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Volleyball-Bundesliga

Goldwert, aber mit Sorgen alleine

Liga-Geschäftsführer Klaus-Peter Jung und die schwere Situation des TV Rottenburg: Die Liga braucht den Verein, kann ihm aber nicht helfen.

03.03.2017
  • Moritz Hagemann

Zum TV Rottenburg hat Klaus-Peter Jung (61) eine gewisse Bindung. Sein Sohn Jonas Kronseder war 2007 für eine Spielzeit Zuspieler beim TVR, „von daher weiß ich, wie in Rottenburg gearbeitet wird“, sagt der Geschäftsführer der Volleyball-Bundesliga (VBL). Während der Sohn nun den Frauen-Bundesligisten Vilsbiburg trainiert, hat sich Jung in den vergangenen Wochen auch mit TVR-Geschäftsführer Philipp Vollmer unterhalten. Das Thema: klar, der Kopp-Ausstieg. Der Hintergrund des sich zurückziehenden TVR-Sponsors sei ihm nicht bekannt gewesen, sagt Jung: „Aber das ist immer bitter, wenn das aufgrund von politischen Diskussionen passiert.“

TVR ist ein „Vorzeigeverein“

Was seiner Meinung nicht passieren wird: dass sich der TVR wegen seiner finanziellen Probleme aus der Bundesliga zurückziehen muss. „Es gibt gegenüber der Liga keine Aussage, dass sie ein ernsthaftes Problem haben“, sagt Jung. „Dann muss er Zeitung lesen“, entgegnet TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger (44). Der bekräftigt, dass der TVR an organisatorischen Dingen nicht mehr sparen könne. Und auch der Kader lasse praktisch keine Ersparnisse mehr zu. Seine Spieler seien sowieso besonders: „Die hauen sich hier in einer Art und Weise rein, wie sie sich in keinem anderen Klub reinhauen.“

Und wenn der TVR die knapp 100 000 Euro nicht aufbringen kann? „Dann können wir als Liga nichts machen“, sagt Jung. Es gebe bei der Volleyball-Bundesliga auch keinen Solidaritätstopf, aus dem sich Vereine bedienen können, um ihre Existenz zu retten. „Und dass sich alle anderen Vereine an einen Tisch setzen und jeder den Betrag X gibt“, sagt Jung, „das gab’s noch nie und das kann ich mir nicht vorstellen.“

Jung lobt die Umsetzung des Liga-Masterplans beim TVR. Das sei ein „Vorzeigeverein“, der „seriös und transparent wirtschaftet“. Der Geschäftsführer schätzt es, dass in Rottenburg viel Geld in die Infrastruktur gesteckt wird, das bei anderen Klubs in den Kader investiert werden würde. Daher könne er es „mit der Vereinsbrille“ verstehen, wenn der TVR auf den kommenden Gegner SVG Lüneburg oder den TSV Herrsching zeigen würde. Die spielen nur mit einer Sondergenehmigung mit, weil ihre Hallen zu klein sind. Doch in seiner Liga-Funktion sagt der 61-Jährige: „In dieser Situation auf Lüneburg zu zeigen wäre nicht korrekt.“ Dort gebe es feste Bestrebungen für den Bau einer neuen Halle, der sich wegen des Absprunges eines Geldgebers verzögert: „Wenn da nichts passieren würde, würden wir Lüneburg schon gar nicht mitspielen lassen.“ Und Einschränkungen gibt es: Lüneburg muss für die Playoffs nach Hamburg ausweichen; Herrsching verlor sein Heimrecht im Pokal-Halbfinale.

Während beispielsweise in der Basketball-Bundesliga große Städte und Namen in den Fokus rücken, weiß Jung um den guten Ruf des Standortes Rottenburg: „Junge, deutsche Spieler auszubilden, das ist das Markenzeichen“, sagt Jung. „Und die Heimspiele: Das ist Event und Entertainment, nur so kann man den Sport voranbringen.“

Nur in Berlin, Friedrichshafen und Frankfurt passen überhaupt mehr Zuschauer rein als in der Tübinger Paul-Horn-Arena. Deshalb ist auch die Liga auf Rottenburg angewiesen. Ein Wegfall des Standortes wäre für die Außendarstellung schlecht, ohne den TVR würde die Liga ein Stück ihrer Identität verlieren. „Ich bin da Traditionalist“, sagt Jung. „Vereine wie Rottenburg sind für uns goldwert.“

Er zieht auch den Vergleich mit Vereinen, die sportlich starke Spieler gekauft haben und erst danach über den Erfolg die notwendigen Sponsoren finden wollten – wie Coburg/Grub in der Vorsaison. „Das hat in einer Solidargemeinschaft nichts zu suchen, das ist Wettbewerbsverzerrung“, sagt Jung. Der Liga-Geschäftsführer bekräftigt den TVR, trotz des zweiten großen Rückschlags nach dem EnBW-Rückzug weiter zu kämpfen. Dafür appelliert Müller-Angstenberger an die potenziellen Unterstützer im Umkreis: „Am Ende des Tages geht es auch darum, was dieser Region Bundesliga-Volleyball wert ist.“

Die Unsicherheit ist zurück

TVR-Trainer Hans Peter Müller-Angstenberger hat die unnötige 2:3-Niederlage in Bestensee aufgearbeitet. „Ich spüre im Moment, dass die Unsicherheit von letzter Saison, die wir völlig draußen hatten, wieder da ist“, sagt er. Gegen Solingen verspielte der TVR eine 2:0-Führung, in Bestensee ein 7:1 im fünften Satz. „Du musst als Trainer fast sagen: ‚Lieber ist das Spiel schön eng, als dass wir deutlich führen‘“, sagt Müller-Angstenberger. Natürlich sei auch bei den Spielern („Sie sind alle existenziell mit dem TVR verknüpft“) die finanzielle Lage im Hinterkopf. Aber: „Wir müssen jetzt einfach spielen“, sagt der Trainer.

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03.03.2017, 01:00 Uhr
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