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Stuttgart

Gegenwind für Daimler: Konzern stellt sich neu auf

Mit neuer Struktur, selbstständigen Sparten und Jobgarantien für alle Mitarbeiter in Deutschland formiert sich der Autobauer Daimler angesichts des Wandels in der Branche neu.

26.07.2018
  • dpa

Stuttgart. Für Autos und Vans soll es von 2020 an die Mercedes-Benz AG geben, wie der Stuttgarter Konzern am Donnerstag mitteilte. Bei der Daimler Truck AG wird das Geschäft mit Lastwagen und Bussen zusammengefasst. Die Finanzdienstleistungssparte als dritte Säule, die rechtlich eigenständig ist, soll zudem schon 2019 in Daimler Mobility AG umbenannt werden. Den Mitarbeitern in Deutschland hat der Konzern zugesichert, ihre Jobs bis mindestens Ende 2029 zu erhalten.

Vergangenes Jahr hatte Daimler mit Rekordzahlen geglänzt, zuletzt wuchsen allerdings die Probleme. Im zweiten Quartal rutschte der Gewinn wegen hoher Sonderkosten ab - und die Aussichten in der wichtigen Kernsparte Mercedes-Benz sind weiter mau. «Der Gegenwind ist enorm», sagte Vorstandschef Dieter Zetsche. Aber man komme voran.

Einen hohen dreistelligen Millionenbetrag soll das «Projekt Zukunft» kosten, über das die Aktionäre im Mai kommenden Jahres noch abstimmen müssen. Daimler hatte die Pläne für den Konzernumbau 2017 bekanntgemacht und seither eingehend geprüft, wie es hieß. Nun hätten Vorstand und Aufsichtsrat ihr Okay gegeben. Die Daimler AG soll es weiter geben - als Dachgesellschaft mit übergreifenden Funktionen. Welche Rolle Vorstandschef Dieter Zetsche in diesem neuen Konstrukt spielen soll, ließ er am Donnerstag offen. Darüber sei noch nicht gesprochen worden, sagte er. Zetsches Vertrag läuft Ende 2019 aus.

«Mit der neuen Organisationsstruktur stellt sich Daimler für den rasanten Wandel der Mobilitätsbranche und die damit verbundenen strategischen Herausforderungen auf», erklärte Aufsichtsratschef Manfred Bischoff. Hintergrund ist unter anderem, dass sich Daimler von eigenständigen Sparten mehr Beweglichkeit verspricht, etwa wenn es darum geht, bei bestimmten Produkten Partnerschaften mit anderen Unternehmen einzugehen. Bisher muss da immer der gesamte Konzern zustimmen, auch wenn große Teile nicht betroffen sind. Immer wieder wurde auch über einen Börsengang der Truck-Sparte spekuliert. Zetsche und sein Finanzchef Bodo Uebber betonten, das sei derzeit kein Thema.

«Daimler formiert sich technologisch, kulturell und jetzt auch strukturell bestmöglich für die Zukunft», sagte Zetsche. Daimler investiert nicht nur viel Geld in die Entwicklung von Elektroautos und autonomes Fahren, sondern auch in alternative Mobilitätskonzepte fernab des Kerngeschäfts - etwa Mitfahr- und Car-Sharing-Dienste.

Den Interessenausgleich mit den Mitarbeitern im Zuge des Umbaus hatten Vorstand und Betriebsrat ebenfalls schon vor einem Jahr ausgehandelt. Die Vereinbarungen seien in Deutschland einmalig, sagte Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht. Neben der Jobgarantie und der Fortsetzung der Ergebnisbeteiligung bis 2025 geht es darum, dass die Mitarbeiter künftig bei Investitionen mitreden dürfen und bei der Frage, ob Komponenten selbst produziert oder zugekauft werden sollen. Zudem hat Daimler Investitionen in die deutschen Standorte von 35 Milliarden Euro zugesagt. Unter anderem sollen am Stammsitz in Untertürkheim und in Sindelfingen Batteriewerke gebaut werden.

Zetsche geht davon aus, dass es auch im laufenden dritten Quartal noch weitere Belastungen gibt, weil der Konzern bei der Zertifizierung von Pkws und kleinen Nutzfahrzeugen nicht so weit ist wie gedacht. Kostspielige Software-Updates für Dieselfahrzeuge, Auslieferungsstopps und der neue Abgasteststandard WLTP sorgen dafür, dass manche Daimler-Modelle für die Kunden vorübergehend nicht verfügbar sind. Bei Mercedes-Benz musste Daimler höhere Rabatte gewähren, weil Kunden in China sinkende Zölle für Autos aus Europa für ihre Preisverhandlungen bei den Händlern nutzten.

Erst im vierten Quartal soll wieder Besserung eintreten, Rückstände sollen dann abgearbeitet werden, sagte Zetsche. Die Gewinnprognose für 2018 hatte Daimler kürzlich allerdings nach unten korrigiert.

Im zweiten Quartal rutschte der auf die Aktionäre entfallende Gewinn um 29 Prozent auf 1,73 Milliarden Euro ab. Vor Steuern und Zinsen ging das Ergebnis ebenfalls um fast ein Drittel auf 2,64 Milliarden Euro zurück. Rechtskosten für den Vergleich rund um das Mautsystem Toll Collect belasteten das operative Ergebnis mit 418 Millionen Euro. Der Umsatz ging trotz eines höheren Fahrzeug-Absatzes insgesamt leicht um ein Prozent auf 40,76 Milliarden Euro zurück.

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26.07.2018, 07:23 Uhr | geändert: 26.07.2018, 15:40 Uhr
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