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Grand mit Vieren im Theaterhaus

Gauthier Dance widmet sich den Frauen

Viertelstündler mit Herzschlag, Domestizierung, Repetierstil und Salti.

14.07.2018

Von Wilhelm Triebold

Fantastisch: Rosario Guerra in „Infant Spirit“. Foto: Regina Brocke

Stuttgart. Großartige Tänzerinnen gab und gibt es zuhauf. Auch die eine oder andere Leiterin eines Ensembles fällt einem ein. Trotzdem verhindert offenbar auch in diesem Metier eine „gläserne Decke“ mehr Frauen in Führungspositionen. „Der“ Tanz scheint männlich dominiert zu sein. Der neue Abend von Gauthier Dance im Theaterhaus wird das kaum ändern. Aber „Grandes Dames“ ist mehr als nur eine Huldigung ans weibliche Element der Tanzkunst. Die vier Teile, so unterschiedlich sie sind, fügen sich zusammen und ergänzen sich: Zwei Choreografinnen beweisen, dass Geschlechterfragen für sie sowieso keine übermäßige Rolle spielen, und zwei Choreografen belegen, was sie Tanz-Vorbildern verdanken.

Die Kanadierin Virginie Brunelle lässt das Gauthier-Dance-Ensemble in „Beating“ den Herzschlag nachspüren bis hin zu heftigen Brustkorb-Konvulsionen: Annäherungen und Liebesbekundungen, Sich-anspringen und Fallenlassen als eindrucksvolle Herzenssache. Ein Poeme de l‘extase, das Beteiligte mehr und mehr zu Paaren treibt.

Völlig anders Helena Waldmanns Beitrag „We Love Horses“. Die Choreografin greift am liebsten soziale und politische Themen auf, in diesem Fall die Dressur des Alltags durch Regulierung und Domestizierung. Und so peitscht eine Domina auf Prothesenstelzen eine Herde lustvoll-devoter Gesäßschwenker (im Fachbegriff „Twerkler“) über die Bühne. Nicht gerade die hohe Lipizzanerkunst auf Hofreitschulniveau, aber unterhaltsam.

Pina Bausch hat gesagt, sie interessiere weniger, „wie die Menschen sich bewegen, sondern was sie bewegt“. Der Choreograf Marco Goecke war in seiner Wuppertaler Kindheit stark von ihr beeindruckt. Und wenn auch sein rapider Repetier-Stil, Manie und Markenzeichen zugleich, sich sehr wohl darum kümmert, wie beweglich und belastbar der menschliche Körper Gefühle verarbeiten kann, wird in dem Solo „Infant Spirit“ mit dem fantastischen Rosario Guerra deutlich, welchen Einfluss ihr Tanztheater auf Goecke ausübte.

Der am Stuttgarter Ballett geschasste Goecke bleibt als „Artist in Residence“ am Theaterhaus, bis er nächstes Jahr die Ballettdirektion in Hannover übernimmt. Ein Coup des Theaterhaus-Tanzchefs Eric Gauthier, der seinerseits (mit Unterstützung des Kollegen Andonis Foniadakis) eine eher belanglose Hommage an Louise Lecavalier beisteuert, die athletische Vortänzerin der Kult-Truppe La La La Human Steps. Ein paar Rotationssalti als Zitat, ansonsten viel pompöses, aber schweißtreibendes Getue zwischen Neonlichtstäben – der einzige von vier Viertelstündlern mit Längen.

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Erstellt:
14. Juli 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Juli 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Juli 2018, 06:00 Uhr

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