Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Klassisch

Gegen das Vergessen

Vor zwei Jahren veröffentlichte das italienische Ensemble Alraune seine erste CD der Reihe „Musica & Regime“. Nun ist beim Label NovAntiqua (Vertrieb Note 1) das Volume 3 der Reihe erschienen.

22.06.2019

Von BURKHARD SCHÄFER

Foto: NovAntiqua

Ulm. Auch hier präsentieren die Musiker Werke von Tonsetzern, die von den Nationalsozialisten verfemt wurden. Die CD beginnt mit dem Lied „Maiblumen blühen überall“ für Mezzosopran (gesungen von Federica Carnevale) und dem Streichsextett von Alexander von Zemlinsky. Es folgen drei Lieder für Mezzosopran und Streichtrio des 1944 im KZ Auschwitz-Birkenau ermordeten Viktor Ullmann. Höhepunkt der mächtig unter die Haut gehenden Scheibe ist das fast 50-minütige Streichsextett des 1944 in Auschwitz ermordeten österreichischen Komponisten Marcel Tyberg – ein in jeder Hinsicht großes Werk!

Welche Idee steckt hinter dem CD-Projekt?

Stefano Zanobini : Ich denke, Musizieren ist schon für sich allein eine Art zivile Mission, da sie Verbreitung von Kultur darstellt und damit den Geist der Zuhörer für existenzielle, soziale Fragen öffnet. Bei der Erforschung von im „Dritten Reich“ verfemter Musik im Projekt „Musica & Regime“ keimt spontan die Frage nach dem Grund eines solchen Verbots auf, und man erkennt dessen Sinnlosigkeit, ja Lächerlichkeit und erfasst die grundlegende Bedeutung künstlerischer Freiheit für eine offene Gesellschaft.

In welcher Tradition stehen die sehr apart besetzten Werke von Zemlinsky und Ullmann?

Diese Art von Besetzungen hat ihren Ursprung sicherlich in der Suche der damaligen Wiener Komponisten nach neuen Klangfarben und Instrumentationen in der Liedbegleitung. Mahlers Orchesterlieder wirkten sich wahrscheinlich auf die Wahl von Zemlinsky, Ullmann, aber auch Schönberg, im Streichquartett op. 10 aus, das Klavier in der Liedbegleitung zu ersetzen. Mir persönlich gefällt die Weichheit des Streicherklangs im Vergleich zum Klavier sehr, als Bratscher bin ich da aber vermutlich parteiisch.

Verraten Sie uns doch bitte ein paar Hintergründe zum Streichsextett von Tyberg.

Das Werk liegt mir aus vielerlei Gründen besonders am Herzen. Wir hören eine stark von Mahler geprägte Musik, die eine ganze Palette von Emotionen offenbart: mystische Ekstase, Intimität, Leidenschaft, Sarkasmus . . . Außerdem hinterlässt uns dieser durch seinen tragischen Tod in Vergessenheit geratene Musiker mit seinem Sextett ein weiteres Zeugnis aus einer Epoche, in der Postromantik, Atonalität, Neoklassizismus, Dadaismus und Expressionismus nebeneinander existierten. Burkhard Schäfer

Stefano Zanobini. Foto: Marco Borelli

Zum Artikel

Erstellt:
22. Juni 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
22. Juni 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 22. Juni 2019, 06:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.
Aus diesem Ressort
Das Tagblatt bei Whatsapp & Co.
Wir liefern die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region immer aktuell aufs Smartphone: per Whatsapp & Co.

Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp  mit einem entsprechenden Mobilgerät.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen

Faceboook      Instagram      Twitter           Google+      Google+