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Gotthold Schwarz wird ins Amt des Leipziger Thomaskantors eingeführt
Der neue Leipziger Thomaskantor Gotthold Schwarz wird am Samstag in sein Amt eingeführt. Foto: epd
Nur ein kleiner Neuanfang

Gotthold Schwarz wird ins Amt des Leipziger Thomaskantors eingeführt

Gotthold Schwarz ist eine fachlich gute Wahl für das Amt des Thomaskantors. Doch das Auswahlverfahren hinterlässt viele Fragezeichen.

17.08.2016
  • EPD

Leipzig. Die Stadt Leipzig hat ihren 17. Thomaskantor nach Johann Sebastian Bach (1685-1750). An ein neues Gesicht müssen sich die Knaben des berühmten Thomanerchors allerdings nicht gewöhnen. Den Taktstock hält Dirigent Gotthold Schwarz, der bereits seit 1979 als Stimmbildner bei den Thomanern tätig ist und nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Georg Christoph Biller 2015 auch die Interimsleitung des Chores übernahm.

Am Samstag wird der neue Thomaskantor ins Amt eingeführt. Es ist der Abschluss einer mehr als einjährigen Suche nach einem neuen Leiter für den über 800 Jahre alten Knabenchor. Dabei war Schwarz aufgrund seines Alters und seiner Position als Vertreter des Thomaskantors gar nicht im Gespräch.

Für die Suche nach einem Thomaskantor hatte die Stadt ein kompliziertes Verfahren angestoßen. Eine Auswahl- und eine Findungs- kommission wurden eingesetzt, an denen Vertreter von Parteien, kulturellen Institutionen und Kirche beteiligt waren. Seit der Reformation wird der Thomaskantor von der Stadt angestellt, weshalb der Stadtrat das letzte Wort hat. Vier Kandidaten wurden zu Probewochen eingeladen, keiner konnte überzeugen. Überraschend wurde das Verfahren im Mai beendet und Gotthold Schwarz vorgeschlagen. Der Stadtrat bestätigte die Wahl im Juni.

An der fachlichen Eignung des 64-Jährigen besteht kaum ein Zweifel, doch das Verfahren hinterlässt Fragezeichen. Von der unerwarteten Entscheidung vor den Kopf gestoßen fühlen sich vor allem die vier eingeladenen Kandidaten. Öffentlich äußern möchten sich die meisten nicht. Nur der Dresdner Dirigent Matthias Jung scheut keine Kritik. Seiner Ansicht nach hat das Auswahlverfahren den Bewerbern und dem Ansehen der Stadt geschadet.Von der „vielbeschworenen Transparenz“ habe er nichts wahrnehmen können, sagt Jung. Seiner Einschätzung nach glich die Auswahl- und Findungskommission eher einem „undurchdringlichen Dschungel“, in dem es um die Durchsetzung der Interessen einzelner Beteiligter gegangen sei. Dass der Wettbewerb wirklich fair bewertet wurde, bezweifelt er. Bis heute habe er keine Auswertung seines Probedirigats erhalten, sagt Jung. Den neuen Kantor Gotthold Schwarz nimmt Jung von seiner Kritik explizit aus. Er habe sich große Verdienste erworben.

Nicht nur Jung, auch die CDU-Stadträtin Andrea Niermann sieht den Ausgang des Verfahrens kritisch. Im Zuge der Ernennung von Schwarz lobte sie den Dirigenten zwar nachdrücklich als „den Besten, den es jedenfalls zurzeit für das Amt des Thomaskantors gibt“. Doch sie fügte hinzu: „Verschweigen will ich nicht, dass durch das Verfahren, ob verschuldet oder nicht, das soll an dieser Stelle offenbleiben, unser Ruf als Stadt Leipzig zumindest ein bisschen gelitten hat.“ Die Frage bleibe, warum es der mehr als einjährigen Suche bedurfte, um zu diesem „naheliegenden Ergebnis“ zu kommen, sagte Niermann. Das nächste Findungsverfahren müsse anders laufen.

Es sei zu früh, darüber zu sprechen, wie das nächste Verfahren aussehen werde, sagt der Geschäftsführer des Thomanerchors, Stefan Altner. Doch die Suche nach dem 18. Thomaskantor wird nicht lange auf sich warten lassen. Schwarz feiert im kommenden Jahr seinen 65. Geburtstag. Sein Vertrag wurde nur für fünf Jahre geschlossen. Ab Mitte 2021 wird aller Voraussicht nach ein neues Kapitel in der Geschichte des Thomanerchors aufgeschlagen.

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17.08.2016, 06:00 Uhr
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