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Kulturpolitik

Ganz große Oper

Die Grünen sind bereit, für die Modernisierung der Staatstheater in Stuttgart eine Milliarde Euro zu investieren. Finden sie dafür Mehrheiten?

07.11.2019

Von ROLAND MUSCHEL

Das Opernhaus in Stuttgart, das generalsaniert und erweitert werden soll. Foto: Bernd Weißbrod/dpa

Stuttgart. Es habe sich heute ein Gefühl eingestellt, dass es nun losgehe, sagt Victor Schoner, der Intendant der Staatsoper Stuttgart, am späten Dienstagabend. Er klingt kurz euphorisch, schiebt dann aber einen Satz nach: Er hoffe, dass die Ideen der Planer und Macher nun nicht zermalmt würden.

Der Wunsch bleibt unerfüllt. Das Umsetzungskonzept und die Kostenkalkulation zur Modernisierung des Stuttgarter Drei-Sparten-Hauses samt Bekenntnis zur möglichen Milliardeninvestition, die der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn, Baden-Württembergs Wissenschaftsministerin Theresia Bauer und Finanz-Staatssekretärin Gisela Splett (alle Grüne) dem Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater präsentieren, finden zwar den Beifall der Intendanten. Aber anderntags wird augenfällig, dass für das Projekt bislang weder im Landtag noch im Stuttgarter Gemeinderat Mehrheiten absehbar sind. Die Kritiker reiben sich an Details – und den Kosten.

Selbst die CDU, auf Landesebene Koalitionspartner der Grünen und in der Stadt zweitstärkste Fraktion, zeigt sich skeptisch bis ablehnend. „Wir müssen uns als Land schon sehr genau überlegen, ob wir uns diesen Weg so leisten können“, sagt der Finanzexperte der CDU-Landtagsfraktion, Tobias Wald am Mittwoch. Noch deutlicher wird der Chef der CDU-Gemeinderatsfraktion, Alexander Kotz: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir angesichts der Summe einfach einen Haken unter den Vorschlag machen.“

Die grünen Spitzenpolitiker in Stadt und Land geben sich indes nicht geschlagen, sie wollen Mehrheiten für das vorgestellte Konzept organisieren. Mit Oper und Ballett habe Stuttgart einen „wertvollen Schatz“ von überregionaler Bedeutung und Ausstrahlung, den es zu erhalten gelte, wirbt Kuhn. „Es lohnt sich, für diese Investition mit Herz und Kopf zu kämpfen.“

Für den heutigen Donnerstag hat er die Chefs der Ratsfraktionen zum Gespräch gebeten, im zweiten Quartal 2020 will er im Gemeinderat einen Beschluss herbeiführen. Wissenschaftsministerin Bauer sagt, sie glaube, dass man für das Vorhaben „erfolgreich“ Überzeugungsarbeit leisten könne. Die Zahlen seien zwar „harte Kost“, aber ehrlich. „Wir hören auf mit der Politik früherer Jahre, sich mit geschönten Zahlen billig in so ein Projekt einzuschleichen.“

Die Zahlen, die nun vorliegen, sind jedenfalls höher als von vielen erwartet. Sanierung und Erweiterung der Württembergischen Staatstheater könnten demnach mit 740 bis 960 Millionen Euro zu Buche schlagen, so die Grobkostenschätzung der Staatlichen Vermögens- und Hochbauverwaltung. Abgedeckt wäre damit die Sanierung des Operngebäudes, des historischen Littmann-Baus im Herzen der Stadt, sowie ein neues und größeres Kulissengebäude und die Neustrukturierung von Verwaltungsbau und Schauspielhaus.

Hinzu kommen Bauten für eine Ersatzspielstätte für die auf mindestens sieben Jahre angesetzten Sanierungsmaßnahmen. Dafür werden weitere 104 Millionen Euro veranschlagt. Anders als in den bisherigen Planungen vorgesehen, sollen die Interimsbauten später für andere Zwecke weitergenutzt werden. Staatssekretärin Splett weist Kritiker darauf hin, dass der Littmann-Bau so oder so saniert werden müsse. „Nichtstun ist keine Alternative.“ Das Gegenteil sei der Fall: „Je länger wir warten, desto teurer wird es.“

Dagegen wirft der Verein „Aufbruch“ um den früheren TV-Moderator Wieland Backes den Verantwortlichen vor, Alternativen nie ernsthaft geprüft zu haben. Stattdessen finde an den Bürgern vorbei ein „Milliardenspiel“ statt. Die Kosten stoßen auch dem SPD-Fraktionsvize im Landtag, Martin Rivoir, der auch Mitglied im Verwaltungsausschuss der Staatstheater ist, sauer auf: „Meine Fraktion hat bei dieser Summe schwere Bedenken. Für deutlich weniger Geld werden in anderen Städten komplette neue Opernhäuser gebaut.“

Der SPD-Fraktionschef im Gemeinderat, Martin Körner, sieht die Pläne aus anderen Gründen kritisch: „Wir finden das Gesamtkonzept bisher städtebaulich nicht überzeugend.“ Kuhn, Bauer und Co. steht offenbar noch viel Überzeugungsarbeit bevor.

Teures Wahrzeichen: die Elbphilharmonie. Foto: Georg Wendt/dpa

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Erstellt:
7. November 2019, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
7. November 2019, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 7. November 2019, 06:00 Uhr

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