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Furcht frisst Feierlaune
Kontrolle mit Körperkontakt: Andreas Wahr überprüft einen Besucher des Heilbronner Volksfestes. Foto: Hans Georg Frank
Heilbronner Volksfest leidet unter gravierendem Besucherrückgang

Furcht frisst Feierlaune

Die Angst vor Anschlägen wirkte sich auf das Heilbronner Volksfest aus. Auf den Rummelplatz kamen etwa 50 000 Besucher weniger als früher.

08.08.2016
  • HANS GEORG FRANK

Karl Maier (49), Chef der Stuttgarter Firma Göckelesmaier, spricht beim Blick zurück von einem „äußerst friedlichen Fest, wie in den letzten Jahren auch“. Es habe keinerlei Schwierigkeiten gegeben, „die am familiären Charakter etwas geändert hätten“. Doch das 90. Heilbronner Volksfest, dessen Organisation Maier übernommen hatte, musste sich behaupten in einer Zeit der Angst vor Anschlägen. Das subjektive Gefühl ungenügender Sicherheit hat sich allem Anschein nach auf den Besuch des Rummelplatzes gravierend ausgewirkt. Gegenüber früheren Jahren, als 250 000 Gäste auf die Theresienwiese strömten, kamen in den letzten zehn Tagen etwa 50 000 weniger.

Mindesten an einem Abend war Regen Schuld am leeren Zelt. Maier sieht deshalb in der diffusen Furcht vor dem Terror nicht den einzigen Grund für den Rückgang, „aber geholfen hat sie sicher nicht“. Die allgemeine Stimmung nach diversen Attentaten habe das Freizeitverhalten beeinflusst. „Die ganze Gemengelage war nicht optimal für uns.“ Verschärfend kam eine Bombendrohung hinzu (siehe Info).

Festwirt Maier hatte seine Security-Truppe vorsorglich um 20 Prozent aufgestockt. Zu den schwarz gekleideten Aufpassern gehörte Andreas Wahr aus Balingen, der vor dem Bierzelt in Taschen schaute und Männer abtastete. „Einige Messer und Pfefferspray“ habe er gefunden, sagte er. Die meisten Besucher kamen schon mit ausgebreiteten Armen zur einfacheren Kontrolle auf ihn zu. „Die Leute wollen einfach feiern“, meinte Wahr.

Die Festfreude konnte auch nicht getrübt werden durch einen „polizeibekannten Spinner“, wie Maier sagte, der mit einem Beil ins Bierzelt wollte. Der unerwünschte Gast wurde am Eingang gestoppt.

Die peniblen Überprüfungen begannen erst am Abend. Am Nachmittag war davon auf dem gesamten Rummelplatz nichts zu merken. Da nahm niemand von einem jungen Mann mit Rucksack auch nur ansatzweise Notiz, wie ein Test ergab.

Die Polizei hatte neben dem Festgelände erstmals eine „mobile Wache“ eingerichtet – einen Transporter, der auch als weithin sichtbares Signal verstanden werden sollte. Früher kamen uniformierte Beamte meist nur abends, jetzt waren sie während des gesamten Festes präsent. „Das hat sich bewährt“, sagte Revierchef Thomas Nürnberger der SÜDWEST PRESSE.

In so genannter Halbgruppenstärke sei die Theresienwiese bestreift worden, damit sind vier Polizisten gemeint. Bei ihren Patrouillen seien sie durchweg auf positive Resonanz gestoßen: „Die Leute reagierten freundlich, selbst bei Kontrollen.“ Es sei „eine höhere Sensibilität“ bei den Besuchern festzustellen gewesen. Wenn jemandem ein Messer verdächtig vorkam, meldete er dies den staatlichen Wachleuten. Besondere Vorkommnisse seien nicht zu melden, allenfalls vereinzelte Diebstähle von Geldbörsen.

Nürnberger geht davon aus, dass beim Volksfest im nächsten Jahr wieder eine „mobile Wache“ vorfahren wird: „Denn die Situation wird sich wohl nicht entspannen.“

Der Göckelesmaier-Tross zieht nun auf den Cannstatter Wasen. „Wir hoffen, dass wir verschont bleiben von Störfeuern“, sagte Karl Maier gestern. Die Reservierungen lassen auf gute Geschäfte schließen. An zwölf von 17 Tagen sei sein Zelt bereits ausgebucht, Stornierungen gebe es bisher nicht: „Niemand hat sich von der allgemeinen Lage abschrecken lassen.“ Allerdings ist sich der Fest-Unternehmer auch bewusst, dass sich dies schnell ändern kann: „Wenn vorher etwas passiert, können natürlich die Leute sagen, wir fahren nicht hin.“

Die wirtschaftliche Auswirkung wäre fatal. In Heilbronn seien zehn bis 15 Prozent weniger in der Kasse zwar „ärgerlich“, auf dem Cannstatter Wasen dagegen entspreche eine solche Quote dem kompletten Umsatz auf der Theresienwiese.

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08.08.2016, 06:00 Uhr
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