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Reutlingen

Getötetes Baby: Die Prognose für die Mutter war positiv

Nach dem gewaltsamen Tod eines Säuglings, hat sich das Landratsamt kritischen Fragen zu erwehren. Dem Kreisjugendamt könne man aber keine Versäumnisse anlasten, stellte Landrat Thomas Reumann gestern in einer Pressekonferenz fest.

20.07.2009

Wie berichtet, ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen eine 21 Jahre alte Mutter wegen des Verdachts auf Totschlag. Ihr wird vorgeworfen, den zehn Wochen alten Säugling so schwer misshandelt zu haben, dass an im Krankenhaus an den Folgen einer Schädelverletzung starb. Nicht richtig seien Berichte, wonach die Ermittler auch das Jugendamt im Visier haben sollen, von dem die Mutter seit Jahren betreut wird.
Tatsächlich sei dies nicht der Fall, sagte Landrat Thomas Reumann gestern bei dem Pressegespräch. Es werde weder gegen keinen Mitarbeiter ermittelt noch bestehe ein Anfangsverdacht. Dem Jugendamt, so das Fazit, könne man keine Versäumnisse vorwerfen. Es sei ganz selbstverständlich, dass bei der staatsanwaltlichen Untersuchung des Falles die Akten des Kreisjugendamtes hinzugezogen werden.
Diese Darstellung wurde gestern von der Tübinger Staatsanwaltschaft so bestätigt. Die Beiziehung von Akten sei eine Routineangelegenheit, sagte Staatsanwalt Alexander Hauser. Ein Ermittlungsverfahren gegen das Jugendamt stehe „überhaupt nicht im Raum“. Dies sei eine rein hypothetische Annahme für den Fall etwa, dass sich aus dem Aktenstudium ein Anfangsverdacht gegen einen Mitarbeiter des Kreisjugensamtes ergeben würde.
Dass dies nicht der Fall sei, ist sich Reumann sicher und stützt sein Urteil auf zwei Expertisen. Die rechtliche Prüfung des Sachverhalts habe man an einen externen Gutachter vergeben, als das Kind noch schwer verletzt im Krankhaus lag. Hätte der Prüfer Versäumnisse des Jugendamtes festgestellt, wären sie mit einem Disziplinarverfahren beantwortet worden. Auch ein vom Justiziar des Landratsamtes eingeleitetes Verwaltungsermittlungsverfahren schließt fachliche Fehler des Jugendamtes aus. Danach habe es für eine Kindeswohlgefährdung keine Anhaltspunkte gegeben.
Genau dazu war eine Prognose abzugeben. Es war die zweite, nachdem die Mutter schon als 17-Jährige bei der Geburt ihres ersten Kindes – aber auch schon in der Zeit davor – vom Jugendamt betreut wurde. Vor vier Jahren wurde ihr Kind an eine Pflegefamilie vermittelt. Die Prognose für die jetzt 21-Jährige sei nach eingehender Prüfung günstig ausgefallen.
In die Abwägung einbezogen wurden das familiäre und partnerschaftliche Umfeld ebenso wie die Wohnverhältnisse. Anhaltspunkte für eine mögliche Gewaltanwendung hätten sich keine ergeben, sagte Reumann. Außerdem sei die Mutter bereit gewesen, Unterstützung durch Hebamme, Kinderarzt und dem sozialem Netzwerk des Landkreises anzunehmen, weshalb man den Fall „anders als vor vier Jahren beurteilte“. Auch die Stellungnahme einer weiteren „pädagogische Fachkraft, die der Mutter bekannt war“, habe dazu beigetragen.
Bei der Abwägung aller Argumente gehe es darum festzustellen, ob eine „akute Kindeswohlgefährdung“ vorliegt. Schließlich orientiere sich die Gesamtentscheidung „am konkreten Eindruck“. Auch wenn man sich rechtlich nichts vorzuwerfen habe: „Wenn am Ende ein Kind tot ist, kann niemand in Anspruch nehmen, dass es gut gelaufen sei.“ (bus)

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20.07.2009, 12:00 Uhr
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