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Weltmeisterschaft

Geburtsstunde einer Rugby-Nation

Gastgeber Japan ist bei der Heim-WM völlig überraschend ohne Niederlage ins Viertelfinale gestürmt und hat dabei das ganze Land mitgerissen. Die Sport-Welt staunt.

15.10.2019

Von SID

Grenzenloser Jubel: Einige japanische Spieler fallen nach dem Sieg gegen Schottland erschöpft, aber glücklich zu Boden. Andere reißen die Arme in die Höhe. Das Team hat bislang bei der WM im eigenen Land sensationelle Auftritte hingelegt. Foto: WILLIAM WEST

Nach dem historischen Sturmlauf ins Viertelfinale ihrer Heim-WM fiel Japans neuen Rugby-Helden die Anspannung in Felsbrockengröße von den Schultern. Pumpend wie die Maikäfer, aber auch überglücklich und mit seligem Grinsen lagen die Spieler auf dem Rasen, auf den Rängen flossen bei den völlig euphorisierten Fans die Freudentränen. Die „Brave Blossoms“, die tapferen Kirschblüten, haben mit ihrer begeisternden Vorrunde das ganze Land mitgerissen. Die Sport-Welt bestaunt die Geburtsstunde einer Rugby-Nation.

Dass die Japaner durch ihren 28:21-Erfolg am Sonntag gegen Schottland als erstes asiatisches Team überhaupt die K.o.-Phase einer WM erreicht haben, ist vor allem in der Art und Weise eine Sensation. Neben den Schotten schlugen sie im Laufe der Gruppenphase auch Russland, Samoa und Irland, vor dem Turnier als Weltranglistenerster einer der Topfavoriten auf den Titel. Mit ihrem spektakulärem Tempo-Rugby haben sie eine nie dagewesene Rugby-Euphorie in Japan ausgelöst.

„Es ist beängstigend, darüber nachzudenken, wie weit es für diese Mannschaft gehen kann“, sagte Japans Kapitän Michael Leitch nach dem Coup gegen Schottland. Den Sieg vor 67 000 ekstatischen Fans im Stadion von Yokohama widmete er „allen, die unter dem Taifun Hagibis gelitten haben“.

Gemeinsam mit seinen Teamkollegen will Leitch auch im Viertelfinale am Samstag gegen Südafrika für Furore sorgen. „Wir haben uns vorbereitet, um die Geschichte von Japans Rugby neu zu schreiben“, kündigte Außendreiviertel Kenki Fukuoka an.

Die Japaner haben aus der Not eine Tugend gemacht. Im Schnitt sind sie mehrere Zentimeter kleiner als ihre oft hünenhaften Konkurrenten aus Europa, Ozeanien oder Afrika. Diesen körperlichen Nachteil gleichen die Asiaten mit einem rasanten Kombinationsspiel und einer schier unmenschlichen Lauf- und Energieleistung aus. Als „Ferraris“ werden Japans Hochgeschwindigkeitsangreifer in der Fachpresse tituliert, und selbst Steve Hansen, Trainer von Neuseelands legendären „All Blacks“, war „sehr froh, diesem formstarken Team“ vorerst aus dem Weg gehen zu können.

Das heiße Duell mit dem Gastgeber erwartet stattdessen Südafrika – ebenfalls Rugby-Großmacht, ebenfalls im Kreis der Titelanwärter und ebenfalls gewarnt vor dem Gegner: Schließlich hat Japan die berühmten „Springboks“ bei der letzten WM vor vier Jahren in England schon einmal besiegt. Der Erfolg als 1000:1-Außenseiter in der Gruppenphase war damals nach Expertenmeinungen die größte Sensation der Rugby-Geschichte. „Heute ist es eine völlig andere Situation“, stellte Japans Zweite-Reihe-Stürmer Luke Thompson jedoch fest: „Wir glauben daran.“

Als die WM nach Japan und damit erstmals seit ihrer Premiere 1987 in ein Rugby-Entwicklungsland vergeben worden war, hatte es durchaus auch kritische Stimmen gegeben. Diese sind längst verstummt. Am Sonntag tanzten die Fans auf der vollgepackten Fanmeile in Tokio bis tief in die Nacht hinein.

Das WM-Turnier ist auch dank Tausender Freiwilligen in ganz Japan omnipräsent. Dazu kommt die unglaubliche Erfolgsgeschichte einer schon jetzt ikonischen Mannschaft. Eine Rugby-Nation ist erwacht. sid

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Erstellt:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
15. Oktober 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 15. Oktober 2019, 06:00 Uhr

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