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Premiere im Pfleghof

Goll kam zur Eröffnungsfeier der ersten Justiz-Kita im Land

Eine Justizfeier mit vielen Premieren. Noch nie hat ein Landgerichtspräsident nicht den Minister als ersten begrüßt, sondern die Kleinkinder im Saal. Aus gutem Grund.

05.12.2010

Von Hans-Joachim Lang

Tübingen. Zwanzig Kinder unter drei Jahren standen am Freitagmorgen im Pfleghof im Mittelpunkt. Sogar ein Juraprofessor im Anzug krabbelte auf dem Boden mit seinem acht Monate alten Mädchen um die Wette, während seine Frau, die Richterin Gundula Schäfer-Vogel, für den Kita-Vorstand die Geschichte eines ungewöhnlichen Vorhabens am Rednerpult skizzierte.

Die meisten Kinder der Kita waren freilich nicht persönlich im Saal zugegen, sondern zogen es vor, in ihrer neuen Einrichtung unter dem Pfleghofdach herumzutollen. Derweil musste die Prominenz brav auf den Stühlen sitzen, darunter die vielen Geburtshelfer der Tagesstätte, die vorrangig (also nicht ausschließlich) für Kinder von Justizbeschäftigten gedacht ist, Hier können, wie Bernd Selbmann vom Amt Vermögen und Bau scherzte, Kinder mit Justizhintergrund integriert werden.

„Dieses Projekt zeigt, wie sinnvoll es ist, wenn staatliches Wirken und bürgerschaftliches Engagement zusammentreffen“, sagte Landesjustizminister Ulrich Goll in seiner Ansprache. Den Anstoß zu diesem Projekt hatte die frühere Landgerichtspräsidentin Röse Häußermann vor drei Jahren gegeben. Ihr ging es darum, die in der Justiz beschäftigten Eltern zu unterstützen, damit sie Familie und Beruf besser vereinbaren können. War schon der Schritt von der Idee zur Tat nicht ganz einfach, mussten hernach bei der Verwirklichung noch so viele Hindernisse aus dem Weg geräumt werden, dass die Eröffnung in dem denkmalgeschützten Gebäude fast bis zuletzt einer Hängepartie glich.

Landgerichtspräsident Reiner Frey übernahm von seiner Vorgängerin nach deren Pensionierung das Projekt und fand in Gundula Schäfer-Vogel eine tatkräftige Elternvertreterin. Eine wichtige Voraussetzung war, dass sich mit einer schon in den 1960er Jahren im Schlatterhaus gegründeten privaten Kita ein Tandempartner anschloss. Daraus bildete sich der Verein „Kindergruppen Pfleghof“. Die zuvor bestehende Kita mit einer Halbtagesgruppe wurde jetzt auf zehn Volltagesplätze und zehn Halbtagesplätze aufgestockt.

Zu den Gesamtinvestitionskosten von 120 000 Euro steuerten das Justizministerium aus Landesmitteln und der Bund je 50 000 Euro bei, die Stadt 20 0000 Euro. Außerdem überlässt das Land dem Betreiberverein „Kindergruppen Pfleghof“ die Räume miet- und nebenkostenfrei, die laufenden Kosten werden durch Elternbeiträge und kommunale Förderung gedeckt.

Bei der anschließenden Besichtigung der neuen Räume führte der Weg die Treppe hoch, die sich die Kleinkinder mit den Bewohnern des Studentenwohnheims eine Etage unter ihnen teilen. Wie wichtig sie genommen werden, lässt sich schon auf einen Blick im Treppenhaus erkennen: Für sie ist in geringer Höhe ein eigener Handlauf angebracht worden.

Auf den verfügbaren 133 Quadratmetern sind drei Gruppenräume, ein Bewegungsraum, eine Küche, ein Bad mit Toilette und ein Ruheraum untergebracht. Noch gibt es keine Außenspielfläche, aber immerhin ein Nikolausversprechen von Bernd Selbmann: Im kommenden Frühjahr soll der große Spielplatz neben dem Insolvenzgericht hergerichtet werden.

Für das Justizministerium, das sich vor zwei Jahren in den Tübinger Modellversuch einklinkte, wird die Pfleghof-Kita nicht die erste und letzte sein. Minister Goll wies darauf hin, dass im Januar mit der Kita „Kinderländle“ in Stuttgart ein Kooperationsprojekt des Justiz- und des Wirtschaftsministeriums eröffnet werde. Ob dann auch so schön gefeiert wird wie in Tübingen? Drei außergewöhnliche Künstler lockerten die Feier mit stimmungsvollen Beiträgen auf: die Sopranistin Barig Nalbantian, die Pianistin Shoko Hayashizaki und der Cellist Friedemann Dähn.

Äußerlich noch unbeeindruckt: Noch redet Justizminister Ulrich Goll im Pfleghofsaal, in 30 Minuten wird er zum Spielen in der Justiz-Kita erwartet. Bild: Faden

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Erstellt:
5. Dezember 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
5. Dezember 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 5. Dezember 2010, 12:00 Uhr

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