Nach der Bürger-App-Umfrage

Tendenz im Rat für neues Hallenbad und Saal

Die meisten Fraktionen im Tübinger Gemeinderat sehen die bisherigen Pläne durch die Umfrage bestätigt. OB Boris Palmer hat umgedacht.

29.03.2019

Von Gernot Stegert

Wird aus dem Uhlandbad in Tübingen ein Foyer für einen Konzertsaal und ein eigener Veranstaltungsraum? Bild: Ulrich Metz

Eine Abstimmung hat der Tübinger Gemeinderat vertagt. Noch ist nicht für alle Fraktionen klar, welche Schlüsse sie aus den Ergebnissen der ersten Umfrage mit der neuen Tübinger Bürger-App zu Hallenbädern und zu einem Konzertsaal ziehen sollen. Wahrscheinlich wird erst der neue Gemeinderat nach den Kommunalwahlen am 26. Mai entscheiden. Doch die zwei Stunden dauernde Aussprache am Donnerstagabend ließ Mehrheiten in einigen Punkten erkennen:

Fast 80 Prozent für ein neues Hallenbad sind ein klares Votum. Sie untermauern die bisherige Linie des Gemeinderats, mehr Schwimmflächen zu schaffen – für Kleinkinder und Schüler, für Sportschwimmer, Kranke, Ältere oder Badende.

54 Prozent für ein 50-Meter-Becken sind ein Anlass, dies gründlich zu prüfen. Etliche Stadträte sind für diese große Variante.

Dass die Hälfte die Schließung des Uhlandbads akzeptiert, wenn ein neues Bad gebaut wird, wurde als Einsicht in die wirtschaftliche Notwendigkeit gedeutet. Drei Bäder seien nicht zu bezahlen.

54 Prozent für einen Konzertsaal werden als Votum für diesen Baustein der Kulturkonzeption gewertet.

Dass fast die Hälfte sich einen Konzertsaal beim Uhlandbad als Nachnutzung vorstellen kann, nehmen die meisten Fraktionen als Prüfauftrag für die Verwaltung. Zugleich betonen sie, dass bei der Qualität des Saals keine faulen Kompromisse gemacht werden dürften.

Das Ergebnis der Bürger-App-Abstimmung zu Uhlandbad, neuem Hallenbad und Konzertsaal. Screenshots: Brieschke/Schweizer

Für AL/Grüne sagte Christian Mickeler: „Wir sollten uns keine drei Bäder leisten.“ Seine Fraktion sei für ein neues Südbad und die „ernsthafte Prüfung“ des Uhlandbads als Standort für einen Konzertsaal, „trotz aller Wenn und Abers“. Beim 50-Meter-Becken sei die Meinung der größten Fraktion „fifty-fifty“. Ein Sondervotum gab Bernd-Rüdiger Paul ab, der sich für das Uhlandbad engagiert. Es solle Bad bleiben.

Keine Kompromisse beim Konzertsaal

Die CDU-Fraktion ist auch gegen drei Bäder. Der Vorsitzende Rudi Hurlebaus sagte: „Eine große Mehrheit will ein neues Hallenbad.“ Ein eindeutiges Ergebnis zeige sich auch beim 50-Meter-Becken. Die CDU sei dafür, auch weil Tübingen wächst. Das Uhlandbad sei für den Gesundheitssport keineswegs optimal. Ob es für einen Konzertsaal geeignet ist, müsse geprüft werden. Hurlebaus zeigte sich skeptisch. Die Akustik müsse stimmen. „Wir wollen keine Kompromisse bei der Qualität.“ Auch bei der CDU gab es ein Sondervotum für das Uhlandbad. Ingrid Fischer setzte sich dafür ein und kritisierte die Umfrage.

Neues Bad mit 50-Meter-Becken?

Martin Sökler (SPD) hielt fest: „Beide Vorhaben, neues Hallenbad und Konzertsaal, werden von einer Mehrheit unterstützt.“ Er lobte den Realismus der Antwortenden bei der Frage, ob das Uhlandbad schließen dürfe, wenn ein neues Bad gebaut werde. Das enge Ergebnis bei der Frage nach dem Konzertsaal als Nachnutzung deutete er als Skepsis und Mahnung, bei der Qualität keinen „faulen Kompromiss“ einzugehen: Akustik, Platz, Bühne – „alles muss passen“. Bei der Beckenlänge sei die SPD für 50 Meter.

Drei Bäder nicht finanzierbar

Ernst Gumrich (Tübinger Liste) sagte, drei Bäder seien nicht finanzierbar.. Die Mehrheit habe das bedacht. Auch er warnte vor „falschen Kompromissen“ beim Konzertsaal. Gerlinde Strasdeit (Linke) sprach sich als einzige für drei Bäder aus. Die Kosten waren für sie kein Argument. Dietmar Schöning (FDP) wollte mit der Einschätzung und Bewertung der Umfrage-Ergebnisse noch warten. Er erinnerte lediglich daran, dass der Standort wirklich für einen Konzertsaal geeignet sein müsse.

Der OB denkt um

Oberbürgermeister Boris Palmer nahm die Ergebnisse der Umfrage so ernst, dass er teils Positionen veränderte. Vor einem Jahr habe er kein neues Hallenbad gewollt. Jetzt sehe er, dass 80 Prozent es wollen. „Ich revidiere meine Meinung.“ Zweifel hatte er, ob nicht nur Bildungsbürger für einen Konzertsaal sind. Jetzt seien diese ausgeräumt: „Das Geld für den Konzertsaal ist gut angelegt.“ Dass eine Mehrheit die Schließung des Uhlandbads akzeptiert, habe ihn positiv überrascht. Sein Schluss: Die Zwei-Bäder-Konzeption ist richtig. Auch die Prüfung einer Nachnutzung als Konzertsaal werde bestätigt. Damit will der OB auch ohne Gemeinderatsbeschluss beginnen. Schließlich lehnt er nach der Umfrage ein 50-Meter-Becken nicht mehr ab. Er wolle es jetzt prüfen lassen, sagte er.

Ein Mittel der Bürgerbeteiligung, nicht mehr

Die meiste Zeit diskutierte der Gemeinderat über die Bürger-App. Für Gerlinde Strasdeit (Linke) „gefährdet sie die Demokratie“. Andere wie Ingrid Fischer (CDU) bemängelten, dass wenig Ältere mitgemacht haben und dass die Umfrage nicht repräsentativ sei. Das sei auch gar nicht der Anspruch, erklärte OB Boris Palmer. Wahlen seien es auch nicht. Christian Mickeler (AL/Grüne) sprach vom „Experiment“ und „hilfreichen Instrument“. Martin Sökler (SPD) freute sich: „Es hat funktioniert. Wir haben ein Instrument, das uns einen Ratschlag geben kann.“ 12.000 Teilnehmer seien deutlich mehr als 300 Menschen in der Hepperhalle. Für Ernst Gumrich (Tübinger Liste) ist weniger das Ergebnis, als die feststellbare Mobilisierung von Bürgern, vor allem jungen, für Kommunalpolitik wichtig. 55 Prozent der 16- bis 20-Jährigen in Tübingen haben mitgemacht. Die Fraktionen waren sich einig, dass die Beteiligung in allen Altersgruppen erhöht werden soll und noch verständlichere Anschreiben und Erklärungen zur Briefbeteiligung erfolgen sollen.

Zum Dossier: Uhlandbad

Zum Artikel

Erstellt:
29. März 2019, 01:00 Uhr
Aktualisiert:
29. März 2019, 01:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 29. März 2019, 01:00 Uhr

Artikel empfehlen

Artikel Aktionen

Sie möchten diesen Inhalt nutzen? Bitte beachten Sie unsere Hinweise zur Lizenzierung.

Push aufs Handy

Die wichtigsten Nachrichten direkt aufs Smartphone: Installieren Sie die Tagblatt-App für iOS oder für Android und erhalten Sie Push-Meldungen über die wichtigsten Ereignisse und interessantesten Themen aus der Region Tübingen.

Newsletter

Um unsere Newsletter zu erhalten, müssen Sie sich anmelden oder als Benutzer kostenlos neu registrieren. Ihre Daten werden ausschließlich für die Newsletter verwendet - nur falls Sie auch weitere Angebote des Verlags Schwäbisches Tagblatt wählen, auch für diese.
Das Tagblatt in den Sozialen Netzen
Facebook Sport      Faceboook      Instagram      Twitter      Tagblatt-App