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Ulla Steuernagel hat ein Alkoholproblem

Gibt es irgendwo eine Klappe für Überflüssiges?

Im fortgeschrittenen Alter packt einen die Lust, Dinge wegzuschmeißen, weiterzugeben, auszumisten.

16.03.2018

Von Ulla Steuernagel

Der Skulpturenpark im Schrank. Bilder: Steuernagel

Gut, es soll mittlerweile auch bei jungen Leuten ein neuer Minimalismus angekommen sein. Im Umkreis der Älteren ist er schon länger ausgebrochen und der Abfallkalender des Landkreises zum bedeutendsten Nachschlagewerk im Haus geworden.

Das Entrümpelungsfieber macht vor fast nichts halt: Bücher werden kritisch auf ihr multiples Lesevergnügen geprüft, Kleider auf Tragehäufigkeit oder Altersangemessenheit, Briefe auf allzu persönliche Details. Nichts entgeht dem Ausmisten. Nichts, nur der Schnaps. Ja, wohin bloß damit?

In der Generation der Eltern war die Hausbar noch ein Statussymbol, sie signalisierte Wohlstand und Gastfreundschaft. Deshalb wurde das Heer der Flaschen regelrecht inszeniert. Es kam in eine Art Triptychon mit rückwandigem Spiegel, damit das Bataillon noch mächtiger aussah, und es wurde appetitlich ausgeleuchtet. Da man im bürgerlichen Milieu auch gerne Scherze über geistige Getränke machte, waren die Hausbars in oder neben Bücherschränken immer gut aufgehoben.

Meine Hausbar schlummert in einem übervollen Schrank und Gäste leisten eher Beiträge zur Expansion als zur Minimierung. Die Sammlung wäre mittlerweile in der Lage, eine ganze Bundeswehr-Kompanie umzuhauen, zumindest fahruntauglich zu machen. Wie viel Promille sich hier zusammendrängt, möcht ich gar nicht wissen. Ganz zu schweigen von dem Kopfschmerz-Potenzial. Kopfschmerz-König dürfte der 95-prozentige „Spirytus“ aus Polen sein. Der Schenker zupfte die Kräuter dafür noch schnell vom Wegesrand. Diesen Geist möchte ich wirklich nicht aus der Flasche lassen.

Das erinnert mich an den „Wütenden Hund“ (Wodka, Himbeersirup und Tabasco nach Belieben) – mehr Mut- als Wutprobe. Nach dem Urlaub blieb der Hund auf immer eingesperrt. Grappa, Doppelkorn, Whisky, Gin - all die Flaschen stehen da wie im Skulpturenpark, keine rührt sich.

Ich könnte sie also ohne Bedauern entsorgen. Doch wie wird man Alkohol los? Eine Freundin lud einmal verzweifelt zur Cocktailparty. Doch die notwendigen Zukäufe vermehrten die vorherigen Bestände noch.

Den Alkohol an Parkbänken auszusetzen ist gefährlich. Was, wenn er in die Hände von Kindern und Jugendlichen geriete? Und sollte man Alkoholikern gar ein unmoralisches Angebot machen? Wie wär eine Anzeige: nur in gute Hände abzugeben? Ich weiß es wirklich nicht. Wohin bloß mit dem überflüssigen Zeug? Vielleicht doch als Rohrkrepierer oder Rohrreiniger in den Abfluss kippen? Ist das so verwerflich, wie Brot wegzuschmeißen? Hat schon mal jemand über eine Alkoholklappe nachgedacht?

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Erstellt:
16. März 2018, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. März 2018, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. März 2018, 01:00 Uhr

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