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Gezerre um Labour-Chef Corbyn
Die Labour-Abgeordneten wollen Jeremy Corbyn ablösen. Die Parteibasis denkt anders. Foto: dpa
Partei-Spitze traut Vorsitzendem nichts zu, die Basis will ihn behalten

Gezerre um Labour-Chef Corbyn

Der britische Labour-Chef Corbyn hat massiv an Rückhalt verloren. Die Basis hält aber zu ihm. Eine Urwahl über den Vorsitz könnte die Partei zerreißen.

16.08.2016
  • PEER MEINERT, DPA

London. Man stelle sich das einmal vor: Da spricht die eigene Fraktion dem Chef einer großen Partei ganz offiziell ihr Misstrauen aus – mit breitester Mehrheit. Dann setzten sich engste Vertraute reihenweise von ihm ab und verlangen öffentlich seinen Rücktritt. Es gibt kaum Zweifel: In so einer Situation kann ein Parteivorsitzender eigentlich nur das Handtuch werfen – aus, basta, das war's dann.

Nicht so Jeremy Corbyn. Was der 67 Jahre alte Chef der britischen Labour-Partei an Standfestigkeit beweist, dürfte einzigartig sein. Seit dem Brexit-Referendum Ende Juni prasselt massive Kritik auf ihn ein, 172 Abgeordnete stellen sich gegen ihn, nur 40 wollen, dass er bleibt. Schattenminister springen im Dutzend ab. Doch der Mann an der Spitze will nicht weichen.

Dabei war die anfängliche Kritik, Corbyn habe sich im Brexit-Wahlkampf nicht energisch genug für den Verbleib in der EU eingesetzt, eher ein Vorwand. Kern des Missbehagens ist ein anderer: Das Partei-Establishment traut dem Mann schlichtweg nicht zu, Wahlen zu gewinnen. Zu links sei der alte Mann.

Untergründig geht die Angst um, die neue Premierministerin Theresa May könnte früher oder später die Gunst der Stunde nutzen und vorzeitige Wahlen ansetzten – Umfragen sehen Mays konservative Tories weit vor Labour. Zwar lässt May verbreiten, sie wolle von Wahlen vorerst nichts wissen. Doch kann man da sicher sein?

Die Lage ist fatal, die Oppositionspartei zerfleischt sich. „Labours Zukunft als Regierungspartei für die nahe Zukunft ist ernsthaft gefährdet“, warnt der „Guardian“. Jetzt sucht die Partei den Ausweg in einer erneuten Urwahl. Nach langem Zaudern und Zögern hat sich mit dem Abgeordneten Owen Smith (46) sogar ein Gegenkandidat gefunden. Doch wie die Dinge liegen, dürfte die Abstimmung keine Erlösung bringen. Die Parteibasis steht nach wie vor hinter dem Altlinken Corbyn. Vor allem die meisten Gewerkschaften unterstützen ihn. Erst vor einem Jahr hatte die Partei ihn bei einer Urabstimmung mit breiter Mehrheit an die Spitze gewählt.

Corbyn ist ein Mann der Prinzipien. Kriegsgegner, Atomwaffengegner, Befürworter von Verstaatlichungen, Kämpfer für die Armen. Er versteht sich als Gegenentwurf zu den politisch glattgebügelten Abgeordneten, zur angepassten „New Labour“. Nur: Ist das mehrheitsfähig?

Der Streit geht bis auf Messers Schneide. Sogar die Justiz ist involviert. Kürzlich entschied ein Berufungsgericht, dass 130 000 Neumitglieder, die erst dieses Jahr in die Partei eingetreten sind, nicht am internen Votum teilnehmen dürfen. Die Neuen gelten mehrheitlich als Corbyn-freundlich – dessen Gegner sprechen von einer Unterwanderung durch linksradikale Trotzkisten, die „die Labour-Partei als ein Vehikel für den revolutionären Sozialismus betrachten“. Ein Streitfall für ein unabhängiges Gericht.

Wie das Hauen und Stechen letztlich ausgeht, ist ungewiss. Fest steht: Demnächst sollen die Wahlunterlagen an die Mitglieder rausgehen, am 24. September wird das Ergebnis bekanntgegeben. Einen Tag später beginnt der Labour-Parteitag in Liverpool.

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16.08.2016, 06:00 Uhr
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