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Staatsanwalt: Fahrdienstleiter löste Zugunglück von Bad Aibling aus

"Furchtbares Einzelversagen"

Menschliches Versagen verursachte nach Ansicht der Ermittler das Zugunglück nahe Bad Aibling. Der Fahrdienstleiter machte nun eine Aussage.

17.02.2016

Von DPA

Arbeiter auf der Unglücksstrecke: Die Reparaturarbeiten laufen, noch sind nicht alle Waggons der kollidierten Züge abtransportiert. Foto: dpa

Bad Aibling. Ein Fehlverhalten des Fahrdienstleiters ist nach Erkenntnissen der Ermittler die Ursache für das Zugunglück von Bad Aibling mit elf Todesopfern. Gegen den 39-Jährigen sei ein Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung sowie wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr eingeleitet worden, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfgang Giese in Bad Aibling. Der Frontalzusammenstoß zweier Züge am Faschingsdienstag gilt als eines der schwersten Bahnunglücke Deutschlands.

"Was wir momentan haben, ist ein furchtbares Einzelversagen", sagte der Traunsteiner Oberstaatsanwalt Jürgen Branz in Bad Aibling.

Nach bisherigen Erkenntnissen hatte der Zug, der von Holzkirchen Richtung Rosenheim fuhr, drei bis vier Minuten Verspätung. Vor einer eingleisigen Strecke bekam er nach Auskunft der Ermittler ein Sondersignal aus dem Stellwerk am Bahnhof Bad Aibling, das ihm die Einfahrt in diesen Abschnitt ermöglichte. Normalerweise sorgen technische Vorrichtungen und Signale dafür, dass hier immer nur ein Zug einfahren darf. Da der Zug in der Gegenrichtung aber auf demselben Gleis unterwegs war, kam es zu dem fatalen Zusammenstoß.

Ein Versagen der technischen Systeme hatten die Ermittler früh ausgeschlossen. Der Fahrdienstleiter hatte sich erst auf sein Aussageverweigerungsrecht berufen. Schließlich schilderte er dann doch, was sich am frühen Morgen des 9. Februar ereignet hatte.

Die Ermittler halten es für unwahrscheinlich, dass der Mann den Zusammenstoß absichtlich herbeiführte. "Es gibt keine Hinweise auf irgendeine Vorsatztat", sagte der Leiter des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd, Robert Kopp. Der Mann sei nicht betrunken gewesen und habe nach bisherigem Wissen unter keinem Einfluss von Drogen oder Medikamenten gestanden.

In Untersuchungshaft ist der Mann nicht. "Man muss nicht davon ausgehen, dass hier ein Haftgrund vorliegt", sagte Giese. Es gehe um eine fahrlässige Tat und um einen Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Haft. Auch nach der Aussage des Fahrdienstleiters gehen die Ermittlungen weiter. Am Samstag ist die Simulationsfahrt von zwei Zügen auf der Strecke geplant. Die Ermittler versprechen sich davon wertvolle Erkenntnisse.

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Erstellt:
17. Februar 2016, 08:30 Uhr
Aktualisiert:
17. Februar 2016, 08:30 Uhr
zuletzt aktualisiert: 17. Februar 2016, 08:30 Uhr

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