Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Der Jahrtausendregen

Gewaltige Überflutungen in South Carolina

Ein Tief saugt sich in einem Hurrikan voll - und geht dann an Land. Was South Carolina dieser Tage erlebt, ist ein alptraumartiges Wetter. Der Bundesstaat an der US-Ostküste wird schwer getroffen.

06.10.2015
  • MARTIN BIALECKI, DPA

Columbia Träge liegt das taubenblaue Sofa auf der Seite, umspült von schlammigem Wasser. Auf der Anrichte blicken weiße Blumen auf den zerstörten Raum, fast bis zum Türknauf steht das Wasser. South Carolina erlebt im allerschlechtesten Sinn historische Tage. Von einer Flut ist die Rede, wie es sie vielleicht nur einmal in 1000 Jahren gibt.

Wenn man ein 30-Zentimeter-Lineal aufrichtet: So viel hat es in Columbia geregnet. Binnen 48 Stunden. Zur Sintflut wurde das Wetter durch die unheilvolle Verbindung eines Tiefs mit einer Zelle des abziehenden Hurrikans "Joaquin".

Mit den schier endlosen Wassermassen "Joaquins" saugte das Tief sich voll, dann ging es über South Carolina an Land. Begünstigt oder verschlimmert durch etwas, das man sich wie eine Schnellstraße in der Atmosphäre vorstellen muss, eine Art mikroklimatischen Fluss für tropische Feuchtigkeit. So beschreibt es die Universität Georgia.

Fassungslos schaut Stephen K. Benjamin, der Bürgermeister von Columbia, am frühen Montagmorgen in die TV-Kameras. "Sie machen sich keine Vorstellung", sagt der schwere Mann. "Wir müssen alles tun, um Menschenleben zu retten. Hier ist so unglaublich viel zerstört worden." Manche Häuser sind bis zur Dachrinne verschwunden. Holzhäuser sind weggerissen. In anderen Straßen sind Reihen seltsam graziöser Briefkästen das letzte, was aus den grauen Fluten ragt.

Bullige Pickups und schwere SUV werden in die Wälder gedrückt, Brücken zerstört. Ein Damm wurde geöffnet, um Schlimmeres zu verhindern. Mit Booten arbeiten sich Helfer von Haus zu Haus, ziehen Menschen aus ihren Autos. Sie retten Hunderte, aber mindestens fünf Menschen sterben. Manche werden von Helikoptern gerettet, etwa Cristi Mueller und ihre 15 Monate alte Tochter Kailynn Walts, die man vom Dach ihres Hauses holte.

Über Wochen hatte es kaum Niederschläge gegeben an der Ostküste, der Sommer war lang und sehr heiß. Nun regnete es binnen weniger Stunden so viel wie sonst in drei Monaten. In sieben Bundesstaaten gab es Flutwarnungen. 30 000 Menschen sind ohne Strom. Schulen und Unis bleiben geschlossen, mancherorts gibt es kein Frischwasser mehr. Charlestons Bürgermeister Joe Riley sagt, so etwas habe er noch nie erlebt, seit er im Amt ist - seit 40 Jahren also.

Das Fernsehen zeigt weinende Familien: "Wir haben alles verloren." US-Medien nehmen Wetterphänomene gern persönlich, geben Stürmen und Katastrophen Antlitz und Absicht. "Er" hat zugeschlagen, ein Tief ist ein "biblischer Regensturm", das "unbarmherzig und gnadenlos" wütet. Alptraumartige Tage für South Carolina. Es wird Monate dauern, bis die vielerorts eh schon marode Infrastruktur wieder hergerichtet sein wird. Der Bundesstaat ist Notstandsgebiet.

Gestern Nachmittag dann, endlich, sollte der Regen enden. Die Aussichten versprechen Sonnenschein. Doch vorbei ist in Kreisen wie Georgetown, Horry oder Marion noch gar nichts. Der extreme Regen hat vielerorts die Flüsse extrem anschwellen lassen, mindestens bis morgen bleibt die Lage vielerorts sehr gefährlich. "Wir müssen uns das so vorstellen", sagt der Meteorologe von NBC: "All das Wasser, was hier in die Gegend hinaufgedrückt worden ist, das muss ja wieder den Berg hinunter."

Gewaltige Überflutungen in South Carolina
In Columbia wurden Autos von den Wassermassen weggespült. Foto: afp

Gewaltige Überflutungen in South Carolina

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

06.10.2015, 12:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
 
Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Polizeieinsatz auf dem Netto-Parkplatz im Kreuzerfeld Bewaffnete Polizisten stoppen Dreharbeiten für Hip-Hop-Video
Langsame Annäherung im Klinikums-Tarifstreit Regelbesetzung für 20 Stationen in Aussicht
60.000 Euro Schaden Abgelenkt von Autokorso
Wirtschaft im Profil
Wirtschaft im Profil

Die aktuelle Ausgabe unseres Business-Magazins Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular