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Harald Schmidt

Comedy-Comeback: Geiler Abend mit dem Buddy

Dirty Harry kehrt zurück. Folge 1: Wie Harald Schmidt im Stuttgarter Staatstheater zu neuem Format findet.

30.09.2019

Von Wilhelm Triebold

Harald Schmidt und der Stuttgarter Staatskapellmeister Cornelius Meister, der in Schmidts Show sein absolutes Gehör auch für Pointen unter Beweis stellte. Foto: Björn Klein

Stuttgart. Na klar haben wir ihn vermisst. Deutschlands beliebtester Frührentner hat mit seinem Late-Night-Abschied vor fünf Jahren diese entsetzliche Lücke hinterlassen, die alle Welkes und Böhmermanns dieser Welt nicht füllen. Seither taucht der große Harald Schmidt zwar immer mal wieder auf, sei's unter Florian Silbereisens Kommando als Kreuzfahrtschifferle oder mit regelmäßiger Videowortmeldung auf Spiegel online. Aber sein eigentliches Terrain, die leichthändige Germanisierung der angelsächsischen Standup-Comedy, schien der Altmeister endgültig preisgegeben zu haben.

Gelegentlich frönte Schmidt allerdings seiner alten Jugendliebe, dem Theater. Genauer: dem Stuttgarter Theater. Dort, wo er ausgebildet wurde, ergaben sich nun Strumpfhosenrollen (im „Hamlet“) oder ein „Sidekick“, wie er wohl sagen würde, als Haushofmeister in der Richard-Strauss-Oper „Ariadne auf Naxos“. Und jetzt eben eine per Intendanten-Handschlag besiegelte Folge von sechs Schmidt-Solos auf der Stuttgarter Staatstheaterbühne, die sich ans vormalige Late-Night-Format anlehnen, aber doch so früh beginnen, dass die Leute noch den letzten S-Bahn-Anschluss Richtung Bempflingen kriegen. Er sei, so begrüßte Schmidt das Publikum bei der Premiere im Schauspielhaus, heute „Ihr Baustellen-Buddy und Happiness-Consulter“, und er versprach für eine starke Stunde „einen als Dialog getarnten Frontalunterricht der härtsten Sorte“.

Natürlich hielt er Wort: Schmidts Humorverständnis ist bildungungsbürgerlich durchdrungen, man sollte sich schon ein bisschen auskennen in der Welt, um sich hier zurechtzufinden. Zwar muss man nicht automatisch wissen, was Palatisierung bedeutet oder was ihm IPCC-Report steht. Das erklärt einem dann schon der launige Entertainer dort oben im Bühnenbild von Horvaths „Italienischer Nacht“. Und zwar so, dass man es kaum wieder vergisst. „Wenn Sie Leute mitnehmen“, ruft Schmidt, „ist es Ihnen wurst, wohin.“

Standup-Comedy ist zum einen vorgetäuschte Spontaneität und geistesgegenwärtige Gagfähigkeit. Dass dahinter harte Arbeit steckt, daran lässt Schmidt das Publikum kurz teilhaben. Zum anderen ist sie aber auch ein Pointenschleudergang mit hoher Drehzahl. Das Publikum kommt dann kaum nach mit Lachern, selbst wenn dieser Reflex nicht besonders nachhallt. So blieb auch der erste „Echt-Schmidt“-Probelauf eine lustige Angelegenheit für den Moment, ironisch ausgekontert vom versierten Alleinunterhalter: „Horvath mochte nicht Parodie, Satire und Dialekt, heißt es – wäre das heute ein geiler Abend für ihn!“

Folge eins der Comedyserie „Echt Schmidt“ wurde im Untertitel als „ein bunter Abend für Abgehängte“ etikettiert. Ein politischer, gar zornig auf die Zustände blickender Entertainer ist Harald Schmidt aber so gut wie nie. Eine gewisse Altersmilde ist ihm kaum abzusprechen. Seine Diagnosen beschränken sich eher auf harmlosere Einsichten wie: „Bürgerlich ist das neue hip“. Und nur einmal könnte man ihn bös verstehen, wenn er meint: „Meine Generation denkt Kennedy vom Ende her!“

Wie früher in der Harald-Schmidt-Show schneit auch diesmal zum guten Schluss ein Studiogast herein. Der Stuttgarter Staatskapellmeister Cornelius Meister ist ein vives Kerlchen, das hervorragend mitspielt und dem anderen Meister beinahe die Show stiehlt. Er stellt dabei sein absolutes Gehör unter Beweis – auch für Pointen. Und mischt munter mit in der didaktischen Lehrstunde des Humorpädagogen Schmidt, etwa indem er die staunenswerte Wirkung des Tristan-Akkords erklärt – genau: jenen (laut Schmidt) „fünf Stunden Pilcher mit Musik“.

Die beiden Buddies kennen sich aus der oben erwähnten Strauss-Oper, und der Dirigent verrät treuherzig, dass für die Haushofmeister-Rolle gleich zwei Kandidaten in der engeren Wahl standen: Schmidt und Winfried Kretschmann. „Wir waren einstimmig für Sie!“

Am Ende darf Schmidt als Pedalassistent am Konzertflügel des Musik-Meisters ran. Außerdem tanzt er zwischendurch ein paar Takte, und er singt ganz ergreifend playback zu Fritz Wunderlichs „Dein ist mein ganzes Herz“. Ja, Dirty Harry: Dein ist unser ganzes Herz!

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Erstellt:
30. September 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
30. September 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 30. September 2019, 06:00 Uhr

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