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Das Ende der Realschule

Gemeinderat beschließt Fusion der Walter-Erbe-Schule mit der Französischen Schule

Tübingen verliert seine letzte Realschule. Sie wird in zwei Schritten mit der Französischen Schule fusioniert. Das beschloss der Tübinger Gemeinderat am Montagabend mit der Mehrheit von AL/Grünen, SPD und Linken. CDU, Tübinger Liste und FDP wollten es zunächst beim Schulverbund belassen.

06.10.2015
  • Gernot Stegert

Tübingen. Einig waren sich die Mitglieder des Gemeinderats, dass die Walter-Erbe-Realschule in keinem guten Zustand ist und Handlungsbedarf besteht: Sinkende Schülerzahlen (von 400 auf 280 innerhalb von nur drei Jahren) und vier Jahre in Folge nur eine Eingangsklasse, dadurch weniger Lehrer und Profile, lediglich kommissarische Schulleitungen – eine Rettung musste her. Doch welche? Alle Stadträte und Stadträtinnen waren für einen Schulverbund mit der Französischen Schule ab dem Schuljahr 2016/17. Die Verwaltung wollte im Schuljahr darauf bereits die Zusammenlegung beider Schulen (wir berichteten). Die Ratsmehrheit folgte nun, aber knapp und erst nach längerer Debatte.

Dietmar Schöning (FDP) wollte eine Fusion nicht ausschließen, aber auch nicht sofort für das übernächste Schuljahr festlegen. Er forderte Ergebnisoffenheit und stellte einen entsprechenden Antrag. Über eine Zusammenlegung solle der Gemeinderat nach Erfahrungen im Schulverbund neu entscheiden. Solange sei eine enge Zusammenarbeit möglich: mit einem Leiter, einem Kollegium, auch einer gemeinsamen Eingangsstufe für die Klassen 5 und 6. Ein „Realschulband“ mit einer Klasse solle erhalten bleiben. Schließlich habe sich die Schulform bewährt. Doch: „Die Walter-Erbe-Realschule hatte in den vergangenen Jahren alles erdenkliche Pech.“

Die CDU und die Tübinger Liste unterstützten Schöning. Für den „Erhalt der Vielfalt in der Tübinger Bildungslandschaft“ sprach sich Sandra Ebinger (CDU) aus. Ein Realschulzug solle im Verbund erhalten bleiben, weil der Schultyp besonders der Berufsorientierung diene und Handwerkern den nötigen Nachwuchs sichere. Auch Ernst Gumrich (Tübinger Liste) mahnte: „Das Handwerk sieht ein Risiko.“ Mit der Fusion werde „ein Kreuz, basta, über die Realschule“ gemacht. Auch will Gumrich wie Anne Kreim (FDP) Hinweise erhalten haben, dass Realschul-Eltern gegen die Zusammenlegung seien.

Die Verwaltung verwies dagegen auf klare Beschlüsse der Schulkonferenzen beider Schulen. Auch die Walter-Erbe-Realschule sei für die zweite Stufe der Verschmelzung. Der Elternbeirat habe sich dem angeschlossen, verlangte allerdings Gleichberechtigung. Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast betonte: „Der Impuls ging von der Walter-Erbe-Realschule aus.“ Ein Prozess ohne klare Zielperspektive führe nur zur Unsicherheit. Uta Schwarz-Österreicher, Leiterin des Fachbereichs Schule, stellte klar: „Die Walter-Erbe-Realschule wollte schnell in die Fusion, wir haben als Übergang einen Verbund vorgeschlagen.“ Sie sicherte die gewünschte Augenhöhe zu. Ein externer Moderator solle die Verschmelzung begleiten.

Heinrich Schmanns (AL/Grüne) erklärte: „Die Walter-Erbe-Realschule ist heute nicht mehr die, die sie vor sechs oder acht Jahren war.“ Damit entfalle der Grund für den Erhalt. Sie dürfe „nicht noch weiter herumdümpeln“, sondern brauche jetzt eine klare Lösung. Dies unterstrich Ingeborg Höhne-Mack (SPD) aus ihrer Erfahrung als Lehrerin: Eine Zusammenarbeit brauche ein klares Ziel, auch wenn der Weg wegen der unterschiedlichen Lernkulturen schwierig werde. Aber ein bloßer Verbund auf Dauer sei „weder Fisch noch Fleisch“. Auch Felix Schreiber (Linke) plädierte für eine „sichere Zielperspektive“.

Gemeinderat beschließt Fusion der Walter-Erbe-Schule mit der Französischen Schule
Zeichen für Vielfalt und Lebendigkeit: Luftballon-Aktion an der Walter-Erbe-Realschule in der Tübinger Südstadt beim Fünftklässler-Schnuppertag 2015.

Die im September neu an die Walter-Erbe-Realschule gekommenen Schüler sind die letzten an diesem Schultyp. Sie durchlaufen noch alle Klassen bis zum Abschluss. Neue Realschulklassen wird es nicht mehr geben. Der Rektor der Französischen Schule, Ralf Weber, soll Rektor des Schulverbunds werden. Er war Realschullehrer und Konrektor an der Realschule in Pliezhausen.

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06.10.2015, 12:00 Uhr
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