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Zeichner

Gallier mit genialem Strich

Albert Uderzo erfand zusammen mit René Goscinny die legendären Comic-Helden Asterix und Obelix. Jetzt ist der Franzose im Alter von 92 Jahren gestorben.

25.03.2020

Von EPD

Der französische Zeichner Albert Uderzo vor einigen Jahren auf der Frankfurter Buchmesse hinter einem Aufsteller, der seine weltberühmten Figuren Asterix und Obelix zeigt. Foto: Arne Dedert/dpa

Alles musste ganz schnell gehen: Als Albert Uderzo und sein Kollege René Goscinny 1959 eine Comic-Serie für die französische Jugendzeitschrift „Pilote“ entwerfen sollten, standen sie enorm unter Zeitdruck. Der Auftrag: einen französischen Helden erfinden, der sich von den US-Comics abgrenzt. „In einer Viertelstunde entwickelten wir fast alle Charaktere“, erzählte Uderzo später. Die legendären Comic-Helden Asterix und Obelix waren geboren und mit ihnen das unbeugsame gallische Dorf, das den Römern Widerstand leistet. Uderzo starb am Dienstag im Alter von 92 Jahren in seinem Haus in Neuilly an einem Herzinfarkt, wie die französische Tageszeitung „Le Monde“ berichtete.

Während Goscinny für die Asterix-Comics Geschichten und Texte entwarf, zeichnete Uderzo die Figuren mit den charakteristischen Knollennasen: den kleinen Helden Asterix mit dem geflügelten Helm und dessen dicken Freund Obelix, der meist einen Hinkelstein mit sich herumschleppt, Wildschweine verspeist und von seinem Hündchen Idefix begleitet wird.

Charakteristisch für Uderzos Werk seien die runden Formen sowie die klare Gestik und Mimik seiner Figuren, sagte Comic-Experte Markus Engelns von der Universität Duisburg-Essen. Typisch sei auch sein karikaturistischer Stil, mit dem er Prominente in die Geschichten eingearbeitet habe. So etwa den James Bond-Darsteller Sean Connery, der im Band „Die Odyssee“ als Spion „Nullnullsix“ auftaucht.

Uderzo kam 1927 in Fismes bei Reims zur Welt. Großes Vorbild waren für ihn in jungen Jahren Disney-Figuren wie Micky Maus und Donald Duck. Sein Metier lernte er weitgehend autodidaktisch. Anleitung holte er sich von älteren Zeichnern wie etwa Edmond-François Calvo, dem er beim Zeichnen zuschauen durfte.

In den 50er Jahren machte er sich dann selbst als Zeichner einen Namen: Da waren der unverwundbare Ritter „Belloy“, die Piraten-Serie „Pistolet“, der reisende Reporter „Luc Junior“ und das junge, lustige Paar „Benjamin et Benjamine“. Daneben arbeitete Uderzo mit Jean-Michel Charlier an der Serie „Die Abenteuer von Tanguy und Laverdure“ um zwei Kampfpiloten. Zusammen mit Goscinny erfand Uderzo 1958 zunächst den Comic-Helden „Oumpah-Pah“, einen Indianer.

Der große Durchbruch kam aber erst mit „Asterix“. Ermutigt vom Erfolg der 1959 gestarteten Serie legten Uderzo und Goscinny 1961 ein erstes Album mit 6000 Exemplaren auf. Der zweite Band, „Die goldene Sichel“, erschien dann schon mit 20 000 Heften. Mittlerweile wurden von 36 Bänden rund 370 Millionen Exemplare in mehr als 100 Sprachen und Dialekten verkauft.

1977 jedoch starb Goscinny mit 51 Jahren unerwartet an einem Herzinfarkt. „Das war sehr hart für mich. Sein Verlust hat mich tief getroffen“, erinnerte sich Uderzo. Eigentlich habe er danach mit Asterix aufhören wollen. Zwei Jahre lang stellte er die Arbeit ein. „Aber meine Leser waren damit nicht einverstanden“, sagte er. Also versuchte er, Goscinny zu ersetzen und schrieb auch die Texte. Die neuen Bände erschienen nun in seinem eigenen Verlag Éditions Albert René, an dem auch die Familie Goscinny beteiligt war. Uderzo erntete Kritik, weil er nicht die Qualität von Goscinnys Erzählkunst erreicht habe. Dem Erfolg der Serie tat das jedoch keinen Abbruch.

„Uderzos Verdienst ist es, dass er das Cartoonhafte und Komische für breite Bevölkerungsschichten salonfähig gemacht hat“, urteilte Comic-Experte Engelns. Zu den Asterix-Heften griffen auch Leser mit höherer Bildung, die Comics zuvor eher gemieden hatten.

Vor rund zehn Jahren begann Uderzo, sich nach und nach aus dem Geschäft zurückzuziehen. 2007 entzog er seiner Tochter Sylvie die Geschäftsführung des Verlags und verkaufte ein Jahr später seine Anteile an Hachette. Das führte zum Zerwürfnis und jahrelangen Rechtsstreitigkeiten mit seiner Tochter, die ebenfalls Anteile am Verlag hielt. Erst 2014 versöhnten sich Vater und Tochter wieder. Claudia Rometsch

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Erstellt:
25. März 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
25. März 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 25. März 2020, 06:00 Uhr

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