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Leitartikel Kinderhochzeiten

Gesetz verpflichtet

Jetzt sind sie auch in Deutschland ein Thema geworden: Mädchen und Jungs, die in jungen Jahren verheiratet werden. Seit verstärkt Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan und dem Irak nach Deutschland kommen, stellen die Verbindungen meist junger Mädchen mit älteren Männern auch die deutsche Politik vor ein Problem.

08.03.2017
  • ELISABETH ZOLL

Quer durch die Partei wird leidenschaftlich diskutiert: Kinderehen strikt verbieten? Oder nur, wenn das zu keinen neuen Härten führt? Nach anfänglichem Zögern geht es Schlag auf Schlag. Der Gesetzentwurf von Justizminister Maas soll bereits im Kabinett beraten werden.

Es ist ein kleines Thema mit großem Erregungspotenzial, vor allem in einem Wahljahr. Rund 1600 minderjährige verheiratete Schutzsuchende wurden bis zum Sommer vergangenen Jahres registriert. 361 der „Ehefrauen“ waren noch keine 14 Jahre alt. Verbindungen dieser Art sind fast unerträglich. Auch für Außenstehende. Wie soll ein Kind auch die Tragweite einer Ehe erfassen? Der Ruf, Kinderehen ohne Ausnahme zu verbieten, ist nicht ohne Grund laut. Doch wird er auch der Sachlage gerecht?

Bundesjustizminister Maas bewegt sich mit seinem Vorstoß auf dünnem Eis. Der mit der Union gezimmerte Kompromiss könnte rasch vor dem Bundesverfassungsgericht landen. Denn er stellt bisherige Rechtsgepflogenheiten auf den Kopf. Im Ausland rechtmäßig geschlossene Ehen sollen in Deutschland künftig automatisch nichtig sein, wenn einer der Partner bei der Heirat jünger war als 16 Jahre. Auch Ehen von 16- bis 18-Jährigen sollen ohne Bestand sein. Das kann auch Paare treffen, deren Ehe vor vielen Jahren geschlossen wurde. Ausschlaggebend wird das Heiratsalter. Ausnahmen bei einer Eheaufhebung soll es nur bei Härtefälle geben.

So viel zum Papier. Die Praxis ist komplex. Wer Kinderbräute wirklich schützen will, muss sich mit ihnen zunächst einmal befassen. Eine Regelung per Federstrich wird ihrem Schicksal nicht gerecht. Familienrichter müssen sich mit der durchaus überschaubaren Anzahl von Kinderehen auseinandersetzen und prüfen, was dem Wohl des Kindes oder Jugendlichen dient. Der Aufhebung einer Kinderehe folgen nämlich Fragen: Was bedeutet die Zwangstrennung vom Ehemann bei einer späteren Abschiebung des Mädchens ins Heimatland? Werden junge Frauen sehenden Auges gesellschaftlicher Ächtung preisgegeben, werden sie zu Ausgestoßenen wegen ihrer verlorenen Ehre? Und was geschieht mit Kindern, die einer solchen Verbindung entstammen? Verlieren Sie Unterhalts- und Erbansprüche durch den Eingriff deutscher Behörden?

Der Aufhebung einer Kinderehe verpflichtet die deutsche Seite in jeden Fall zu einem engmaschigen Hilfsangebot. Auf die meist jungen Mädchen wartet dann ein schwieriger Weg. Bis sie ein selbstständiges Leben schultern können, vergehen Jahre. Das verträgt sich schwer mit Wankelmut, den die Flüchtlingspolitik oft prägt. Der Schutz von Kinderbräuten kann vor Gericht zwar beginnen. Enden darf er erst, wenn die jungen Frauen den Urteilsspruch auch meistern können.

leitartikel@swp.de

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08.03.2017, 06:00 Uhr
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