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Arbogast kramt die Doors raus

Fulminante Eröffnung der Tübinger Jazz- und Klassik-Tage im LTT

Die 17. Tübinger Jazz- und Klassik-Tage sind eröffnet: Das fulminante Konzert des Jazz-Ensembles Baden-Württemberg am Samstag im großen Saal des Landestheaters war rockiger Auftakt. Mit Hits von den Doors.

18.10.2015
  • Michael Sturm

Tübingen. Die Tübinger Jazz- und Klassik-Tage haben sich nicht nur etabliert, sie legen ein besonderes Flair über die Stadt und reichen mittlerweile darüber hinaus. Das Präludium fand bereits am Freitag statt: Erstmals wurde die Hechinger Synagoge als Auftrittsort einbezogen. Dort gab es Kammermusik mit Klarinettist Raphael Schenkel und dem Amaryllis-Quartett.

In Tübingen selbst ging es bereits am Samstagvormittag in der Innenstadt mit Musik los, unter dem Motto „Beswingt Einkaufen“. Elf Tübinger Läden boten Auftrittsflächen für Musiker. Von dieser Kombination profitierten Läden, die etwas abseits liegen. Wie das Schmuckatelier Fassungslos in der Froschgasse, wo Herr Peters und der Udo konzertierten. „Touristen verirren sich eher nicht zu uns“, sagte Ulli Rassmann, zusammen mit Gisela Vollmer Inhaberin des Geschäfts. Die Jazz- und Klassik-Tage sei die einzige Tübiger Veranstaltung, die wirklich einen Zulauf bringe. Viele Gesichter, die den beiden Betreiberinnen bis dahin unbekannt waren, zog es aufgrund der Musik ins Fassungslos. Etwa als dort die Louisiana Funky Butts auf ihrem Zug durch die Altstadt Station machten und einen Schwung an Publikum mitbrachten. Bei den Gästen kam der extra entworfene Musikschmuck gut an. Etwa der „mit-swingende“ Ohrschmuck aus alten Klarinetten-Klappen.

Sven Gormsen und Martin Trostel, die beiden führenden Köpfe der Jazz- und Klassik-Tage, betonten bei der Eröffnung des Konzertabends im LTT, dass ein starkes Team hinter ihnen stehe. Man stemme die Veranstaltungsreihe außerdem mit Hilfe der Sponsoren und der 50 Veranstalter. Zudem trage die Stadt Tübingen rund ein Drittel der Kosten. Christine Arbogast, Erste Bürgermeisterin Tübingens, sagte in ihrem Grußwort, man wolle auf die große Bandbreite der hiesigen Jazzlandschaft aufmerksam machen. Sie verwies auf Kategorien wie „U 21“, „Neue Töne“ und die „Kids Days“, mit denen man den musikalischen Nachwuchs fördere und Kinder an Musik heranbringen wolle.

Mit seinem aktuellen Programm „The Doors – Without Words“ traf das Jazz-Ensemble Baden-Württemberg einen besonderen Nerv der Ersten Bürgermeisterin: Nachmittags, so Arbogast, habe sie ihre alten Doors-Platten herausgekramt und sich mit Stücken wie „Alabama Song“, „The End“ und ihrem Lieblingsstück „People Are Strange“ Erinnerungen an ihre Jugendzeit zurück geholt.

The Doors waren eine der populärsten Rockbands der späten 1960er Jahre und weit darüber hinaus. Einige Stücke gelten bis heute als Ikonen des Genres. Die Zuhörer des Auftaktkonzerts warteten gespannt, wie sich diese Stücke als Jazz-Arrangements wohl anhören würden. Mit einer Ausnahme wurden alle Stücke von Nicolai Thärichen, einem Arrangeur außerhalb des Ensembles, bearbeitet. Einen schönen Verweis auf das Original boten zudem die geschmackvoll gestalteten Plakate und CD‘s der Produktion – Echsenhautmuster und der Echsenkopf stehen für die Selbstbezeichnung des Doors-Sängers Jim Morrison als „Lizard King“ – König der Echsen.

Die Stücke ohne die markanten Texte Morrisons zu interpretieren, sei die besondere Herausforderung gewesen, sagte Peter Lehel, neben Thomas Siffling Kopf des Ensembles. Das Auftaktstück „Waiting for the Sun“ deutete an, wohin die Reise ging: Das Ensemble orientierte sich in erster Linie an Sounds, die im Jazz und Rock der 1970er Jahre aufgekommen waren. Da verband sich die wabernde Orgel von Jo Bartmes mit dem schönen Bottleneck-Einsatz von Gitarrist Jo Ambros, dem muskulären Bass von Dirk Blümlein und den filigranen Spiel von Schlagzeuger Christian Huber. Getoppt wurde das Ganze vom druckvollen, vierstimmigen Bläsersatz – aus Lehel (Alt- und Sopran-Saxofon), Siffling (Trompete), Uli Röser (Posaune) und Sebastian Nagler (Bariton-Saxofon) – jeder Einzelne ein herausragender Solist.

Bei „Break On Through“, mit fettem „Straßen von San Tübingen“-Sound ausgekleidet, war das Ensemble am weitesten von allen Stücken vom Original weg. Doch es groovte so sehr, dass die Sitze im großen Saal des LTT litten – man musste sich einfach bewegen. Die Tübingerin Johanna Pabst war die einzige im Saal, die es wagte zu tanzen. „Light my Fire“, mit spitzen Bläser-Stakkati, erkannte man dagegen trotz harter Jazzrock-Ummantelung sofort.

Aus den Gesprächsfetzen in der Pause war herauszuhören, dass „Riders On The Storm“ von vielen im Publikum mit besonderer Spannung erwartet wurde. Im glockigen Piano-Intro lag kein Unterschied zum Original, jedoch im Metrum: Ein Elf-Achtel-Takt ließ das Stück entspannt dahin schaukeln und Lehels Saxofon-Solo war ein Genuss für sich.

Überraschend, fast wohltuend anders klangen auch „When The Music‘s Over“ (die Musiker bauten eine Reggae-Passage ein), „The End“ (im Vergleich zur Doors-Version meditativ und versöhnlich interpretiert) und das fulminante Finale „Touch Me“, dessen Fülle ein gutes Stück über das auch nicht gerade schwachbrüstige Original hinausreichte. Eine Zugabe hatte das Ensemble noch dabei, „Love Her Madly“ in einer Calypso-Version. Stark. Einfach nur stark. Die Jazz- und Klassik-Tage hätten nicht besser beginnen können.

Fulminante Eröffnung der Tübinger Jazz- und Klassik-Tage im LTT
Das Jazz-Ensemble Baden-Württemberg eröffnete die Tübinger Jazz- und Klassik-Tage 2015 im Großen Saal des LTT. Von links: Jo Bartmes, Jo Ambros, Dirk Blümlein, Christian Huber, Peter Lehel, Thomas Siffling, Uli Röser und Sebastian Nagler.Bild: Sommer

Fulminante Eröffnung der Tübinger Jazz- und Klassik-Tage im LTT
Das Trio des Bassisten Sandro Gulino spielte im Primer Coffee Shop. Bild: Sturm

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18.10.2015, 12:00 Uhr
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