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Erneuerbare Energien

Geringere Umlage bringt Verbrauchern wenig

Die EEG-Umlage wird nächstes Jahr leicht sinken. Die Begeisterung darüber hält in Grenzen. Die Netzentgelte werden wohl steigen.

17.10.2017

Von HENNING KRAUDZUN

Wer Solarenergie produziert, bekommt eine staatlich garantierte Vergütung. Sie treibt mit die Stromkosten in die Höhe. Foto: obs/E.ON Energie Deutschland GmbH/Fotolia/Simone Kraus

Berlin. Der geringe Rückgang der EEG-Umlage dürfte bei den Verbrauchern kaum spürbar werden. Vor allem die steigenden Entgelte der Netzbetreiber sowie Begünstigen für bestimmte Unternehmen treiben die Kosten.

Die Verkündung der vier deutschen Netzbetreiber wurde mit Spannung erwartet, dennoch fällt die Bewertung einer leicht gesunkenen EEG-Umlage nicht gerade euphorisch aus. Zwar sinkt dieses umstrittene Förderinstrument erst zum zweiten Mal seit seiner Einführung im Jahr 1998, dennoch bleibt die Energiewende für viele Stromkunden ein Ärgernis.

Die Verbraucher werden nächstes Jahr 6,79 Cent für die Erzeugung von Öko-Strom beisteuern müssen, 2017 waren es noch 6,88 Cent. Dennoch ist die Umlage seit ihrer Einführung im Jahr 2000 drastisch gestiegen. Auch in naher Zukunft dürfte sie auf hohem Niveau verharren, da die vor der Neuregelung festgelegten hohen Vergütungen für Ökostrom finanziert werden müssen.

Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypris erkennt dennoch eine Trendwende. „Wir haben die Kostendynamik beim Ausbau der Erneuerbaren durchbrochen“, sagte die SPD-Politikerin gestern. Erst die EEG-Reformen hätten die Strompreise stabilisiert – bei gleichzeitig steigendem Anteil des Ökostroms. Zudem führen die Ausschreibungen zu sinkenden Erzeugerpreisen: So wird eine in Photovoltaik-Freilandflächen erzeugte Kilowattstunde nur noch mit 5,7 Cent vergütet – 2014 wurden noch 9,5 Cent gezahlt.

Vor allem Firmen mit hohem Stromverbrauch konnten zuletzt sinkende Strompreise verbuchen: Die Tarife sanken von 10,5 Cent im Jahr 2014 auf 8,4 Cent im vergangenen Jahr. Firmen indes, die weniger als 20 Mio. Kilowattstunden jährlich verbrauchen, haben höhere Stromkosten als 2014.

Die Rabatte für die Industrie werden seit langem von Verbraucherschützern, Umweltorganisationen und Verbänden des Dienstleistungsgewerbes kritisiert. Der WWF rechnete vor, dass 2017 insgesamt rund 2100 Unternehmen mit 5 Mrd. EUR begünstigt worden seien – zehn Mal mehr als 2006. Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft schlägt vor, diese Ausgleichsregelungen aus dem Bundeshaushalt zu finanzieren. Dadurch könne die EEG-Umlage um ein Viertel reduziert werden, meint Verbandsgeschäftsführer Stefan Kapferer. Auch der Verband kommunaler Unternehmen forderte, die Privilegien deutlich zu reduzieren.

Handelsverband und Verbraucherzentrale plädieren für eine weitgehende Abschaffung der Stromsteuer, was eine Entlastung von 3,4 Mrd. EUR für die Verbraucher bringen würde. Die Steuer sei nicht mehr zeitgemäß. Auch das mit 3,3 Mrd. EUR gefüllte EEG-Rücklagenkonto sollte reduziert werden. Das Wirtschaftsministerium argumentiert dagegen, ohne diese Überschüsse würde die Umlage noch höher ausfallen.

Was die niedrigere EEG-Umlage für den einzelnen Verbraucher bedeutet, lässt sich jetzt noch nicht abschätzen. Es hängt davon ab, was die Energiekonzerne an die Kunden weitergeben. Viele Versorger müssen 2018 höhere Netzentgelte schultern, die drei von vier Übertragungsnetzbetreiber angehoben haben – nur 50Hertz senkt diesen Beitrag um 11 Prozent. Experten erwarten für das kommende Jahr außerdem leicht steigende Preise an der Strombörse – ein für die Preise entscheidender Faktor.

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Erstellt:
17. Oktober 2017, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
17. Oktober 2017, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Oktober 2017, 06:00 Uhr

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