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Gäste zweiter Klasse
Das billigere von zwei Essen ist oft kostenfrei. Manche Gäste beklagen sich über Unzulänglichkeiten. Foto: Shutterstock.com
Gastronomie

Gäste zweiter Klasse

Wer als Wirt mit Gratisessen um Gäste wirbt, muss zu seinen Versprechen stehen. Der Bundesgerichtshof hat dazu jetzt ein Urteil gesprochen.

01.09.2017
  • CAROLINE STRANG

Stuttgart. Es wimmelt nur so von begeisterten Stimmen. Fantastisch sei so ein Schlemmerblock, wunderbar ein Gutscheinbuch. Warum er das nicht schon seit Jahren mache, fragt sich ein Nutzer einer Bewertungsplattform. Das Geschäftsmodell dahinter ist schnell erklärt: Der Verlag bietet eine gedruckte Werbeplattform für Gastwirte, die über Gutscheine – meist ist das zweite günstigere Essen gratis – neue Kunden in ihre Restaurants locken wollen. An die Verlage bezahlen die Gastwirte nichts. Der Kunden zahlt für solch eine gebundene Gutscheinsammlung zwischen 18 EUR und 35 EUR, je nach Region.

Nicht für alle lohnt sich das. Der Mann, der sich auf einer Bewertungsplattform „Austin Powers“ nennt, ist aufgebracht. Das „Gutscheinbuch“ sei ein absoluter Witz, schimpft er. Er berichtet von einer Spezialspeisekarte, die er bekommen habe. Darauf seien alle Gerichte teurer gewesen.

„Alfred Friedrich“ schreibt: „Mal abgesehen von der Stimmungsänderung des Personals, nachdem Sie das Buch gesehen haben, schlägt einem die ganze Kehrseite eines Gastes zweiter Klasse entgegen.“ Das einzige, was man umsonst bekomme, seien Wartezeiten, die Unfreundlichkeit des Personals, einen hohen Blutdruck und ein höheres Herzinfarktrisiko. Beim Gratisgericht werde bei den Portionen und der Qualität gespart. „Auf den obligatorischen Ouzo beim Griechen wartet man ,mit Buch' auch umsonst.“

Andere Nutzer berichten sogar von Beschimpfungen. Dunja Richter-Britsch von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg rät Kunden, grundsätzlich auf dem zu bestehen, was ihnen laut Gutschein zusteht. Wer sich als Gastwirt entscheide, bei solch einer Aktion mitzumachen, müsse zu dem stehen, was er versprochen hat. Und: „Man erwartet zurecht, dass man genau so behandelt wird wie die anderen Gäste.“

Verweigert sich ein Gastwirt, rät Richter, sich bei der Verbraucherzentrale zu beschweren. Grundsätzlich könne ein Gast seine Ansprüche auch einklagen, das sollte allerdings das letzte Mittel sein. „Wir hoffen auf Einsicht.“

Wobei ein Großteil der Menschen gute Erfahrungen macht. Das zeigen auch die Verkaufszahlen. Laut Angaben der Verlage wird das Gutscheinbuch, das es in 150 Regionalausgaben gibt, rund 1 Million mal jährlich verkauft, der Schlemmerblock 800 000 mal.

Das Modell, das auf die spätere Mitwirkung der Gastwirte setzt, beruht dabei nicht nur auf Vertrauen. Am gestrigen Donnerstag hat der Bungesgerichtshof über einen Fall verhandelt, in dem sich die Herausgeberin des Schlemmerblocks auf die Allgemeinen Geschäftsbedingungen beruft, die Gastwirte unterschreiben müssen, die bei ihr inserieren. Danach verpflichtet sich der Gastronom, bei einem vorsätzlichen Verstoß gegen seine vertraglich übernommenen Pflichten eine Vertragsstrafe von 2500 EUR an die Klägerin zu zahlen.

Mehrere Kunden hatten sich beschwert, die Herausgeberin anschließend gegen den Gastwirt geklagt. „Die Gegenleistung für die Werbeleistung besteht nicht in einem Geldwert, sondern darin, dass der Gastronom entsprechend der vertraglichen Vereinbarungen jedem Schlemmerblockbesitzer gegenüber den Gutschein für zwei Hauptgerichte zum Preis von einem einlöst“, schreibt der Verlag in einer Stellungnahme.

Halte er sich nicht daran, gefährde er das komplette Geschäftsmodell. Der Ärger der Kunden falle auch auf den Verlag zurück. „Zusammengefasst kann man also sagen, dass das Konzept des Schlemmerblocks an sich nur Gewinner hat, wenn sich jeder an die Spiel- und Vertragsregeln hält.“ Der Bundesgerichtshof allerdings fand die Höhe der Vertragsstrafe unangemessen. Eine solche Vereinbarung, die ohne Differenzierung einen pauschalen Betrag vorsieht, benachteiligt den Vertragspartner, begründeten die Richter. Denn sie gelte auch für einmalige kleinere Verstöße, etwa das Angebot einer kleineren Portion oder auch unfreundlichen Service.

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01.09.2017, 06:00 Uhr
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