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Die Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders und Marco Rubio können nach den ersten Vorwahlen am lautesten jubeln

Gar nichts klar in Iowa

Wer geht für Demokraten und Republikaner im Herbst ins Rennen um die Nachfolge des US-Präsidenten Barack Obama? Die ersten Vorwahlen in Iowa lieferten zwar Überraschungen, aber noch keine Antworten.

03.02.2016
  • PETER DE THIER

Ein hauchdünner Sieg der demokratischen Favoritin Hillary Clinton gegen den Sozialisten Bernie Sanders, für Multimilliardär Donald Trump eine ernüchternde Wahlschlappe und Überraschungserfolge der republikanischen Senatoren Ted Cruz und Marco Rubio. So lautet die Bilanz der Vorwahlen in Iowa, Auftaktveranstaltung zum zehn Monate langen US-Wahlmarathon.

Völlig unklar bleibt, wer Republikaner und Demokraten im Herbst beim Rennen um die Nachfolge Präsident Barack Obamas vertreten wird. Zumal Iowa nur einen kleinen Bruchteil der Delegierten stellt, die bei den Parteitagen im Sommer bestimmen, wie die Spitzenkandidaten heißen werden. Fest steht nur der Verlierer: Washingtons Polit-Establishment. Das Vorwahlergebnis war eine klare Absage an die Machthaber zweier Großparteien, die seit Jahren außerstande sind, konstruktiv zusammenzuarbeiten.

Im Clinton-Lager herrschte Hochspannung. Kurz vor Mitternacht Ortszeit hatten sämtliche Medien schon Ted Cruz, den Kandidaten der Tea Party, zum Sieger bei den Republikanern erklärt. Die Helfer in Hillary Clintons Wahlkampfzentrale in Iowas Hauptstadt Des Moines durchlaufen aber ein Wechselbad der Gefühle. Als die frühere First Lady für kurze Zeit die Schwelle von 50 Prozent überschreitet, bricht großer Jubel aus. Darauf folgt wenige Minuten später Todesstille, als der Nachrichtensender CNN meldet, dass ihr 74-jähriger Gegner wieder aufgeholt hat.

Schließlich besteigt Obamas ehemalige Außenministerin das Podium, flankiert von Ehemann Bill und Tochter Chelsea. Wichtig sei nun, dass die Partei zusammenhält, sagt sie. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die Republikaner uns als Nation spalten, dass sie alles wegnehmen, was wir während der vergangenen Jahre erreicht haben", sagt Clinton. Sanders wird keines Wortes gewürdigt, sondern indirekt aufgefordert, ihre Kandidatur zu unterstützen. Die 68-Jährige wirkt energisch und selbstbewusst, zugleich aber verbittert darüber, dass sie nicht als strahlende Siegerin dastehen kann.

Bei der Vorwahl in New Hampshire, wo der aus dem Nachbarstaat Vermont stammende Sanders deutlich in Führung liegt, wird Clinton voraussichtlich eine Niederlage einstecken müssen. Für sie werden damit Erinnerungen ans Wahljahr 2008 wach. Auch damals galt ihre Spitzenkandidatur als unvermeidlich, auch damals unterschätzte sie einen krassen Außenseiter, der prompt zwei Präsidentschaftswahlen mit deutlichem Abstand gewann.

Einen rauschenden Erfolg feierten dagegen die Anhänger des unabhängigen Senators aus Vermont, der nicht einmal eingetragenes Mitglied der demokratischen Partei ist. Dass er ein paar Dutzend Stimmen weniger als die Favoritin bekam, spielt aus der Sicht von RoseAnn DeMoro keine Rolle. "Bernie ist wie Phoenix aus der Asche auferstiegen", jubelt die Vorsitzende der Krankenschwestergewerkschaft, die Sanders wegen seines Einsatzes für sozial Schwächere unterstützt. "Die Bewegung geht weiter, stärker als jemals zuvor!" Sicher ist, dass Sanders mit seinem starken Abschneiden zig Millionen Dollar an frischen Wahlspenden sammeln und Clinton nicht von den Fersen weichen wird.

Überraschend gelassen reagierte der Immobilienunternehmer Trump, der seit Monaten sämtliche Umfragen angeführt hatte, auf sein enttäuschendes Ergebnis. Hatte er noch wenige Stunden zuvor bei einer der 1681 Wählerversammlungen siegessicher gewirkt und Selfies mit Fans knipsen lassen, trat der sonst lautstarke Milliardär nun deutlich leiser auf. "Ich fühle mich durch den zweiten Platz geehrt", sagte Trump mit einem Hauch Bescheidenheit. Fraglos hatte Trump die perfekt organisierte Kampagne seines Hauptrivalen Cruz unterschätzt, dessen Helfer an tausend Türen geklopft hatten.

Trumps Abschneiden unterstreicht die begrenzte Aussagekraft von Wählerumfragen. Denkbar ist, dass viele Anhänger im ländlichen Iowa den Fernsehstar bei einer seiner Megaveranstaltungen zwar live erleben wollten, ihm aber dann ihre Stimmen nicht schenkten.

Obwohl der texanische Senator Cruz mit relativ komfortablem Vorsprung den Sieg bei den Republikanern verbuchen konnte, gilt er nicht als Favorit. Der Kandidat des rechtsgerichteten Tea-Party-Flügels war auf die Stimmen erzkonservativer Evangelikaler angewiesen, die sich in Iowa in der Mehrheit befinden. Dank der Unterstützung der streng religiösen christlichen Wähler hatten 2008 und 2012 Mike Huckabee und Rick Santorum ebenfalls überraschende Erfolge gefeiert, verschwanden dann aber schnell von der Bildfläche.

Der wahre Gewinner in Iowa war der republikanische Kandidat, der den dritten Platz belegte und beinahe sogar Trump den Rang ablaufen konnte. Rubio hatten Experten nur Außenseiterchancen eingeräumt. Wie Cruz verbrachte er aber mehr Zeit als andere Kandidaten mit einzelnen Wählergruppen. Mit seinem Einsatz für ein militärisch starkes Amerika sowie eine harte Gangart gegenüber illegalen Einwanderern gewann Rubio die Sympathien vieler Konservativer. Da Jeb Bush, Favorit des republikanischen Establishment, wie erwartet chancenlos war, werden sich nun Parteibosse ebenso wie traditionelle Geldgeber der konservativen Partei hinter den Senator aus Florida stellen.

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03.02.2016, 08:30 Uhr
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