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Nach Lawinenunglücken in Tirol: Experte gibt Tipps für Wintersportler

"Gefahr lauert schon direkt neben der Piste"

In den Alpen herrscht derzeit große Lawinengefahr: Vor allem der Altschnee ist gefährlich, wie Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein (DAV) erklärt.

09.02.2016
  • TILL ECKERT

Herr Winter, besteht für Wintersportler derzeit eine große Gefahr durch Lawinen?

STEFAN WINTER: Man unterscheidet grundsätzlich zwischen der Piste, also dem gesicherten Bereich, und dem ungesicherten Bereich neben der Piste. Der Liftbetreiber hat die Verantwortung für die Verkehrssicherheit auf der Piste. Wenn auf der Piste Lawinengefahr herrscht, wird sie ganz oder in Teilen geschlossen. Das statistische Risiko, dass eine Lawine auf eine markierte Piste niedergeht, geht gegen Null.

Und wenn man die Piste verlässt?

WINTER: Wer die Piste verlässt, läuft immer Gefahr, eine Lawine auszulösen. Deshalb ist das nur wirklich erfahrenen Wintersportlern zu empfehlen. Neben der Piste hat man sich anders zu verhalten: Man muss Sicherheitsabstände achten und eine Lawinen-Notfallausrüstung - also Lawinensuchgerät, Sonde und Schaufel - mitführen. Im freien Gelände empfiehlt sich zusätzlich ein Airback.

Wer neben der Piste fährt, nimmt also bewusst in Kauf, eventuell eine Lawine auszulösen, bei der andere zu Schaden kommen könnten?

WINTER: Ja, aber der Berg ist ja kein rechtsfreier Raum. Geschulte Alpinpolizisten ermitteln in so einem Fall, dann geht das an den Staatsanwalt - so wie jetzt in Tirol. Daher auch der Appell: Abseits der Piste muss unbedingt verantwortungsvoll gefahren werden, Steilhänge ab 30 Grad Steigung sollte man meiden.

"Viel Schnee bedeutet hohe Lawinengefahr" - stimmt das eigentlich?

WINTER: Davon geht der Laie aus. Tatsächlich stimmt das so nicht ganz: Gefährlich wird es erst in Kombination mit Wind. Der bläst den Schnee weiter, so dass sich Pakete bilden. Die sind störanfällig. Im Frühjahr kommt noch das Schmelzwasser dazu. Gerade problematisch: der Altschnee. Weil es so wenig schneit, ist er einem dauernden Umwandlungsprozess unterworfen.

Was raten Sie Wintersportlern jetzt?

WINTER: Sie sollten keinen alten Denkmustern aufsitzen. Wenig Schnee heißt immer: hohes Risiko. Und nur, weil neben der Piste Spuren im Schnee sind, heißt das nicht, dass es sicher wäre. Fast überall in höheren Lagen ab 2000 Metern gilt derzeit Lawinenwarnstufe zwei, in Tirol sogar drei, also "erheblich". Ich rate allen Hobbywintersportlern, auf der Piste zu bleiben.

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09.02.2016, 08:30 Uhr
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