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Südwestumschau

Gin aus dem Affen-Gasthof

Für Gin sind eigentlich Engländer zuständig. Doch zwei Schwaben produzieren jetzt einen Schwarzwald-Gin mit einem Affen auf dem Etikett. Die Rezeptur stammt von einem Air-Force-Commander.

29.06.2010

Von RAIMUND WEIBLE

Betzweiler Die beiden Männer könnten unterschiedlicher nicht sein. Alexander Stein mag glatte Haut im Gesicht, trägt Anzug und Krawatte. Christoph Keller wirkt wie ein Aussteiger-Typ: dunkler Vollbart, strenger Blick, Schildmütze auf dem Kopf und Outdoor-Jacke überm T-Shirt. Stein ist ein Spross der Großheppacher Brenner-Familie, die "Jacobi" und "Fernet Branca" auf den deutschen Markt brachte. Keller, der in Leonberg aufwuchs, war Professor an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg und editierte in Frankfurt Kunstbücher. Für dieses Metier ist er auch heute noch ein gesuchter Fachmann.

Aber vor fünf Jahren hat sich Keller in der Stählemühle bei Eigeltingen im Kreis Konstanz eingenistet, um seltene Haustierrassen zu züchten - und Schnaps zu brennen. Aber das auch mit dem hohen Anspruch, mit dem er seine anderen künstlerischen Ziele verfolgt. In kurzer Zeit wurde er als Brenner von Edelschnäpsen mit Auszeichnungen überhäuft. Der urige Typ von der Stähle-Mühle und der Betriebswirtschaftler aus Großheppach haben sich zusammengetan, um etwas zu machen, was normalerweise nur Engländer machen: einen Gin, einen Wacholderschnaps.

Stein: "Die Schwarzwälder Interpretation eines Gins war unser Ziel." Steins Vater Jürgen hat sich gewundert über die Idee, aber der Sprössling hielt daran fest. "Ich wollte etwas Eigenständiges aufbauen", sagt er. Lieber einen Gin als das 20. Kirschwasser.

So ganz daneben ist das nicht, denn Wacholder wächst auch in Baden-Württemberg. Auf die Idee mit dem Gin habe ihn, so sagt Stein, ein Brite gebracht: Montgomery Collins. Der Commander bei der Royal Air Force arbeitete nach dem Krieg in Berlin als Verwaltungsmann in der Armee und nahm sich des Zoo-Affen Max an. 1951 zog er in den Nordschwarzwald, wollte eigentlich Uhrmacher werden, landete jedoch in der Gastronomie und führte einen Landgasthof mit dem Namen "Zum wilden Affen". Nebenbei entwickelte er eine Rezeptur für Gin.

Darauf gekommen sei man, erzählt Stein, als bei Renovierungsarbeiten im alten Landgasthof eine alte Holzkiste auftauchte. Drin war eine alte Flasche Gin samt Rezeptur. Stein verwendet jetzt in seinen "Black Forest Distillers" das alte Rezept, entschied sich jedoch dafür, lokale Aromen beizufügen: Preiselbeeren, Brombeerblätter und Fichtensprossen. "Letzteres gibt dem Gin eine leichte Harznote", sagt Stein. Er setzt die 47 Zutaten in Steingutbehältern an und lässt sie in Loßburg-Betzweiler (Kreis Freudenstadt) ausreifen. Das Wasser dazu stammt aus eigener Quelle in Alpirsbach. Wegen der 47 Kräuter nannte Stein seinen Schwarzwald-Gin "Monkey 47". Auf dem Flaschenetikett prangt der Affe. Vater Jürgen hatte nicht an den Erfolg geglaubt. Nach einer Verkostung sei der Vater aber zu seinem "absoluten Fan" geworden.

Sieht ein wenig aus wie Tiermedizin, ist aber Schwarzwald-Gin. Privatfoto

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Erstellt:
29. Juni 2010, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
29. Juni 2010, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. Juni 2010, 12:00 Uhr

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