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„Girls for Girls“ - Tandem-Projekt für geflüchtete Frauen
Makei (l) und ihre Tochter Sadaf (r) aus Afghanistan, lernen zusammen mit Sozialpädagogin Lisa (m) deutsche Vokabeln.Foto: Christoph Schmidt/dpa
Integration

„Girls for Girls“ - Tandem-Projekt für geflüchtete Frauen

Geflüchtete Frauen sind in der Öffentlichkeit weniger präsent. Sie haben zudem seltener Kontakte zu Einheimischen. Ein Verein hilft bei der Integration. Er bringt deutsche und geflüchtete Frauen zusammen.

18.07.2018
  • LSW

Stuttgart. Zwei Frauen, beide 31, sitzen zusammen in einem Café - so weit, so normal. Doch Lisa und Makei sitzen nicht nur einfach so beisammen. Vor mehr als zwei Jahren kam Makei mit ihren vier Kindern von Afghanistan nach Deutschland - und steht mit der Sprache noch am Anfang. Damit sie besser Deutsch lernen und Kontakte knüpfen kann, hat ein Verein sie mit Lisa zusammengebracht. Die beiden wollen sich nun wöchentlich treffen, um Aufgaben aus Makeis Deutschkurs zu machen oder sich einfach nur zu unterhalten. „Ihr fehlt die Gelegenheit, das Gelernte anzuwenden“, sagt Tandem-Partnerin Lisa. Die beiden Frauen sind eines von mehreren solcher Duos, die der Verein „Girls for Girls Community“ zusammengebracht hat.

Auch Makeis zehnjährige Tochter Sadaf - sie hat durch den Verein schon eine deutsche Freundin gefunden - ist mitgekommen. Fleißig übersetzt sie ihrer Mutter alles Nötige. „Beim Lernen war‘s einfach sich zu verständigen, weil man über dasselbe spricht“, sagt Lisa.

„Es ist wichtig, die Eltern zu bestärken. Das gibt auch den Kindern Zuversicht“, sagt Lisa, die als Sozialpädagogin auch mit geflüchteten Kindern zu tun hat. Für sie ist es das erste Tandem. Sie habe aber schon länger mit dem Gedanken gespielt, sich zu engagieren. Makei suchte schon länger nach einer Tandem-Partnerin. Nicht nur sie profitiert von den Treffen. „Für mich ist es genauso interessant, etwas über sie zu erfahren“, sagt Lisa.

Jana Derbas, Initiatorin und Vorsitzende des Vereins „Girls for Girls Community“, geht es ähnlich: „Ich habe selbst schon viel gelernt.“ 2015 hatte sie nach eigenen Angaben mit zwei anderen Studentinnen die Idee zu einer sozialen Kampagne mit Flüchtlingen. Daraufhin seien sie in Flüchtlingsunterkünften gewesen: „Da haben wir uns gefragt: Wo sind eigentlich die Frauen?“ Selbst Sozialarbeiter hätten es manchmal schwer, mit geflüchtete Frauen ins Gespräch zu kommen.

Das Projekt „Girls for Girls Community“, das seit März 2018 ein Verein ist, richte sich an Frauen, weil sie die Unterkünfte seltener verließen. Häufig hätten sie die Hauptverantwortung für die Kinder und seien nicht so flexibel, erklärt Derbas. „Das Hauptproblem ist allerdings, dass sie, wenn sie dann mal rausgehen, keine Kontakte zu Deutschen haben.“

In gemischten Gruppen könne es manchmal zu unangenehmen Situationen kommen, sagt Derbas. Sowohl geflüchtete als auch deutsche Frauen seien froh, dass sie als Frauen unter sich seien. Außerdem sei so ein Platz geschaffen worden, an dem sich die Frauen öffnen können. „Viele der in Deutschland lebenden geflüchteten Mädchen und Frauen haben Gewalt erlebt und traumatische Erfahrungen gemacht“, weiß Derbas.

Beim Flüchtlingsrat Baden-Württemberg kennt man die Verunsicherungen der Frauen. Es sei einfach eine Realität, dass man bei herkömmlichen, gemischten Angeboten nicht viele Frauen erreiche, sagt der Leiter der Geschäftsstelle in Stuttgart, Seán McGinley. „Frauen benötigen eine besondere Unterstützung.“

Ob Erstorientierung, niedrigschwellige Kurse oder spezielle Frauenberatungen - auch Karlsruhe hat viele Angebote für Frauen. Gesonderte Projekte seien sinnvoll, „weil die Frauen häufig andere Bedürfnisse haben“, sagt Amy Pollitz vom Freundeskreis Asyl in Karlsruhe. Häufig hätten auch die Mitarbeiterinnen einen Migrationshintergrund. Sie verstünden die kulturellen Bedürfnisse und häufig auch die Muttersprache.

Im Land gebe es viele verschiedene Tandem-Projekte, die häufig von Ehrenamtlichen ins Leben gerufen würden, heißt es beim Ministerium für Integration und Soziales. „Der Ansatz, durch Tandems voneinander zu lernen, sich auszutauschen und zu unterstützen, erscheint insbesondere im Bereich der Integrationsförderung als vielversprechend“, sagt Pressesprecherin Claudia Krüger.

Stuttgarts Sozialbürgermeister Werner Wölfe (Grüne) stellt nach eigenen Angaben einen Unterschied in der Art der Flüchtlingshilfe fest. Aus spontaner Hilfe, meist Spenden, seien Patenschaften und oft sogar Freundschaften geworden. „Nur wenn man es selbst als Bereicherung sieht, macht man es weiter.“

Makeis Tochter Sadaf ist ein Beispiel für den Erfolg der Tandems. Sie hat durch den Verein ihre Patin Marlen getroffen und durch die Unternehmungen mit ihr Deutsch gelernt. Sie seien gemeinsam im Park, schwimmen und Tee trinken gewesen, erzählt Sadaf. Das passt zu Jana Derbas Plan: „Wichtig ist, dass man Nachbarschaften zusammenbringt, damit es für beide unkompliziert ist.“

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18.07.2018, 06:00 Uhr
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