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Nahbare Landesmutter

Gerlinde Kretschmann setzt beim China-Besuch eigene Akzente

Gerlinde Kretschmann steht im Rampenlicht - doch fühlt sich wohler im Hintergrund. Die Ehefrau des Ministerpräsidenten war Teil der baden-württembergischen Delegation, die eine Woche lang China bereiste.

26.10.2015
  • ELISABETH ZOLL

"Jede Veränderung verändert." Und Veränderungen hat es seit der Wahl von Winfried Kretschmann zum Ministerpräsidenten vor bald fünf Jahren auch für seine Frau Gerlinde reichlich gegeben. Daran, dass ihr der Koffer nachgetragen wird, sie so viel Aufmerksamkeit erfährt, muss sie sich immer noch gewöhnen. "Ich sage mir dann, das gilt dem Amt meines Mannes, nicht meiner Person." Neue Eindrücke sind in diesen fünf Jahren hinzugekommen, faszinierende Begegnungen, etwa mit Bundespräsident Joachim Gauck. Und: Reisen.

So fällt ihr in diesen Tagen in einer kleinen Wohnung in der nordchinesischen Stadt Shenyang milchiges Nachmittagslicht ins Gesicht. "Sie wohnen hier mit ihren Kindern?" Die Frage richtet sich an ein Rentnerpaar, das den Gast aus Deutschland in seine Drei-Zimmer-Wohnung eingeladen hat. Eine großzügige Couch aus weißem Leder dominiert das Wohnzimmer, auf der gegenüber liegenden Seite steht ein riesiger Flachbildschirm.

Zhou Feng Mei und ihr Mann Wang Wei Dong haben den Gast aus Deutschland eingeladen. Stolz zeigen sie ihr Reich. Die Rentner haben es in ihrem Leben zu etwas gebracht. Er arbeitete 40 Jahre bei der staatlichen Eisenbahn, sie als Fachkraft in einer Fabrik. Mit 60 beziehungsweise 55 war das Berufsleben dann vorbei. "Von unserer Rente können wir ganz gut leben", plaudert Frau Zhou. Gerade erst kommt sie aus der Tanzstunde im Nachbarschaftszentrum zurück. "Wir freuen uns an unseren Hobbys und an unserer Enkelin." Das 13-jährige Mädchen wird, wie so häufig in China, von den Großeltern aufgezogen, weil die Eltern im Nachbarbezirk leben und voll berufstätig sind.

Es ist ein Termin ganz nach dem Geschmack von Gerlinde Kretschmann. "Ich will doch ein Land nicht nur durch das Fenster eines Busses kennenlernen." Begegnungen interessieren sie, normale Menschen. Dass sich diese ihr gegenüber öffnen, empfindet sie als Glück. Der Radius der passionierten Wanderin ist zweifellos größer geworden.

Bis zu diesem Wochenende bereist sie den Nordosten Chinas mit Landespolitikern, Vertretern aus Wirtschaft und Wissenschaft - und geht doch eigene Wege. Ausgestattet mit bequemen roten Schuhen und einer brombeerfarbenen Winterjacke schlendert sie in Peking über den Platz des Himmlischen Friedens und durch Gassen eines alten Wohnviertels, einem sogenannten Hutong. Sie lässt sich in Shenyang den Kaiserpalast zeigen und ein Nachbarschaftsprojekt, in dem nicht nur alte Menschen Unterhaltung und Hilfe finden.

Berührungsängste hat sie nicht. Spontan plaudert sie mit Kindern, die im Palast ein Lied anstimmen ("Ich war auch einmal Lehrerin"), erkundigt sich bei einer alten Frau nach dem Rezept chinesischer Maultaschen, den Yantses, lässt sich fotografieren und drücken, wenn das den Gastgebern gefällt.

Gerlinde Kretschmann ist ohne Dünkel, auch wenn sie protokollarisch zur Landesmutter aufgestiegen ist. "Ich bin die, die ich immer war", sagt sie. In Sigmaringen-Laiz, wo sie lebt, aber auch in ihrem Wanderverein oder bei den Grünen, die sie 15 Jahre im Stadtrat und 5 Jahre im Kreistag vertreten hat, weiß man das. Das Oberflächliche mag sie nicht an der Politik. "Das ist eine extrem schnelllebige Daseinsform." Mit ihrem Engagement für soziale Themen versucht sie eigene Schwerpunkte zu setzen - auch im Wahlkampf, der vor ihr liegt.

Ihr Terminkalender ist voll. Viele Tage in der Woche ist sie nicht daheim. "Dabei muss ich doch hin und wieder meinen Haushalt machen", sagt die 68-Jährige. Gegen zu großen Stress hat sie ein Rezept: Sie packt ihren Rucksack und wandert. Fünf Tage am Stück, am liebsten allein. Das ist ihre Freiheit. Nehmen lässt sie sich diese nicht.

Gerlinde Kretschmann setzt beim China-Besuch eigene Akzente
Gerlinde Kretschmann auf dem Platz des Himmlischen Friedens: Die Landesmutter bestritt bei der China-Reise ein ganz eigenes Programm. Foto: dpa

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26.10.2015, 12:00 Uhr
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