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Katalonien

Gezündelt, bis es brennt

Die Unruhen in der spanischen Region kommen nicht von ungefähr. Seit Jahren rufen Nationalisten zum Rechtsbruch auf.

21.10.2019

Von MARTIN DAHMS

Ein Demonstrant in Barcelona vor einer brennenden Barrikade. Foto: David Zorrakino/Europa Press/dpa

Barcelona. Katalonien hat eine Woche der Unruhen hinter sich, wie sie die spanische Region seit Jahrzehnten nicht erlebt hat. Seit der Nacht zum Mittwoch brennen in Barcelona und den anderen katalanischen Städten Barrikaden, gewalttätige Separatisten legen sich mit der Polizei an. Bis Sonntag registrierten die medizinischen Dienste 565 Verletzte, darunter laut Innenministerium 288 Polizisten. 194 Demonstranten wurden festgenommen, 18 von ihnen kamen in Untersuchungshaft.

Die Gewalt in Katalonien ist organisierte Gewalt. Spaniens Innenminister Fernando Grande-Marlaska beziffert den harten Kern der Separatisten mit 400. Unterstützt werden sie von rund 1500 jungen Menschen, die Spaß an der Randale haben. Hinzu kommen Krawalltouristen, die den Unruhen zuschauen, ohne daran teilzunehmen.

Wer die Gewalt organisiert, liegt ebenso im Dunkeln wie die Frage, wie eng friedlicher und gewaltbereiter Separatismus möglicherweise doch verbunden sind. Quim Torra jedenfalls, dem katalanischen Regionalpräsidenten, fällt es sichtlich schwer, sich von den Gewalttätern zu distanzieren.

Wahrscheinlich ist ihm bewusst, dass er selbst politische Verantwortung für die Krawalle trägt. Seit Jahren reden er und andere Politiker den Katalanen ein, dass ihr „demokratischer Wille“ über dem Gesetz stehe, weil das von der Uno verbriefte „Selbstbestimmungsrecht der Völker“ auch für Katalonien gelte.

Unterdrückte Volksgruppe?

Absichtsvoll missachten sie dabei alle Erklärungen der UN-Vollversammlung, die davor warnen, die „territoriale Unversehrtheit souveräner Staaten“ zu zerstören. Das Selbstbestimmungsrecht gilt nur für unterdrückte Volksgruppen.

Indem aber die katalanischen Separatisten immer wieder gegen internationales und spanisches Recht anrennen, dürfen sie sich am Ende doch ein wenig unterdrückt fühlen. Denn über die Verhältnismäßigkeit spanischer Gegenmaßnahmen lässt sich streiten. Das gilt sowohl für die langen Haftstrafen gegen die Verantwortlichen für das Unabhängigkeitsreferendum am 1. Oktober 2017 als auch für die oft übertriebene Härte der Polizei gegen die separatistischen Demonstranten.

Zu allem Unglück wählen die Spanier in drei Wochen mal wieder ein neues Parlament, und die Rechte glaubt, dass sie von den katalanischen Unruhen profitieren kann. Die rechtsradikale Vox, die Antwort des spanischen Nationalismus auf den katalanischen Nationalismus, legt in den Umfragen gerade zu.

Es gibt allerdings auch ein paar Vernünftige: die friedlichen Demonstranten. Und Spaniens sozialistische Regierung. „Wir werden nicht überreagieren“, versprach Ministerpräsident Pedro Sánchez vor ein paar Tagen. „Maß zu halten ist eine Form der Stärke.“ Martin Dahms

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Erstellt:
21. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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