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Operation beim Puppenarzt

Giuseppe Ricucci repariert allerlei Spielzeug

Der Stuttgarter Guiseppe Ricucci, ist ein Puppendoktor. Er repariert Spielzeuge, darunter sind Teddys und Puppen aller Art. Er ist ausgerüstet wie ein Mediziner und freut sich Kindern helfen zu können.

17.09.2011

Von YVONNE WEIRAUCH

Stuttgart Berta ist kopflos. Die Rothaarige daneben hat nur einen Arm und ein Bein. Beide liegen auf dem OP-Tisch. Ihr Arzt, Guiseppe Ricucci, ist ein Puppendoktor. Für verletzte Puppen, kranke Teddybären oder kaputtes Spielzeug ist die Puppenklinik die erste Anlaufstelle. Die kleine Puppen- und Bärenklinik liegt mitten in Stuttgarts Bohnenviertel.

Im Vorraum seines Ladens hält der Puppenarzt seine Sprechstunden ab. "Sprechzeiten gibt es nur nach telefonischer Vereinbarung", sagt Guiseppe Ricucci, der mit 14 Jahren von Süditalien nach Stuttgart gekommen ist. Neben seinem Beruf als Feinmechaniker begann Ricucci Puppen zu sammeln und sie zu reparieren. Mit den Jahren hat er sich ein beeindruckendes Ersatzteillager aufgebaut - mittlerweile mit Ersatzteilen, die es sonst nirgendwo mehr gibt. Seit 1995 betreibt er die Werkstatt.

"Operationssaal. Zutritt verboten." Das weiße Schild hängt an einem grauen Vorhang, der den Laden von der Werkstatt trennt. Zum OP-Saal hat normalerweise niemand Zutritt. Im hinteren Raum seines Geschäftes hat Ricucci fein ordentlich jegliches Zubehör, wie Arme, Beine, Köpfe, Perücken, Stoffe, Zubehör für Puppenstuben und Kaufläden in beschriftete Kartons gestapelt. Hinzu kommen Puppen- oder Teddy-Kulleraugen aus Glas, Quietschstimmen, Mama-Stimmen und verschiedene Puppenkleider - eine echte Fundgrube.

An einem kleinen Tisch sitzt der Puppendoktor. In Händen hält er behutsam eine Puppe, deren Gummis an Armen und Beinen nicht mehr halten. Diese Puppe ist nur eine von vielen Patienten, die Guiseppe Ricucci verarztet und wieder gesund macht. Ein Skalpell liegt auf dem Tisch. Pinzetten stecken in einer Dose. Zangen, Pinsel, Amputationsscheren, Fäden, Nadeln, Wolle, Garn, Draht - alles ist in greifbarer Nähe untergebracht: "Eine Ausrüstung wie bei einem Arzt", sagt Ricucci. In der Reparaturwerkstatt liegt eine weitere, größere Puppe im Regal. "Der Automatismus, damit die Puppe Augen und Mund bewegen kann, war kaputt." Im Moment muss sie sich vom Eingriff erholen und ruhig daliegen. Die Besitzer hatten zuvor "selbst rumgedoktert" und mit Sekundenkleber versucht, die Puppe zu heilen. "Das ist das Schlechteste, was man machen kann", sagt er.

Ricucci widmet sich nicht nur Puppen. Auch Kuscheltiere sind seine Patienten. "Vor kurzem wurde ein Biber gebracht, dessen halbes Gesicht verbrannt war." Ricucci hat Stoffteile des Gesäßes verwendet, um das Gesicht des Bibers wieder herzustellen - "die Kundin war begeistert", sagt er. Für Guiseppe Ricucci ist es ein gutes Gefühl, wenn er einem "Patienten" helfen konnte. "Ich freue mich immer, die Kunden glücklich zu machen."

Obwohl es noch einige Wochen dauert, bis Weihnachten ist, steckt Ricucci jetzt schon in den Vorbereitungen für den Stuttgarter Weihnachtsmarkt. Vor allem in der Vorweihnachtszeit seien die Auftragsbücher gefüllt, obwohl er da am wenigsten Zeit habe.

Giuseppe Ricucci versteht sein Handwerk: Dieser Puppe fehlt der Arm und das Bein, auch der Kopf hängt haltlos am Rumpf. Der Puppendoktor repariert die Puppe. Foto: Yvonne Weirauch

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Erstellt:
17. September 2011, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
17. September 2011, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. September 2011, 12:00 Uhr

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