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Gericht wirft ihr Lüge vor – Keine Anhaltspunkte für Vergewaltigung
Gina-Lisa Lohfink auf dem Weg ins Gericht. Das Medieninteresse an dem Fall ist enorm. Foto: dpa
Lohfink verliert Prozess

Gericht wirft ihr Lüge vor – Keine Anhaltspunkte für Vergewaltigung

Gina-Lisa Lohfinks Vorwurf der Vergewaltigung spielte bis in die höchste Politik eine Rolle. Doch das Gericht sieht sie nicht in der Rolle eines Opfers.

23.08.2016
  • JUTTA SCHÜTZ, DPA

Berlin. Das Amtsgericht Berlin-Tiergarten hat das Model Gina-Lisa Lohfink wegen falscher Vergewaltigungs-Beschuldigungen zu 20 000 Euro Geldstrafe verurteilt. Es sah keine Anhaltspunkte dafür, dass Lohfink tatsächlich im Juni 2012 von zwei Männern vergewaltigt worden war, wie sie behauptete.

Sie habe bewusst gelogen, sagte Richterin Antje Ebner. Der Sex sei einvernehmlich gewesen. Lohfink habe allerdings den Männern signalisiert und gesagt, dass sie beim Sex nicht gefilmt werden wollte. Die Handybilder und -videos von der Nacht der angeblichen Vergewaltigung seien erheblich umfangreicher als die der Öffentlichkeit bekannten Ausschnitte. Zwang oder Gewalt seien darauf nicht zu erkennen.

Die 29-jährige Lohfink rief nach der Urteilsverkündung: „Das muss ich mir nicht antun.“ Sie stürmte aus dem Saal und verließ das Gerichtsgebäude. Ihr Verteidiger Burkhard Benecken hatte gefordert, das Model vom Vorwurf der falschen Verdächtigung freizusprechen. Er kündigte an, voraussichtlich in Berufung zu gehen. „Das Urteil ist ein Skandal“, sagte Benecken. Er werde mit Lohfink besprechen, ob sie die Kraft für die Berufung habe. Er mache sich jetzt Sorgen um alle Frauen, die eine Vergewaltigung anzeigen wollten.

Der Fall spielte eine Rolle in der „Nein heißt Nein“-Debatte über ein strengeres Sexualstrafrecht, das der Bundestag im Juli beschloss. Frauenministerin Manuela Schwesig (SPD) sagte dazu: „,Nein heißt Nein‘ muss gelten. Ein ,Hör auf‘ ist deutlich.“ Berlins CDU-Justizsenator Thomas Heilmann verteidigte die Anklagebehörde gegen den Vorwurf der Frauenfeindlichkeit: „Die Staatsanwaltschaft hat nicht tendenziös, sondern extrem gründlich den Fall recherchiert.“

Lohfink sagte in ihrer Stellungnahme vor dem Urteil unter Tränen, was die Männer ihr angetan hätten, sei pervers und gemein gewesen. Sie habe den Sex nicht gewollt und auch nicht gefilmt werden wollen.

Das Gericht entschied wegen falscher Verdächtigung auf 80 Tagessätze je 250 Euro als Strafe für Lohfink. Die Anklage wollte 24?000 Euro. Staatsanwältin Corinna Gögge: „Frau Lohfink ist nicht Opfer einer Sexualstraftat geworden. Sie hat gelogen und Ermittler bewusst in die Irre geführt.“ Richterin Ebner sagte, für Lohfinks Motive gebe es viele Möglichkeiten. Sich einzugestehen, dass die Behauptung über eine Vergewaltigung und die Vorwürfe gegen die Männer nicht stimmen, sei schwierig. Diesen Weg sei Lohfink nicht gegangen. Im Prozess am Montag schloss ein Gutachter den Einsatz von K.-o.-Tropfen in jener Nacht, wie Lohfink vermutete, mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Das ergebe sich aus den Videofilmen, die in der Sexnacht gemacht wurden, sagte der Medikamenten- und Drogenexperte. Lohfink sei damals wach, ansprechbar und orientiert gewesen. Es gebe für K.-o.-Tropfen keine Anhaltspunkte. Unter deren Wirkung könne man keine Pizza bestellen und mit der Managerin telefonieren.

Nach dem Gedächtnisprotokoll einer Frauenärztin, bei der Lohfink Wochen nach der umstrittenen Sexnacht war, wurden weder die von Lohfink behaupteten Wunden noch andere Auffälligkeiten festgestellt.

Die damaligen Ermittlungen gegen die beiden Männer wegen der Vergewaltigungs-Anzeige waren von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden. Lohfink, die früher Kandidatin bei „Germany's Next Topmodel“ war, erhielt daraufhin einen Strafbefehl wegen Falschaussage. Dagegen legte sie Widerspruch ein.

Als Zeugen hatten die Männer im Alter von 28 und 33 Jahren in dem aktuellen Prozess von einvernehmlichem Sex mit Lohfink gesprochen. Der 28-Jährige hatte einen Strafbefehl wegen Verbreitung der Sex-Videos akzeptiert, der andere will noch dagegen vorgehen.

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23.08.2016, 06:00 Uhr
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