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Reizstrom für kranke Hunde

Gesundheit ihrer Haustiere kostet die Deutschen jedes Jahr Milliarden

Hund und Katze sind die heiß geliebten Haustiere der Deutschen. Damit diese lange leben, ist deren Gesundheit vielen Besitzern jeden Cent wert. Massagen, Reizstromtherapie und Akupunktur sollen helfen.

16.10.2015
  • LAURA LEWANDOWSKI, DPA

Berlin Die Schulter zwickt, das Atmen fällt schwerer. Wer kennt sie nicht, die Leiden des Alltags? Doch der Mensch ist nicht der Einzige, den gerade im Alter Rückenprobleme oder ein krankes Herz quälen. In Zeiten der Wohlstandsgesellschaft schleichen sich typische Zivilisationskrankheiten laut Experten auch immer öfter bei den heiß geliebten Haustieren ein. Die Kosten für einen Hund sind abhängig von der Rasse, der Größe und seiner Gesundheit.

Um Hund und Katze zu heilen, setzen Mediziner alle Hebel in Bewegung und treiben die Forschung voran. Ihr Erfolg hilft sowohl Tier, Besitzer als auch dem Geschäft rund um die Veterinärmedizin: Neue Krankheitsbilder erfordern neue Behandlungsmethoden.

Ähnlich wie bei Menschen sorgt der medizinische Fortschritt auch bei den Tieren für eine höhere Lebenserwartung. Diabetes, Nieren- und Gelenkerkrankungen sind dann nur einige der Leiden, mit denen sie zu kämpfen haben, sagt Sabine Schüller, Geschäftsführerin des Bundesverbands für Tiergesundheit. Schuld daran sind in vielen Fällen aber vor allem die Besitzer selbst - "weil Hund und Katze häufig zu viel gefüttert werden". Doch gibt es für die Vierbeiner auch gute Nachrichten: "Denn die emotionale Bindung ist viel stärker als noch vor 20 Jahren", bemerkt Schüller.

Davon hat auch Quicki profitiert. Vor etwa einem Jahr schien das Schicksal der Schäferhündin besiegelt. Halb gelähmt lag das Tier im Zwinger. Die Glieder zu schwach, um den Körper zu tragen. Dass sie inzwischen fast die Alte ist, hat Quicki ihrer Besitzerin Gudrun Reinke zu verdanken: Mit Massagen, Reizstromtherapie und Akupunktur brachte sie den Vierbeiner wieder auf Vordermann. Mehrere hundert Euro blätterte die Rentnerin aus dem hessischen Heusenstamm dafür schon auf den Tisch. "Die grenzenlose Liebe" ist der früheren Ärztin jeden Cent wert, wie sie erzählt.

Ein weiterer Grund, warum das Geschäft mit der Luxus-Tiermedizin rund läuft, ist die Zahl der potenziellen Patienten. Nach Angaben des Industrieverbandes Heimtierbedarf leben derzeit etwa 28 Mio. Heimtiere in Deutschland. Darunter 12 Mio. Katzen und 7 Mio. Hunde. Tendenz steigend. Sind diese krank, gibt es Pillen, Tröpfchen oder Injektionen. Und die stellen Ärzte in der Regel nicht selbst her, sondern Pharmafirmen.

Fast 90 Prozent der Hundehalter gehen laut der Universitätsstudie regelmäßig mindestens einmal pro Jahr mit ihrem Hund zu einem Tierarzt.

Während die risikoreiche Forschung an komplizierten Medikamenten für Menschen im Normalfall deutlich mehr Gewinn abwirft, überzeugt die Tiermedizin mit anderen Argumenten: "Auf dem Markt gibt es nur wenige ,große Player'", sagt Odile Rundquist, Analystin bei Helvea und Branchenexpertin. Unternehmen, die sich einen Namen gemacht haben, profitierten von der starken Markenbindung. Als Beispiel nennt sie die Pharmafirmen Sanofi oder Bayer. Auch die Tierliebe halte das Geschäft stabil, sagt Rundquist.

Ein Beispiel dafür ist der US-Hersteller Zoetis, der auch zu den "Großen" zählt. Auf seiner Internetseite wirbt er von Mittelchen gegen Reiseübelkeit für Hunde bis hin zu Krebsmedikamenten für Katzen. Allein 2014 verdiente das Pharma-Unternehmen rund 583 Mio. EUR. Im Jahr zuvor waren es noch 16 Prozent weniger. Wer von Anfang an in Zoetis-Aktien investierte, hat inzwischen verdient. Seit dem Börsengang im Februar 2013 ist der Wert der Aktie fast um die Hälfte gestiegen - in der Spitze waren es sogar gut 75 Prozent mehr.

Abseits der Geschäfte zählt am Ende aber vor allem: Solang es dem Tier nutzt, ist es sinnvoll, sagt Hundebesitzerin Reinke. "Es ist ein großes Glücksgefühl für uns, dass wir einem Lebewesen so helfen konnten." Und der Blick, mit dem Hündin Quicki ihr Frauchen nach einem Jahr gelungener Therapie anschaut, ist für die 72-Jährige ohnehin unbezahlbar.

Gesundheit ihrer Haustiere kostet die Deutschen jedes Jahr Milliarden
Hündin "Quicky" lässt im Tierphysiotherapiezentrum "Physio Pet" in Frankfurt am Main eine Reizstrombehandlung über sich ergehen. Die Praxis setzt bei der Therapie von Hunden auf eine Mischung unterschiedlicher Behandlungsmethoden. Foto: dpa

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16.10.2015, 12:00 Uhr
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