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Kamino im Wendler-Areal

Geplantes Reutlinger Programmkino hat Namen und Standort

Mehr als hundert Leute haben sich am Mittwochabend in den ehemaligen Kammerlichtspielen die Pläne für ein Reutlinger Programmkino angehört. Über die Hälfte von ihnen will Genossenschaftsanteile zeichnen.

08.11.2013

Von Matthias Reichert

Reutlingen. Aufbruchstimmung lag in der Luft. „In unserer Stadt muss man alles selber machen, wenn man es haben will“, sagte Mit-Ideengeberin Karin Zäh. Mit Gabriele Janz, Andreas Vogt, Klaus Kupke, Tilman Eder und Andreas Kissel hat sie nach einem Jahr sehr konkrete Pläne fürs neue Programmkino. Standort soll das Wendler-Areal sein. „Kamino“ soll es heißen, „Kino am Kamin“, gemeint ist der alte Fabrikschornstein. Die Gebrüder Wendler GmbH als Vermieter stehe dem Projekt aufgeschlossen gegenüber, wolle womöglich die Räume umbauen. Der Innenausbau sei Sache der Genossenschaft – aber nicht in Eigenleistung, schränkten die Initiatoren ein. „Es muss professionell sein“, so Eder.

Beim Open-Air-Kino haben sie schon für die Idee geworben. 500 Leute stehen seither auf der Mailingliste für die geplante Genossenschaft. „Sie alle können Miteigentümer werden“, erklärte Vogt. Die Initiatoren planen die Gründungsversammlung noch im Dezember – wenn sie mindestens 100 Mitglieder finden, die für 50 000 Euro Anteile zeichnen. Ein Anteilschein soll sich auf 200 Euro belaufen. Pro Person oder Körperschaft kann man maximal zehn Anteile zeichnen, hat aber auf Versammlungen stets nur eine Stimme.

Dividende wird keine ausbezahlt. Wer austritt, bekommt seinen Anteil zurück. Was passiere, wenn das Kino irgendwann pleitegehe, fragte „Gea“-Lokalchef Roland Hauser. Darüber hatten sich die Kinogründer noch keine Gedanken gemacht. „Dann ist das Geld weg, dann wird?s zur Spende“, mutmaßte Kupke.

Die Macher haben sich bei anderen Programmkinos schlau gemacht. Unter anderem beim Kino am Kocher in Aalen. Das entstand 2006 als Projekt der Lokalen Agenda in einer ehemaligen Sprudelfabrik. Heute hat die Genossenschaft mehr als 550 Mitglieder. 162 waren es bei der Gründung gewesen. „Wir sind in guter Gesellschaft“, so Vogt.

Das Reutlinger Kino soll weniger als hundert Plätze haben (siehe Kasten) – bei über hundert gäbe es deutlich strengere Brandschutzauflagen. Barrierefreie Plätze sollen in der Mitte des Saales liegen – das wäre laut Eder ein Alleinstellungsmerkmal. Die Gestaltung der Räume sei offen, „ob Neon oder Biedermeier“, meinte Eder. Die Initiatoren haben schon mit regionalen Kinobetreibern gesprochen. Montag und Dienstag soll es mit Rücksicht auf den Jugendfilmclub keine Vorführungen geben. Mittwoch und Donnerstag ist je ein Filmtermin geplant. Freitag bis Sonntag könnten es je zwei werden.

Laut Kupke will man aktuelle deutsche und europäische Filme zeigen, Klassiker, Dokumentarfilme, auch Kinder- und Familienvorführungen anbieten. Die Räume sollen für Feiern anmietbar sein, man plane Kooperationen mit Kulturveranstaltern, Kirchen, Vereinen und Verbänden. Personalkosten sind in der Kalkulation nicht vorgesehen. Die Genossenschaftler sollen sich zu ehrenamtlichen Vorführungs- und Betriebsdiensten bereit erklären.

Bedarf gibt es. Ein Reutlinger Zuhörer sagte: „Hier haben sich viele Leute beschwert, dass sie immer nach Tübingen ins Kino gehen müssen.“ Wenn es gut läuft, könnte die Eröffnung des Programmkinos schon Ende 2014 sein. Und es fängt gut an: Als Vogt am Ende der Informationsveranstaltung fragte, wer von den Anwesenden Anteile zeichnen werde, reckten sich mehr als 50 Hände.

Das Programmkino auf dem Wendler-Areal soll nach dem Umbau 81 Plätze und sechs Rollstuhlplätze bekommen. 110 Quadratmeter hat der knapp vier Meter hohe Raum. 14 Quadratmeter groß könnte die Leinwand werden. 44 Quadratmeter umfasst das Foyer, in dem eine Bar eingerichtet werden könnte. Außerdem könnte der überdachte Außenbereich genutzt werden. Die Initiatoren hoffen auf Mittel der Filmförderanstalt des Bundes, der Medien- und Filmgesellschaft des Landes sowie auf einen städtischen Zuschuss. Allein die Kosten für die digitale Vorführtechnik dürften mehr als 100 000 Euro betragen. Sieben bis acht Euro soll die Karte kosten. Bis 2016 will man eine 40-prozentige Auslastung erreichen. Bei 35 Prozent wären laut Kalkulation Mietpreise und laufende Kosten refinanziert.

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Erstellt:
8. November 2013, 12:00 Uhr
Aktualisiert:
8. November 2013, 12:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. November 2013, 12:00 Uhr

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