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Nothilfe aus Ofterdingen

Endlich Wasser!

Nach den Verheerungen des Zyklons „Idai“ ging in Mosambik nichts mehr. Thomas Wiedemann vom THW Ofterdingen war als Teil einer Spezialeinheit in Südostafrika.

16.04.2019

Von Amancay Kappeller

Mit seiner Spezialeinheit war Wiedemann in Nhangau im Einsatz: einem Ort, der 15 Kilometer außerhalb von Beira liegt. Bild: THW

Ganz besonders schwer getroffen hat der verheerende Tropensturm „Idai“ die mosambikanische Hafenstadt Beira. Etwa eine halbe Million Menschen leben dort. „Die Zerstörung ist total, es wurden teilweise ganze Häuser weggeblasen“, berichtet Thomas Wiedemann. Am 22. März machte sich Wiedemann mit der „Schnelleinsatzeinheit Wasser Ausland“ (SEEWA) des THW (Technisches Hilfswerk) auf den Weg nach Mosambik, nachdem die Regierung des südostafrikanischen Landes zwei Tage zuvor den Ausnahmezustand erklärt und um internationale Hilfe gebeten hatte.

Eine Schneise der Verwüstung hat der tropische Wirbelsturm „Idai“ im März durch die Länder gezogen, in denen er mit Windgeschwindigkeiten bis zu 250 Kilometer pro Stunde wütete. Von den Folgen des Zyklons betroffen sind mehrere Millionen Menschen, vor allem in Mosambik und Simbabwe, aber auch in Malawi und Madagaskar. Die eindrücklichen Bilder, die Wiedemann mitgebracht hat, zeugen vom Ausmaß der Zerstörung vor Ort. Aber auch von der Dankbarkeit, die den Helfern von der einheimischen Bevölkerung entgegen gebracht wurde.

Mit seiner Spezialeinheit war Wiedemann in Nhangau im Einsatz: einem Ort, der 15 Kilometer außerhalb von Beira liegt. Auf Luftaufnahmen sieht man das stark zerstörte Schulgelände von Nhangau. Der Wirbelsturm hat die Dächer der Gebäude zum Teil abgedeckt, von weit oben sehen die Bauten aus wie geöffnete Sardinenbüchsen. Aufgabe der THW-Einheit war es, rund 12 000 Menschen mit Trinkwasser zu versorgen. Zwei Trinkwasseraufbereitungsanlagen wurden zu dem Zweck auf dem Schulgelände errichtet.

Als Logistiker kümmerte sich Thomas Wiedemann nicht nur um die 13 Tonnen Material, die die THW-Einheit mittels Transportmaschine nach Mosambik befördern ließ, sondern auch um die Bedürfnisse des 13-köpfigen Teams und alles, was vor Ort, teils auf die Schnelle, von den Kollegen für effizientes Arbeiten benötigt wurde. Von Beruf ist Thomas Wiedemann Polizist. Der 53-Jährige arbeitet beim Landeskriminalamt, wohnt in Rottweil und hat bereits 40 Jahre THW-Erfahrung. Wiedemanns Vater und Mutter engagierten sich schon beim THW. „Ich bin damit groß geworden“, sagt er.

Seit 1993 ist der 53-Jährige für das THW auch im Auslandseinsatz. Beim ersten Einsatz in Somalia 1993 musste seine Einheit evakuiert werden. Es folgten Hilfseinsätze unter anderem in Zaire, Ruanda, Sri Lanka, Frankreich, Indien, Kenia und Pakistan. 1999 reiste Wiedemann nach einem verheerenden Erdbeben in die Türkei und 2013 nach einem Taifun auf die Philippinen. „Wir kommen hin und es gibt nichts mehr“: Das ist oftmals die Situation, mit der sich Helfer in Krisengebieten konfrontiert sehen.

Die Menschen in Nhangau leben von Grundwasser, das in sechs bis neun Metern zu finden ist. Wasser holen sie im Normalfall aus Brunnen. Nach dem Sturm und Überschwemmungen sind diese aktuell aber mit Fäkalkeimen verunreinigt. Aufgabe des THW ist es, aus Oberflächen- oder Brunnenwasser nach den Richtlinien der WHO wieder trinkbares Nass zu machen. Das gelingt mit Hilfe einer Ultrafiltrationsanlage, erklärt Wiedemann. Zunächst wird das bakteriell belastete Wasser gereinigt, später dann mit Chlor desinfiziert. „Man kann kein dreckiges Wasser sauber machen“, sagt der THWler. Ein mobiles Labor ermöglicht es den Helfern, die Wasserqualität jederzeit zu testen.

Zum Kochen, Waschen und Trinken sollten jedem Einheimischen drei Liter Wasser pro Tag zur Verfügung stehen. „Wir hatten aber so viel Vorrat, dass jeder holen konnte, so viel er wollte“, berichtet Wiedemann. Die Bevölkerung wurde instruiert, nicht mehr aus den verseuchten Brunnen zu trinken, sondern aus den vom THW bereitgestellten Wasserblasen mit einem Fassungsvermögen von bis zu 20 000 Litern. Bevor die Anlagen der Spezialeinheit in Betrieb genommen wurden, weihte sie ein örtlicher Pfarrer. THW-Helfer im Einsatz sind auch wegen der klimatischen Verhältnisse in Mosambik dazu angehalten, pro Tag sechs Liter Wasser zu trinken, erklärt Wiedemann.

Bis zum Ende seines Einsatzes am 4. April gab es laut Wiedemann „immer wieder neue Überraschungen“. Einmal war zum Beispiel eine Straße nach Hochwasser nicht mehr befahrbar, erzählt der 53-Jährige. Ein Lastwagen steckte dort fest und man kam nicht mehr durch. Abenteuerlich geht es in Mosambik auch auf der Straße zu: „Ein schlechter Feldweg ist in Mosambik eine Autobahn.“ Die Verständigung klappte mit Hilfe eines Dolmetschers - oder mit Händen und Füßen. Amtssprache ist in dem afrikanischen Land Portugiesisch. Nach seiner Motivation befragt, weshalb er humanitäre Hilfe leiste, antwortet Thomas Wiedemann: „Gucken Sie sich einfach die Bilder an, auf denen die Kinder lachen.“

Die „Schnelleinsatzeinheit Wasser Ausland“ des THW

Die SEEWA ist eine weltweit einsetzbare taktische Einheit zur notfallmäßigen Wasserversorgung durch Wasseraufbereitung. Drei Ofterdinger THWler gehören dieser Einheit an. In Katastrophengebieten wird Trinkwasser an die Bevölkerung verteilt, außerdem können Brunnen sowie sanitäre Einrichtungen wieder funktionsfähig gemacht und Leitungen gelegt werden. Zur Zeit gibt es drei einsatzbereite Module, berichtet Thomas Wiedemann. Jedes Modul stellt eine Gruppe, bei der alle Funktionen gleich fünffach besetzt sind. Standort des Moduls Süd ist Blaubeuren, das Modul Mitte sitzt in Göttingen, das Modul Nord-Ost in Itzehoe. Seit zwei Jahren ist die Fachgruppe Führung / Kommunikation beim THW-Ortsverband Ofterdingen angesiedelt. Auch Thomas Wiedemann gehört zu dieser Einheit. Der THW-Ortsverband Ofterdingen hat rund 120 Mitglieder.

Thomas Wiedemann vom THW Ofterdingen. Bild: THW

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Erstellt:
16. April 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
16. April 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 16. April 2019, 01:00 Uhr

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