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Gerade ernten die Landwirte in der Region das Hauptgetreide Weizen
Ernte im Neckartal vor der Silhouette der Wurmlinger Kapelle. Bild: Metz
Die Ähre sieht oft schön aus, aber es sind keine Körner drin

Gerade ernten die Landwirte in der Region das Hauptgetreide Weizen

Die Bauern nutzen gerade jeden trockenen Tag zur Getreideernte. Regen macht dieses Jahr nicht nur im August Probleme.

07.08.2016
  • mario beisswenger

Kreis Tübingen. „Wir brauchen jetzt zwei Wochen ein Hoch.“ Diesen Wunsch hat Christian Reutter, Obmann der Landwirte im Kreis. Gerade läuft die Ernte des Winterweizens, immer wieder unterbrochen durch Schauer. Stabiles trockenes Wetter würde die Sache beschleunigen.

„Aber dieses Jahr ist ein bisschen der Wurm drin“, bilanziert Katharina Weiß, Ackerbau-Expertin beim Landratsamt. Regen verzögert nicht nur den Einsatz der Mähdrescher. Er verursachte im frühen Sommer Staunässe in den Böden, Schadpilze gediehen prächtig auf dem heranwachsenden Getreide. Außerdem fehlt schlicht die Sonne, wenn es viel regnet. Mit weniger Licht wachsen die Feldfrüchte langsamer: „Uns hat die Strahlungsintensität gefehlt.“

Nach dem Überblick von Weiß litt die Sommergerste besonders an schlammigen, mit zu viel Wasser getränkten Böden. Der Raps fällt dieses Jahr beim Ölgehalt ab. Das größte Sorgenkind ist aber der Winterweizen, die Hauptfrucht auf dem Acker (siehe Info-Box).

Beim Weizen schlug der Fusarium-Pilz zu. „Die Behandlung in die blühende Ähre war dieses Jahr zwingend“, sagt Weiß. Statt nur ein Mal wie sonst mischten die Landwirte oft drei Mal die Fungizid-Lösung zur Bekämpfung der Schadpilze an.

Das lohne sich aber nur auf besten Böden, erklärt Reutter, der Kollegen mit besserer Bodenzahl in Richtung Gäu im Blick hat. „Die Intensiv-Betriebe dort sind belohnt worden. Ohne Fungizide hatte man die allergrößten Probleme.“ Unter besten Bedingungen sind Spitzenerträge beim Weizen möglich. „Aber auch dort werden sich die 100 Doppelzentner-Erträge in Grenzen halten.“

Dem reifen Getreide sieht der Laie einen geringeren als sonst üblichen Ertrag gar nicht an. „Die Ähre sieht oft schön aus. Nur sind dann keine Körner drin“, sagt Müller Marc Kienzlen aus Unterjesingen. Das ist eine sichtbare Folge des Pilzbefalls. Unsichtbar ist dagegen die Belastung mit Pilzgiften.

Dieses Jahr musste Kienzlen schon des öfteren zu seinem Schnelltest-Set greifen, um den DON-Wert zu bestimmen. Er ist Anzeiger für die Menge an Giftstoffen pilzlichen Ursprungs. Um sicher zu gehen, dass keine belastete Ware in seine Lagersilos kommt, nimmt der Müller dieses Jahr intensiv Proben. Eine Dinkellieferung, die schon vom Aussehen her auffiel, fischte er so heraus. Statt ins Brot kommt das Getreide jetzt vielleicht in die Biogasanlage oder in spezielle Heizungskessel.

Bei Rebio, der Rottenburger Firma, die biologisch angebautes Getreide sammelt und vermarktet, haben sich die Verantwortlichen wegen Fusarium auch schon Sorgen gemacht. Aus Bio-Anbau könnte besonders viel belastete Ware kommen, weil es an potenten Fungiziden fehlt. Bislang kam aber nur eine zu hoch belastete Charge nach Rottenburg. Sonst sei das Korn von hoher Qualität, sagt Wolfgang Sickler von Rebio. „Das haben wir gar nicht so eingeschätzt“, gibt er zu. Eine mögliche Erklärung dafür, dass sich der Bio-Anbau als erstaunlich unempfindlich gegen die Regengüsse erwies: „Unser Getreide steht weniger dicht.“ Die Folge eines lückigen Bestandes sind aber geringe Erträge.

Im Schnitt sind es 30 bis 40 Doppelzentner beim Weizen pro Hektar. Spitzenerträge bis 60 sind möglich. Der Bio-Anbau werde da aber noch aufholen, erwartet Sickler. Ein Grund sei die Entwicklung angepasster Sorten: „Bei uns ist noch Potenzial drin, weil wir erst seit wenigen Jahren spezielle Bio-Sorten haben.“

Ein Extremjahr im Getreideanbau

Die Bio-Erträge, die auf einem Niveau sind, die der konventionelle Anbau in den 1960er Jahren erreicht hatte, regen Katharina Weiß zu einem Vergleich an. 2016 sei im Getreidebau sicher ein Extrem-Jahr, wie es nur alle 20 Jahre vorkomme. Sie rechnet mit deutlich weniger Ertrag als sonst.

„Früher wäre das eine Missernte gewesen. Das kennen wir aber gar nicht mehr.“ Dank der hoch entwickelten Anbausysteme gebe es fast immer eine gleichmäßige Ernte. „Wenn es dann mal zehn, 15 Prozent weniger sind, ist es schon dramatisch.“

Wie sich der Preis entwickelt für das Schlüsselprodukt Weizen, kann Christian Reutter noch nicht genau abschätzen. Der Preis bildet sich an internationalen Börsen. Zur Zeit liegt er auf dem Niveau der beiden Vorjahre. „Im Moment halten sich alle etwas zurück, aber die Preise gehen wohl etwas nach oben.“

Wie viel Weizen wächst

Bundesweit ist Winterweizen die wichtigste Getreideart in Deutschland. Sie wächst auf mehr als drei Millionen Hektar. Etwa 20 bis 25 Millionen Tonnen ernten die Bauern jedes Jahr. Auf dem Hektar reifen im Schnitt 70 bis 80 Doppelzentner heran.

Im Spitzenjahr 2014 waren es in Baden-Württemberg auch mal mehr als acht Tonnen auf einer Fläche von hundert mal hundert Metern. Noch bis in die 1990er Jahre lagen die Erträge bei 40 oder 50 Doppelzentner, in den 1950er und frühen 1960er Jahren noch bei etwa 30.

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07.08.2016, 22:30 Uhr
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