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Flughafen

Gezerre um Kerosin-Pipeline

Die Gemeinde Unterensingen wehrt sich gegen den Trassenverlauf, die vorgeschlagene Alternative finden Naturschützer schlecht. Das Projekt kann trotzdem noch zum Erfolg werden.

10.03.2017

Von RAIMUND WEIBLE

Ein Mitarbeiter am Stuttgarter Airport betankt ein Flugzeug. Künftig soll das Flugbenzin über die Pipeline kommen, das hält die Flughafen-Führung für wirtschaftlicher als den Straßenweg. Foto: Flughafen

Stuttgart. Der Bau der Kerosin-Pipeline für den Flughafen Stuttgart hat sich zur Hängepartie entwickelt. Sie sollte in diesem Jahr schon fertig sein. Doch sie ist bisher noch nicht einmal genehmigt. Ursache für die Verzögerung ist die Weigerung der Gemeinde Unterensingen im Kreis Esslingen, die vorgeschlagene Trasse für die Rohrleitung auf ihrer Gemarkung zu akzeptieren. Die Trasse war vom Gemeinderat mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. Das war aber schon im Juli 2015. Seitdem laufen Verhandlungen zwischen dem Flughafen und der widerstrebenden Gemeinde.

Offenbar löst sich die Blockade jetzt auf. Inzwischen hat die Gemeinde ihr Einverständnis zu einer alternativen Trasse signalisiert, die durch das Naturschutzgebiet Am Rank und Grienwiesen führt. Doch diese Trasse stößt bei Naturschützern auf Bedenken. Eine technische Variante soll dem Pipeline-Projekt jetzt buchstäblich zum Durchbruch verhelfen.

Alternatives Verfahren

Der Flughafen schlägt ein Verfahren vor, bei dem der Boden nicht aufgegraben werden muss und demnach die empfindlichen Flächen unberührt bleiben. Dieses Verfahren ist vor Kurzem bei einem Treffen der Vertreter des Flughafens, der Fachbehörden und des Gemeinderats in Unterensingen präsentiert worden. Bei dieser Technik, dem Horizontalbohrverfahren, bohrt die Maschine einen unterirdischen Kanal. Die Technik wird oft auch bei Rohrverlegungen in Innenstädten oder bei der Unterquerung fließender Gewässer angewandt. Die Gemeinde stimmt dieser Technik zu. Allerdings müssen auch die Fachbehörden zustimmen. „Wenn diese Variante genehmigungsfähig ist, sind wir guter Hoffnung, dass wir das Projekt realisieren können“, sagt Flughafen-Sprecher Johannes Schumm. Seine Stellvertreterin Beate Schleicher meint: „Es leuchtet rosarot am Horizont.“

Über die 19 Kilometer lange Pipeline, die hauptsächlich entlang der A 8 verläuft, möchte der Flughafen einen Anschluss an einen Strang des Mitteleuropäischen Pipeline-Systems herstellen, der von Kehl am Rhein nach Aalen verläuft. Diese auch Nato-Pipeline genannte Leitung passiert Reutlingen im Norden und geht dann östlich an Wendlingen (Kreis Esslingen) vorbei. Ein Abzweig bei Oberboihingen könnte dann zum Flughafen führen.

4500 Lkw-Fahrten im Jahr

Bisher wird der Flughafen über die Straße mit Flugzeug-Kraftstoff beliefert. 270 000 Kubikmeter benötigt der Airport im Jahr. Das bedeutet 4500 Lastwagen-Fahrten – was ein Sicherheitsrisiko bedeutet und ökologisch nachteilig ist wegen der erzeugten Schadstoffe. Derzeit bezieht der Flughafen ein Drittel seines Flugbenzins aus Heilbronn, zwei Drittel aus Plochingen. Zuvor war das Verhältnis anders herum. Heilbronn wollte die Lieferung Ende 2017 einstellen. Nun aber sei der Bezug über diese Zeit hinaus gesichert, sagt Beate Schleicher. Sollte das Lager Heilbronn aber schließen, müsste der Flughafen sich das Kerosin von Kehl und Speyer beliefern lassen – zu höheren Kosten. Auch deswegen nahm der Flughafen die Pipeline als wirtschaftlich günstigere Lösung in Angriff. Die Gemeinde Unterensingen hatte sich gegen den bisherigen Trassenplan gewehrt, weil sie sich durch die neue ICE-Trasse Stuttgart – Ulm, dem Ausbau der B 313 und der bestehenden überörtlichen Gasleitung schon über die Maßen strapaziert fühlt. Allerdings rief dieser Widerstand auch Unwillen hervor, weil die Pipeline 1,20 Meter tief unter die Erde verlegt wird und, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, gar nicht mehr sichtbar ist, somit also keine Belästigung darstellt.

„Das Projekt muss endlich vorankommen“, mahnt der Bundestagsabgeordnete Matthias Gastel (Grüne), zu dessen Wahlkreis Unterensingen gehört. Er hofft sehr, dass sich beide Seiten bewegen. Als nächster Schritt müsse der Aufsichtsrat des Flughafens der Kompromiss-Trasse zustimmen und die Mittel für die höheren Kosten bewilligen. Der Aufsichtsrat tagt Anfang April. Danach ist der Gemeinderat Unterensingen an der Reihe.

Baubeginn könnte 2018 sein

Wenn es 2017 zur Planfeststellung komme, könne das mit zehn Millionen Euro veranschlagte Projekt noch im selben Jahr ausgeschrieben werden. Mutmaßlicher Baubeginn wäre dann im Sommer 2018. Dauern soll der Bau zwischen eineinhalb und zwei Jahren.

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Erstellt:
10. März 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
10. März 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 10. März 2017, 06:00 Uhr

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