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Landwirtschaft

Gemeinsam gegen den Ausverkauf der Felder

Der Luzernenhof ist ein unkonventioneller Betrieb im Markgräflerland. Die solidarische Gemeinschaft will Bodenspekulanten die Stirn bieten.

16.01.2018
  • PETRA WALHEIM

Buggingen-Seefelden. Das ist wie eine Agrar-Reform von unten.“ So fasst Johannes Supenkämper das zusammen, was auf dem Luzernenhof geschieht. Der landwirtschaftliche Betrieb wird unkonventionell geführt und von einer solidarischen Gemeinschaft getragen. Die verfolgt außerdem das Ziel, zum Verkauf angebotene Felder zu erwerben und sie an ökologisch arbeitende Landwirte zu verpachten. Damit sollen die Äcker dem Zugriff von Spekulanten entzogen werden. Denn in Zeiten, in denen es für Geld keine Zinsen mehr gibt, gewinnen Grund und Boden an Wert. Deshalb kaufen immer mehr landwirtschaftsfremde Unternehmen und Konzerne Felder auf und verpachten sie an Landwirte, die am meisten dafür bieten. Das sind meist Großbetriebe. Die Kleinen können sich das nicht leisten.

Der Luzernenhof ist so ein kleiner Bauernhof. Er liegt mitten in Seefelden, einem Ortsteil von Buggingen im Markgräflerland, zwischen Heitersheim und Müllheim. Zu ihm gehören 12 Mitarbeiter, 15 Milchkühe samt Nachzucht, sechs Schweine und 32 Hektar Fläche, auf denen 100 Sorten Gemüse und Getreide angebaut werden. Für viele Landwirte sind die Zahlen ein Witz. Nach den heutigen Maßstäben der Massentierhaltung hat der Betrieb keine Überlebenschance. Doch es gibt ihn seit fünf Jahren, und er floriert. Supenkämper hat ihn mit einer Gruppe engagierter Landwirte aufgebaut. Dass er gut läuft, liegt an der solidarischen Gemeinschaft, von der der Hof getragen wird. „Ein kleines Projektchen mit Modell-Charakter“, sagt Stephan Illi.

Er ist einer der drei Vorstands-Mitglieder der Kulturland Genossenschaft. Die ist bundesweit aktiv und hat 300 Mitglieder. Mit ihr kauft der Luzernenhof die landwirtschaftlichen Flächen auf. Das Geld dafür kommt von Unterstützern. Die können Genossenschaftsanteile für je 500 Euro erwerben. Aber: „Die Investition wird nie eine lukrative Geldanlage sein. Es gibt keine Rendite“, sagt Supenkämper.

Trotzdem finden er und Stephan Illi weiter Geldgeber. Das Projekt finde inzwischen auch im Ort so viel Zustimmung, dass Landwirte, die ihren Hof aufgeben, ihre Flächen lieber an den Luzernenhof verkaufen als an einen örtlichen Großbetrieb, sagt Johannes. Der habe sich auf Spargel und Erdbeeren spezialisiert, wolle immer noch mehr Land dazu kaufen.

Der Luzernenhof wird seit 1986 ökologisch bewirtschaftet. Als die Eigentümer den Hof 2012 aufgaben, haben ihn Johannes Supenkämper und seine Mitstreiter gepachtet. Eine Bedingung war, ihn als „solidarische Landwirtschaft“ zu führen. Das heißt, Unterstützer investieren Geld in den Hof und bekommen dafür die Produkte, die er hergibt. Dieses Konzept ist das Haupt-Standbein des Hofs.

Wichtigster Punkt dabei ist die Vielfalt, die er zu bieten hat: Es gibt viele Sorten Gemüse und Getreide, Milch und die Produkte daraus. Einmal im Monat wird ein Tier geschlachtet. Acht Bienenvölker produzieren Honig. „Diese Vielfalt ist die Existenzgrundlage des Hofs.“

Aktuell versorgt der Luzernenhof 164 Haushalte und Familien mit seinen Produkten. Die bezahlen dafür von 30 Euro bis zu 400 Euro pro Monat, je nach Bestellung und Einkommen. „Der, der mehr hat, unterstützt die, die weniger haben und auch weniger bezahlen. Das ist das Prinzip der Solidarität.“ Mit diesem Konzept sei der Betrieb des Hofs gesichert. Die Rechnung geht so: Um existieren zu können, braucht der Hof einen jährlichen Umsatz von 300 000 bis 320 000 Euro. Damit es richtig rund läuft, braucht der Hof 180 Haushalte. Aber: „Mehr dürfen es nicht werden, weil das der Hof dann nicht mehr hergibt“, sagt Johannes. An Wachstum hat er kein Interesse. In der bestehenden Größe laufe alles gut. „Er soll ein kleiner, vielfältiger Hof bleiben.“

Doch ein Problem gibt es: Ende 2013 entschloss sich die Verpächterin, den Hof zu verkaufen. Das Projekt drohte zu scheitern, weil Johannes und seine Mitstreiter die aufgerufenen 860 000 Euro nicht hatten. Zwei Privatpersonen streckten ihnen das Geld in einer Zwischenfinanzierung vor. Doch die muss abgelöst werden. Deshalb hat das Hof-Team eine Crowd-Invest-Kampagne gestartet mit dem Ziel, weitere Unterstützer zu finden. Die können für den Erhalt des Hofs auch einen Kredit geben. „Wir zahlen aber maximal 1,5 Prozent Zins.“ Knapp 450 000 Euro fehlen noch. „Wenn wir den Hof nicht vergemeinschaftet bekommen, müssen wir ihn wieder verkaufen“, sagt Thomas Rippel, der die Kampagne organisiert.

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16.01.2018, 06:00 Uhr
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