafen könne selbst nicht so viel machen, sagt Schleicher. Denn die Slots, etwa Flüge nach München oder Frankfurt, würden vom Flugkoordinator, der dem Bundesverkehrsministerium unterstellt ist, vergeben. „Die Airlines haben dann das Recht, solche Flüge anzubieten.“

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Erstellt:
23. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
23. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 23. Januar 2020, 06:00 Uhr

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