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Pop

Für lebenslange Ehrerbietung

Über den australischen Musiker Nick Cave erscheinen jetzt eine Graphic Novel und ein Kunstbuch.

19.09.2017
  • CLAUDIA REICHERTER

Ulm. Wer Nick Cave je live erlebt hat, wird ihn nicht mehr vergessen. Wie er, treu umsorgt und getragen von seiner Band The Bad Seeds am Klavier sitzt und seine Noten mit den verschiedenfarbigen Notiz-Streifen zwischen den Songs hin- und her-, vor- und zurücksortiert. Wie er divenhaft fern wirkt, konzentriert erstmal direkt aufs Instrument zusteuert und dort über die gesungenen und musikalisch verräumten Geschichten hinaus wenig kommunikativ sitzen bleibt – und am Ende doch noch an den Bühnenrand zum Publikum vorgeht und spürbar berührt Hände schüttelt.

Viele müssen den (ungeheuer produktiven) Australier nicht mal live erlebt haben, um ihn unvergesslich zu finden. Einmal das mit einem Filmtitel spielende „From Her To Eternity“ (1984), „Mercy Seat“ (1988), sein morbide-schönes Duett mit Kollegin Kylie Minogue „Where The Wild Roses Grow“ (1996) oder Neueres von „Push The Sky Away“ (2013) oder „The Skeleton Tree“ (2016) gehört zu haben, reicht schon aus. Für lebenslange Ehrerbietung.

Nick Cave ist nicht nur Musiker, Dichter, Schriftsteller, Schauspieler (unter anderem 1987 in Wim Wenders' „Der Himmel über Berlin“ und 2007 in „Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford“) und Drehbuchautor, sondern auch der letzte Gentleman-Punker und bei aller rockstarhaften, drogenschwangeren Überdrehtheit seiner Biografie eine Pop-Ikone, auf die sich ein weiter Kreis an Musikliebhabern einigen kann: vom Chanson- über den Jazz-, Rock'n'Roll und Blues-Aficionado bis zum Indie- oder Dark- Wave-Fan und Punk.

Und kurz vor seinem 60. Geburtstag jetzt am Freitag ist Nick Cave nun auch Gegenstand einer Graphic Novel und eines Kunstbuchs. Beide Bände, „Nick Cave – Mercy On Me“ und „Nick Cave & The Bad Seeds – ein Artbook“ sind von Reinhard Kleist, seit seiner gezeichneten Johnny-Cash-Biografie „I See A Darkness“ (2006) und der ergreifenden Flüchtlings-Bilder-Reportage „Der Traum von Olympia“ (2015) einer der weltweit bekanntesten und angesehensten Illustratoren-Erzähler Deutschlands, beide sind jüngst im Carlsen Verlag erschienen.

Kleist, Jahrgang 1970, hat Cave zur Vorbereitung mehrfach getroffen. Dass dieser seine Cash-Biografie kannte und schätzte, verhalf ihm zu dessen Zustimmung zu diesem jüngsten ambitionierten, mehrmals inhaltlich sowie stilistisch wieder über den Haufen geworfenen Projekt. Entstanden ist ein expressiv gezeichneter, in fünf Kapitel unterteilter Mix aus Caves Leben, Mythos und Werk. Claudia Reicherter

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19.09.2017, 06:00 Uhr
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