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Demonstrationen

„Geschichte geschrieben“

Der globale Klimaprotest hat im Land Zehntausende auf die Straßen gebracht. Allein in Freiburg waren es mindestens 20 000 Menschen, in Stuttgart noch mehr.

21.09.2019

Von dpa/eb

Menschen soweit das Auge reicht: Klimaprotest auf dem Stuttgarter Schlossplatz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Mehrere zehntausend Menschen sind im Südwesten für Klimaschutz auf die Straße gegangen und haben Politiker mit buntem, lautstarkem Protest zum Handeln aufgefordert. In Freiburg kamen nach Schätzung der Polizei am Freitag mehr als 20 000 Menschen zu Kundgebungen und einem Demonstrationszug durch die Innenstadt. Die Veranstalter zählten sogar 30 000 Teilnehmer. Auch in Stuttgart sprachen die Veranstalter von 30 000 Teilnehmern, hier nannte die Polizei keine Zahl. In Karlsruhe fanden sich laut Polizei 11 000, in Konstanz rund 10 000 Menschen ein. In Ulm zählten die Veranstalter etwa 6000 Teilnehmer, in Göppingen waren es laut Polizei 1000.

„Das ist ein eindrucksvolles und starkes Signal der Bürger“, sagte der Freiburger Oberbürgermeister Martin Horn (parteilos). Die von Jugendlichen getragene Klima-Protestaktion „Fridays for Future“ werde mittlerweile von allen Generationen mitgetragen.

Aufruf auch an Arbeitnehmer

Zu den Demos hatte die Bewegung diesmal nicht nur Schüler und Studenten aufgerufen, sondern auch Arbeitnehmer. Sie sollten sich an einem globalen „Klimastreik“ beteiligen. Gewerkschaften, Kirchen und Umweltorganisationen begrüßten den Aufruf. Arbeitnehmer, die an der Aktion teilnehmen wollten, mussten sich allerdings freinehmen oder vom Arbeitgeber die Erlaubnis einholen.

Nach Angaben der Organisatoren gehörte der Südwesten zu den Regionen mit den bundesweit größten Demonstrationen. Die Zahl der Teilnehmer sei vielerorts deutlich höher gewesen als erwartet. Es herrschte eine ausgelassene Stimmung, sagte ein Polizeisprecher in Freiburg. Auseinandersetzungen habe es nicht gegeben. In den Innenstädten sei es zeitweise jedoch im Straßenverkehr zu größeren Behinderungen gekommen. In Stuttgart, Mannheim und Freiburg fuhren zudem zeitweise Stadtbahnen nicht, weil es wegen der Demonstrationen kein Durchkommen mehr gab.

Neben Kindern und Jugendlichen nahmen viele Erwachsene teil. „Hoch mit dem Klimaschutz, runter mit der Kohle“, „Klima ist wie Bier – warm ist‘s scheiße“ oder „Manches kann man langsam angehen, Klimapolitik braucht Tempo“ stand auf Plakaten. Die Schwedin Greta Thunberg, die die Protestbewegung angestoßen hatte, teilte auf Twitter Kommentare von Aktivisten aus vielen Städten – auch Freiburg.

In Stuttgart versammelten sich Tausende auf dem Schlossplatz, tanzten und trommelten. Auch viele Eltern, Studenten und Gewerkschaften beteiligten sich. „Wir haben jetzt schon Geschichte geschrieben“, sagte eine Organisatorin. Kein Thema sei so wichtig wie die Rettung des Planeten.

Demonstranten blockierten bis in den späten Nachmittag Verkehrsknotenpunkte in der Landeshauptstadt. Autofahrer reagierten teils empört. Busse wurden mancherorts als einzige Fahrzeuge durchgelassen. Eine Splittergruppe vom Aktionsbündnis „Kesselbambule“ blockierte zeitweise den Eingang zu einer Filiale der Deutschen Bank.

In Freiburg marschierte unter anderem die Schauspielerin Irene Fischer aus der ARD-Fernsehserie „Lindenstraße“ mit. „Ich finde es wichtig, gemeinsam für diese wichtige und gute Sache einzutreten“, sagte sie. Dass die Klimaschutzaktion deutschlandweit auf eine derart große Resonanz stoße, mache ihr Mut: „Das ist gelebte Demokratie.“

Der Protest richtete sich auch gegen die Sitzung des Klimakabinetts am Freitag in Berlin. Der Ausschuss der Bundesregierung kündigte ein milliardenschweres Gesetzespaket zum Klimaschutz an. Viele Umweltorganisationen befürchten aber, dass die Maßnahmen nicht ausreichen, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden.

Demonstrantinnen während einer Straßenblockade auf dem Stuttgarter Rotebühlplatz. Foto: Sebastian Gollnow/dpa

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Erstellt:
21. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
21. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 21. September 2019, 06:00 Uhr

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