Cookies erleichtern die Bereitstellung unserer Dienste. Mit der Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. OK Weitere Informationen

Sie müssen angemeldet sein, um einen Leserbeitrag zu erstellen.
Anmelden
Gefahr für den Standort
Azubis im Unterricht an einer Sindelfinger Berufsschule: Die Wirtschaft und der Verband der Berrufsschullehrer befürchten mehr Unterrichtsausfall. Foto: dpa
Berufsschulen

Gefahr für den Standort

Lehrerverband fordert 1480 neue Stellen, die Wirtschaft unterstützt das Anliegen und warnt vor massivem Unterrichtsausfall.

05.09.2017
  • ROLAND MUSCHEL

Stuttgart. Flankiert von der Wirtschaft, warnt der Berufsschullehrerverband (BLV) Baden-Württemberg vor erhöhtem Unterrichtsausfall. Zum Schuljahr 2017/18 fehlten landesweit 437 Berufsschullehrer, sagte Landeschef Herbert Huber. Das berge „große Gefahren“ für die Unterrichtsversorgung. „Der Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg ist in Gefahr“, warnte Huber. Auch mit Blick auf die vielen Flüchtlinge, die die Berufsschulen für den Arbeitsmarkt qualifizieren sollen, forderte der Verband mehr Ressourcen. „Unter den derzeitigen Bedingungen wird die von der Politik geforderte Integration scheitern.“

Mitte 2018 drohe sich die Situation an den rund 300 Berufsschulen im Land zu verschärfen. Dann stehen weitere 600 Stellen zur Disposition: 400 sind im Landeshaushalt nur mit Befristung bis zum 31. Juli 2018 hinterlegt; 200 von den Gymnasien „ausgeliehene“ Stellen sollen den Berufsschulen zum gleichen Zeitpunkt entzogen werden. Huber mahnte nicht nur eine Weiterfinanzierung dieser Stellen an, sondern zusätzliche Deputate für weitere Förderstunden oder den Aufbau einer schulspezifischen Vertretungsreserve. Für 2018 forderte der Verband 1480 neue Stellen. Zudem müsse die Regierung mehr Geld in die Fortbildung der Lehrkräfte investieren, tatsächlich sei die Summe aber seit 2007 um die Hälfte auf 350 000 Euro in diesem Jahr gesunken.

Firmen klagen

Unterstützung erfährt der BLV vom Baden-Württembergischen Industrie- und Handelskammertag (BWIHK) und anderen Wirtschaftsverbänden – Berufsschulen und Betriebe arbeiten bei der Ausbildung junger Menschen eng zusammen. Bei einer Umfrage hätten fast 45 Prozent der 1900 teilnehmenden Ausbildungsbetriebe Unterrichtsausfälle an Berufsschulen beklagt, sagte Andreas Richter, Hauptgeschäftsführer der beim BWIHK für den Ausbildungsbereich federführenden IHK Region Stuttgart. „Bei Krankheitsfällen führt die angespannte Personalsituation in den Berufsschulen rasch zu einem Kollaps.“ Das Unterrichtsdefizit, klagte Richter, sei schon jetzt „viel zu hoch“. 2016 habe die Quote bei 5,7 Prozent gelegen.

Laut Handwerkstag liegt das Unterrichtsdefizit in einzelnen Regionen und Berufen sogar bei „weit über zehn Prozent“. Mit Blick auf die Schwierigkeiten bei der Gewinnung von Lehrern sagte Handwerkspräsident Rainer Reichhold: „Wenn sich der Bewerbermarkt ändert, muss die Schulverwaltung als Arbeitgeber eben ihr Angebot verbessern.“ Konzilianter äußerte sich der Landkreistag. Angesichts der Herausforderungen wie der Digitalisierung der Arbeitswelt und der Integration benötigten die beruflichen Bildungsangebote „auf Dauer eine gute Lehrerversorgung“, sagte Hauptgeschäftsführer Alexis von Komorowski.

Kritik übte die Opposition. Grün-Schwarz steuere auf ein „Versorgungsfiasko“ zu, sagte Stefan Fulst-Blei von der SPD. Sein FDP-Kollege Timm Kern mahnte, die beruflichen Schulen dürften „nicht zu Bildungsinstituten zweiter Klasse degradiert“ werden. Dagegen versicherte das Kultusministerium, dass alle Anstrengungen unternommen würden, „um die Unterrichtsversorgung im neuen Schuljahr zu sichern“. Ministerin Susanne Eisenmann (CDU) hatte im Juli Maßnahmen vorgestellt, mit denen der aktuell hohe Lehrerbedarf gedeckt werden soll. Die Ergebnisse will sie morgen vorstellen.

Sie möchten diesen Artikel weiter nutzen? Dann beachten Sie bitte unsere Hinweise zur Lizenzierung von Artikeln.

05.09.2017, 06:00 Uhr
Sie müssen angemeldet sein, um einen Kommentar zu verfassen.
Anmelden

Newsletter-bestellen

· Samstags verschicken wir die News der Woche, unser Klassiker: Die wichtigsten Themen und Geschichten direkt im E-Mail-Postfach. So bleiben Sie auch in der Ferne immer informiert, was in und rund um Tübingen passiert.
· Werktags versenden wir um 9 Uhr die News am Morgen mit den wichtigsten aktuellen Nachrichten.
· Sonntagabend kommt unser Sport-Newsletter mit den wichtigsten Lokalsport-Berichten und Ergebnissen vom Wochenende.

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder sich neu als Benutzer registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter (nur falls Sie weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese) verwendet. Ihre Daten werden nicht an andere Unternehmen weitergegeben.
Nachrichten via Messenger
Die wichtigsten Neuigkeiten aus der Region liefern wir Ihnen auch per WhatsApp & Co. aufs Smartphone. Um diesen Service zu nutzen, öffnen Sie tagblatt.de/whatsapp bitte mit einem entsprechenden Mobilgerät.
Heute meistgelesenNeueste Artikel

Nachrichten aus ...
Reutlingen Wannweil Pliezhausen Walddorfh�slach Ammerbuch T?bingen Dettenhausen Kirchentellinsfurt Kusterdingen Gomaringen Dusslingen Ofterdingen Mössingen Nehren Bodelshausen Hirrlingen Neustetten Rottenburg Starzach Horb
Das Tagblatt bei
Facebook Google+ Twitter Instagram
Video-News: Aus Land und Welt
Heute meistgelesen
Wirtschaft im Profil
Neueste Artikel
Anzeige

Themen-Dossiers

Themen-Dossiers
Single des Tages
date-click
Das Tagblatt als E-Paper

Kontakt zum Kundenservice

Abonnement
07071/934-222
vertrieb@tagblatt.de

Anzeigen
07071/934-444
anzeigen@tagblatt.de

Kontakt zu den Redaktionen

Schwäbisches Tagblatt Tübingen
07071/934-0
redaktion@tagblatt.de

Neckar-Chronik Horb
07451/9009-30
nc@neckar-chronik.de

Tagblatt Online         
07071/934-314
online@tagblatt.de

Steinlach-Bote Mössingen
07473/9507-0
sb@tagblatt.de

Rottenburger Post
07472/1606-16
ro@tagblatt.de

Reutlinger Blatt
07121/3259-50
rt@tagblatt.de

Tagblatt Anzeiger
07071/934-344
tagblatt-anzeiger@tagblatt.de

Wirtschaft im Profil
07071/934-166
wip@tagblatt.de


Oder nutzen Sie unser Kontaktformular