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Gesundheitsbewusste Stockholmer nutzen eineinhalbstündige Mittagspause
Warten auf ihren Salat;: die 25-jährige Linnéa Sjöblom im Café Vurma im Stockholmer Stadtteil Hornstull. Foto: André Anwar
Salat essen und Licht tanken

Gesundheitsbewusste Stockholmer nutzen eineinhalbstündige Mittagspause

Die wohlhabenden Stockholmer machen Mittagspause. Die sind dank starker Gewerkschaften recht lang – und im Winter eine Chance, Sonne abzubekommen.

22.08.2016
  • ANDRÉ ANWAR

Stockholm. Wie alle anderen Europäer essen die Stockholmer normalerweise gern zu Mittag. Das kann auch in Stockholm von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich gestaltet werden. Dank der traditionell recht starken Gewerkschaften des Wohlfahrtslandes können die Hauptstädter sich in ihrer Mittagspause oft Zeit nehmen. Sie ist eine von vielen Pausen, die man den Arbeitnehmern gönnt.

Die Schweden sind zwar sehr leistungsorientiert+ und oft sogar noch akkurater und pflichtbewusster als die Deutschen. Aber gleichzeitig leben sie ihre Wohlfühl- und Harmoniebedürfnisse stärker aus.

Das Gleichgewicht zwischen Arbeit und Leben (Work-Live-Balance) ist ihnen sehr wichtig und wird von den Chefs akzeptiert. Das demonstriert neben der ausgezeichneten Vereinbarkeit von Beruf und Kindern auch der Mittagstisch. Die Angestellten gehen zumeist gern gemeinsam Essen. Es wird viel gelacht.

Oft sind die Chefs dabei und demonstrieren durch ihre zurückhaltende Art die kumpelhaft-flachen Hierarchien im Du-Sager-Land. Aber es wird auch respektiert, wenn jemand lieber allein essen will. Der Respekt vor dem Bedürfnis nach ungestörteR Einsamkeit liegt den Schweden im Blute.

Die Stockholmer sind zudem bildhübsche Gesundheitsfanatiker. Arbeitnehmer sehen oft aus wie die Leute in der Fernsehwerbung: schlank und gut trainiert. Sie lieben es deshalb, zur Mittagszeit Salat zu essen, und ab und zu verwundert es, dass sie davon auch Stunden später satt sind. Bei vielen hat sich eingebürgert, in der Mittagszeit ins Fitnessstudio zu gehen und dann nur einen Proteinshake oder etwas anderes Schnelles auf dem Rückweg zur Arbeit zu verdrücken.

„Ich habe immer so eine Stunde Mittagspause“, sagt die 25-jährige Linnéa Sjöblom, die mit Bekannten im „Café Vurma“ in Hornstull sitzt, das für seine schön machenden Quinoasalate bekannt ist. „Und ja, ich achte sehr auf gesundes Essen, zumeist kaufe ich einen Salat.“

Die Massagetherapeutin ist Vegetarierin, so wie auffällig viele andere Stockholmer. Veganes „Rawfood“, also Essen, das frei von Fleisch- und Milchprodukten ist und nicht erhitzt wird, damit Vitamine nicht verloren gehen, das ist der neueste Trend an den Stockholmer Mittagstischen.

Alkohol getrunken oder geraucht wird unter der Woche grundsätzlich nicht, schon gar nicht in der Mittagspause – anders als bei den Wochenendexzessen vieler Schweden. Aber ein Laster haben sie sich auch für unter der Woche bewahrt: Sie trinken sehr gerne sehr viel sehr starken schwarzen Kaffee nach dem Mittagessen. Auch Sjöblom ist da keine Außnahme. Den Tee überlässt man gern den Briten.

Die Mittagspause hat in Stockholm eine weitere wichtige Funktion. Weil es monatelang morgens und nachmittags stockdunkel ist, nutzen viele die Mittagspause, auch wenn es kalt ist, um mit aufgekrempelten Armen und offener Jacke in der Sonne spazieren zu gehen. Denn eine halbe Stunde Sonne jeden Tag ist wichtig, um beim nordischen Wetter nicht wegen Vitamin-D-Mangel zu müde oder depressiv zu werden.

Eine viel beachtete schwedische Studie hat kürzlich ergeben, dass zuwenig Sonne das Risiko, vorzeitig an Herz- und Kreislauferkrankungen zu sterben, genauso erhöhen kann wie Zigarettenkonsum. So verwundert es keinen Schweden, wenn Landsleute mittags in der Fußgängerzone unerwartet und oft für lange Zeit stehenbleiben. Sie nehmen Sonne auf.

Eine beschwingte Variante des Mittagtischs für jüngere Stockholmer gibt es im „Lunchbeat Klubb“. Einmal im Monat geht es für die Werber, Ökonomen und Callcenter-Angestellten im Stadtzentrum zum Mittagstanz von 11.30 bis 13 Uhr. Die Tanzfläche ist tatsächlich brechend voll, es wird richtig gerockt.

Im Eintrittspreis von 9 Euro sind Tanz und Essen enthalten. Der Werber Dan und die Graphikdesignerin Erika, beide um die 30, reden, trinken, essen sich mit Sandwiches, Bananen und Kaffee Mut an und gehen dann auf die Tanzfläche. Erika: „Danach sind wir ordentlich durchblutet und können gut weiterarbeiten.“

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22.08.2016, 06:00 Uhr
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