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Die Schwabs auf 16 Metern

Gomaringer Geschichts- und Altertumsverein steigt in die Familienforschung ein

Über ein paar Ecken war Gustav Schwab mit Goethe, Hesse und Brecht verwandt: Das hat der in Tübingen lebende emeritierte Geographie-Professor Günther Schweizer herausgefunden. Wer wissen will, ob der schwäbische Dichter Schwab womöglich zu seinen eigenen Ahnen gehört, kann sich nun an den Geschichts- und Altertumsverein wenden.

03.03.2010

Von Gabi Schweizer

Gomaringen. Bibeln sind immer nützlich. Denn die dicken Wälzer hatten die Gomaringer früher nicht nur, um die Heilige Schrift zu lesen. Gewissermaßen waren sie auch Familientagebuch. Die wichtigsten Ereignisse wurden darin vermerkt – freud- und leidvolle: „Am 16. August 1911 ist unser liebes Kind Georg morgens 4 1/2 Uhr im Alter von 10 Tagen gestorben“, heißt es beispielsweise in einer Ausgabe von 1888.

Der Geschichts- und Altertumsverein steigt nun in das Thema ein: Ab Donnerstag können sich Bürger an eine Gruppe engagierter Mitglieder wenden, die denen helfen, die ihre Familiengeschichte erforschen wollen – ob sie nun selbst im Ort wohnen oder dort Vorfahren haben. Im Projekt engagiert sich auch Kreisarchivar Wolfgang Sannwald: Er hat mit seinem Gomaringer Heimatbuch wichtige Grundsteine gelegt. Zu Gustav Schwab, der 1837 bis 1841 Pfarrer im Ort war, forscht Günther Schweizer. Was er herausgefunden hat, wuchs mit Hilfe von Beatrice Burst zu 16 Metern Familiengeschichte an, die von 1300 bis heute reicht: Der jüngste Nachkomme wurde 1980 in den USA geboren.

Beatrice Burst, Initiatorin des Projekts und Mitglied in diversen Geschichtsvereinen, beschäftigt sich seit 15 Jahren mit der Familienforschung: Als sie den Ahnenpass ihres Schwiegervaters entdeckte, eines Lokomotivführers, packte sie die Neugier. Wer waren die Menschen, und vor allem: Was für Geschichten stecken dahinter? Burst recherchierte hauptsächlich zur Familie ihres verstorbenen Mannes, die von Grötzingen bei Karlsruhe nach Gomaringen zog. Burst selbst ist Schweizerin und wuchs in der Nähe von Kreuzlingen am Bodensee auf. Auch über ihre eigene Familie hat sie geforscht, doch war es hier ungleich mühsamer, an die Daten zu kommen. Und viel Zeit hat die 51-jährige Sekretärin nicht: Schließlich ist sie auch im Treffpunkt Mensa auf dem Höhnisch sehr aktiv.

Taufen, Beerdigungen und Hochzeiten wurden in alten Kirchenbüchern vermerkt; darüber hinaus nutzt der Geschichts- und Altertumsverein für seine Recherchen das Archiv der Gemeinde. Manchmal hilft auch das Internet weiter. Burst hat so schon Kontakte nach Amerika geknüpft, wo entfernte Verwandte ihres Mannes leben.

„Wenn man mal angefangen hat, kommt man nicht mehr los. Man will immer mehr wissen“, sagt sie. Nicht so viel wissen von der Familienforschung wollte zunächst Vereinsvorstand Willi Kemmler, zumindest damals, vor sechs, sieben Jahren, als Burst ihn erstmals auf das Thema ansprach. „Ich war ziemlich unwirsch“, erzählte er gestern bei der Pressekonferenz.

Das hatte Gründe. Kemmler wollte zunächst einmal den ehemaligen Hammelstall in der Lindenstraße sanieren, dann dort eine funktionierende Geschichtswerkstatt etablieren. Das ist geglückt: Jede Woche treffen sich in dem Gebäude sechs bis zehn Menschen zum Werkeln. Nun gibt es, neben alten Bildern, Landwirtschaftsgeräten, und einer frisch renovierten Schnee-Kutsche, auch noch ein kleines Büro für die Familienforschung. Seit einem Jahr ist Beatrice Burst mit der Vorbereitung beschäftigt – seit Kemmler sie in den Vereinsvorstand gebeten hat. Unterstützt wird sie von weiteren Vereinsmitgliedern, unter ihnen Ausstellungsmacherin Birgit Wallisser-Nuber, die sich im Gemeindearchiv gut auskennt.

Günther Schweizer wiederum ist wie Beatrice Burst Mitglied im Genealogischen Arbeitskreis Tübingen – so kam der Kontakt zustande, den Kemmler als „Glücksfall“ bezeichnet. Ihn freut vor allem, dass so das Schwab-Museum im Schloss um Forschungen bereichert wird. Möglich, dass es die Gomaringer Familiengeschichten irgendwann auch als Buch zu kaufen gibt. Dafür existieren zwar keine konkreten Pläne. Aber, so sagt Kemmler, für Schweizer und Burst wäre es „die logische Konsequenz ihrer Arbeit“.

Donnerstags erforscht der Geschichtsverein Familien

Wer seine Familiengeschichte erforschen möchte, kann donnerstags von 14 bis 17 Uhr in der Geschichtswerkstatt im ehemaligen Hammelstall (Lindenstraße 44/1) vorbeischauen und bekommt dort Hilfe von Beatrice Burst, Hans-Jörg Grubrich, Lisa Müller und Martha Renz. Für Kopien und Internet-Arbeitszeit werden Unkostenbeiträge fällig. Interessierte sollten Familienbibeln, Ahnenpässe und sonstige Unterlagen mitbringen.

Namen ohne Ende: Beatrice Burst und Willi Kemmler halten das Erbe Gustav Schwabs hoch – beziehungsweise in diesem Fall die Ahnenreihe. Bild: Rippmann

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Erstellt:
3. März 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
3. März 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 3. März 2010, 12:00 Uhr

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