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Gastronomie

Gourmetkost auf dem Parkhausdach?

Nach dem Brand in drei Restaurants des Baiersbronner Hotels Traube soll „möglichst schnell“ eine Lösung für ein Provisorium gefunden werden. Die Ursachensuche dauert an.

14.01.2020

Von HANS GEORG FRANK

Ein Bagger räumt Schutt vor dem Eingang des ausgebrannten Restauranttrakts des Hotels „Traube Tonbach“ in Baiersbronn weg. Nach dem Großfeuer wird jetzt ein Neubau geplant, der nach etwa einem Jahr fertiggestellt sein soll. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Für einen gastronomischen Neustart der bei einem Brand zerstörten Restaurants des Hotels Traube in Baiersbronn-Tonbach wird eine Lösung gesucht, die „möglichst schnell“ umgesetzt werden kann. Geprüft würden aktuell zwei Optionen, sagte Hotelsprecherin Daniela Heykes auf Anfrage der SÜDWEST PRESSE.

Einmal würden „bestehende Räumlichkeiten innerhalb des Hotels“ untersucht, ob sie sich als Ersatz für nicht mehr vorhandene Küchen und Gasträume eignen. Dabei ist herauszuhören, dass die „Schwarzwaldstube“ mit bisher drei Michelin-Sternen oberste Priorität haben dürfte. Erst danach scheint die Köhlerstube mit einem Stern zu folgen. Für die relativ einfachere Bauernstube würden die Überlegungen „perspektivisch“ angestellt, sagte Daniela Heykes.

Eine Option sei außerdem die Dachfläche des Parkhauses. „Von dort hat man einen schönen Blick ins Tal“, erklärte die Sprecherin. Statiker müssen abschätzen, welche Möglichkeiten sich dort für ein Provisorium böten: „Das ist nicht ganz einfach.“ Denkbar seien auch Container. „Das sind erste Ideen, eine Entscheidung gibt es noch nicht.“ Die Betreiberfamilie sei im engen Kontakt mit Architekten. Das gilt auch für den Wiederaufbau jenes Ensembles, in dem der Brand ausgebrochen ist. „Wir kommen zurück“, wird versichert.

„Herzstück verloren“

„Auf bald Schwarzwaldstube“, heißt es auf der Homepage des Hotels optimistisch. „Hinsichtlich eines verheerenden Brandes in der Nacht zum 5. Januar existiert die Schwarzwaldstube nicht mehr. Daher sind zur Zeit keine Buchungen für unser Sterne-Restaurant möglich“, wird erklärt. „Wir haben unser Herzstück verloren“, beschreibt die Betreiberfamilie Finkbeiner die Folgen des Feuers.

Patron Heiner Finkbeiner trauert zudem um das Haus, in dem er vor 71 Jahren geboren wurde. In den Flammen schmolz auch das Bundesverdienstkreuz am Bande, das ihm 2003 verliehen wurde „für herausragende Leistungen als Botschafter des Tourismus“.

Die Spezialisten der Kriminalpolizei haben nach der Beseitigung des Schutts den Brandherd dort lokalisiert, wo sich ein Büffet für die Getränke befunden hat. Die Ursache habe noch nicht ermittelt werden können, sagte Frank Otruba vom Polizeipräsidium Pforzheim. Brandschutt wie verschmorte Kabel von Kühlgeräten sei gesichert worden für die Untersuchungen in den Labors der Kriminaltechnik in Calw. „Das wird noch einige Tage, wenn nicht Wochen dauern.“

Über die Höhe des Sachschadens gebe es noch keine verlässlichen Angaben. Zur Zeit werde noch alles aufgelistet, was vernichtet worden sei. Dazu gehörten auch Vitrinen mit wertvollem Schmuck: „Das ist alles zerstört.“ Immerhin stehe fest, dass der Weinkeller mit seinen mehreren tausend Flaschen nicht so schlimm betroffen sei wie zunächst befürchtet, ergänzte der Polizeisprecher.

Redaktion gibt sich bedeckt

Die Konsequenzen für den Restaurantführer „Guide Michelin“, der am 3. März veröffentlicht werden soll, sind derzeit nicht absehbar. Die Redaktion in Karlsruhe verweigert auf Nachfrage jegliche Information über den Stand der Dinge. „Wir geben zu den Inhalten im Guide 2020 keine Auskunft“, ließ eine Sprecherin auf Anfrage wissen. Die Öffentlichkeit soll nicht einmal erfahren, ob die Bücher gedruckt sind. Auf der Homepage von Michelin werden die beiden Traube-Lokale weiter empfohlen, als wäre nichts geschehen.

Durch das Feuer in Baiersbronn bekommt die „Feinschmeckerbibel“ eine größere Beachtung, nachdem sich die Redaktion vergangenes Jahr eine peinliche Panne geleistet hatte. In der Ausgabe für 2019 war die „Alte Vogtei“ in Köngen mit einem Stern ausgezeichnet worden, obwohl das Lokal seit mehreren Monaten geschlossen war. Die Inspektoren hatten sich offensichtlich darauf verlassen, dass der Küchenchef das Haus nach der Beseitigung eines Schimmelbefalls wieder öffnen würde. Tatsächlich geschah nichts. Dem Renommee der Restaurantkritiker hat dieser Fehler erheblich geschadet.

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Erstellt:
14. Januar 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
14. Januar 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2020, 06:00 Uhr

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