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Gesellschaft

Grammys feiern die Frauen

Lange dominierten Männer und männliche Bands die wichtigsten Musikpreise der Welt. Nun kommen bei der Grammy-Verleihung endlich Mädchen, Schwestern und Ladys zum Zug.

12.02.2019

Von JOHANNES SCHMITT-TEGGE

Foto: Kevork Djansezian/Getty Images/AFP

Als Michelle Obama die Bühne betritt – ungefähr drei Minuten nach Beginn der Grammy-Verleihung – ist die Sache eigentlich schon klar: Diese Gala für den wichtigsten Musikpreis der Welt steht im Zeichen der Frau. Die Feier steht für Frauen, die sich in der von Männern beherrschten Musikindustrie durchsetzen. Für Frauen, die trotz ungleicher Chancen für ihre Musik kämpfen, aber auch für diejenigen, die es in dem oft gnadenlosen Geschäft nicht schaffen. Die Grammys, so die Botschaft am Sonntag in Los Angeles, werden endlich weiblicher.

Eine stärkere Symbolfigur als die ehemalige First Lady, bis heute eine der beliebtesten Frauen des Landes, hätte es kaum geben können. Obama erinnert an all die „Who Run the World“-Songs – ein Verweis auf den gleichnamigen Song von Pop-Übermutter Beyoncé, den Männer durchaus als Kampfansage verstehen können.Neben Michelle Obama stehen Lady Gaga, Jada Pinkett Smith und Jennifer Lopez, nachdem Gastgeberin Alicia Keys dieses Quartett aus geballter Frauenpower als „meine Schwestern“ vorgestellt und auf die Bühne geholt hat.

Es war ein langer Weg bis hierhin, und das Ziel ist noch längst nicht erreicht: In den Jahren von 2013 bis 2018 waren 91 Prozent der Nominierten bei den Grammys männlich, wie die University of Southern California herausfand. Vor allem hinter den Kulissen herrscht Ungleichheit: Die nominierten Produzenten, Toningenieure und Songschreiber sind größtenteils Männer. Eine neue Initiative der Recording Academy soll helfen, hier mehr Frauen zu fördern.

Am Sonntag scheint sich das Blatt endlich gewendet zu haben. Zwei der vier Hauptpreise gehen an Frauen. Kacey Musgraves holt mit „Golden Hour“ die Trophäe für das beste Album, Dua Lipa wird beste neue Künstlerin. Cardi B gewinnt mit „Invasion of Privacy“ als erste weibliche Solo-Künstlerin den Grammy für das beste Rap-Album, H.E.R. gewinnt die ersten beiden Grammys ihrer Karriere.

Männliche Stars wie eingestreut

Männliche Stars wie Shawn Mendes, Travis Scott und Rapper Post Malone samt der Red Hot Chilli Peppers wirken wie eingestreut. Quer durch die musikalischen Genres beherrschen Frauen den Abend.

Nachdem zum Auftakt die ehemalige First Lady der Politik auf der Bühne stand, folgen bald die First Lady des R&B (Diana Ross) und die First Lady des Country (Dolly Parton). Über Genres und Generationen soll die Botschaft starker Frauen greifen, als Parton (73) ihre Hits mit Katy Perry (34), Kacey Musgraves (30) und Miley Cyrus (26) singt.

Am besten fasst Cardi B die doppelte und dreifache Last vieler Frauen in der Musikindustrie zusammen, nachdem sie mit massivem schwarzem Pfauenschwanz eine Edel-Version von „Money“ gerappt hat und einen Grammy in der Hand hält. Trotz ihrer Schwangerschaft habe sie „Invasion of Privacy“ schnell fertigstellen müssen, sagt Cardi B. Es habe geheißen: „Wir müssen dieses Album abschließen, damit wir die Videos drehen können, während man den Bauch noch nicht sieht.“

Johannes Schmitt-Tegge

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Erstellt:
12. Februar 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
12. Februar 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2019, 06:00 Uhr

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