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Futuristisch mutet das Gebäude der BiL-Schule auf dem Hallschlag an. 90 Prozent der Schüler sind Migranten. Foto: Ferdinando Iannone
Bildung

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Fast jeder fünfte Schüler in Stuttgart besucht eine Privatschule. Die Eltern erhoffen sich eine individuelle Förderung. Bei manchen Einrichtungen müssen die Familien tief in die Tasche greifen.

21.11.2017
  • CAROLINE HOLOWIECKI

Stuttgart. Privatschulen boomen gerade. In genau 17,63 Prozent aller Fälle entschieden sich Stuttgarter Eltern im vergangenen Schuljahr für einen freien Träger – etwa zwei Drittel machen laut Kai Buschmann, dem Sprecher der Arbeitsgemeinschaft freier Schulen, Bekenntnisschulen aus, also entweder kirchliche oder die vier Waldorfschulen. Die Profile der weiterbildenden Schulen sind dabei höchst unterschiedlich.

International An der Internationalen Schule Stuttgart lernen, verteilt auf die Standorte Degerloch und Sindelfingen, rund 820 Schüler aus 45 Staaten nach dem Lehrplan des International Baccalaureate Diploma. Die Eltern arbeiten im Schnitt drei Jahre bei den großen Unternehmen, oft zahlen sie Schulgeld von bis zu 16 000 Euro im Jahr an den Trägerverein. Die Unterrichtssprache ist Englisch, viele Klassen haben Wartelisten. „Wir sehen uns auch als Standortfaktor“, sagt der Aufnahmeleiter Matthias Krusch. Eine internationale, aber bilinguale Schule gibt es in Fellbach: die Swiss International School. Sie wurde 2008 gegründet, und „wir wachsen jedes Jahr“, betont Charlotte Holzapfel, die Sekretärin. Aktuell lernen 360 Kinder auf Englisch und Deutsch. Das gefällt zunehmend auch Einheimischen aus Stuttgart und Umgebung. Träger ist laut Holzapfel die Minerva-Schulgruppe, die mit dem Klett-Verlag verbunden ist. Die Betreuung im Gymnasium kostet im Monat 600 Euro und mehr.

Sportlich Die Merz-Schule, an die eine Kita, ein Internat und eine Fachhochschule angeschlossen sind, ist „Eliteschule des Sports“ und Partner des Olympia-Stützpunkts Stuttgart. Ballsportarten, Schwimmen, Kampfsport und mehr werden gefördert, in Tennis und Hockey kann man auch Abitur machen. Ebenso legt die Schule, die 1918 vom Senator Albrecht Leo Merz gegründet wurde und bis heute in der Hand des Familien-Bildungswerks ist, Wert auf die musische und künstlerische Ausbildung, so Schulleiter Konstantin Merz. 2014 wurde sein Haus zudem zur DELF-Prüfungsschule zertifiziert. Man kann hier also ein weltweit anerkanntes Französisch-Diplom ablegen. Die derzeit 399 Gymnasiasten zahlen jeweils 415 Euro im Monat.

Alternativ Die Freie Aktive Schule ist unter anderem von Montessoris Reformpädagogik inspiriert und hat zum Ziel, Kinder eigenverantwortlich aufwachsen zu lassen. In den Ex-Asylhäusern in Degerloch sind Noten oder Klassenarbeiten laut Geschäftsführerin Gabriele Groß „völlig kontraindiziert“, stattdessen wird auf Eigenmotivation gesetzt, um dann schulfremd den Werkrealschulabschluss abzulegen. 120 Kinder lernen so. Die Eltern sind nicht selten vom traditionellen Schulsystem enttäuscht, nehmen auch Wege aus Schorndorf oder Münsingen auf sich und zahlen 200 Euro Schulgeld im Monat an den Trägerverein.

Auch die Waldschule Degerloch setzt nach Montessori auf Selbstverantwortung, ist aber klassischer angelegt. Laut dem Leiter Kai Buschmann ist die älteste Ganztagsschule (seit 1952) der Stadt durch den Verbund von Realschule und Gymnasium bei „Kippkindern“ beliebt, bei denen nicht klar ist, welche Schulform ihnen besser liegt. 249 Euro im Monat zahlen Schüler an den Förderverein. Durch die gute U-Bahn-Anbindung kommen viele aus dem Kreis Esslingen. Die Nachfrage übertrifft die Zahl der Plätze deutlich. 668 Schüler sind's aktuell.

Naturwissenschaftlich Die mit 48 Schülern sehr kleine Ulrich-Walter-Realschule, benannt nach einem Astronauten, setzt auf eine technisch-naturwissenschaftliche Bildung und Kontakte in die regionale Wirtschaft. Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Technik werden besonders gefördert. Aufgrund der Gruppengröße von maximal 15 Schülern sei der Unterricht intensiver, erklärt der Geschäftsführer Stefan Tafferner. Auch Schüler aus Nachbarkreisen besuchen die Schule. Die Höhe des Schulgelds hängt vom Einkommen der Eltern ab. Bei einem Monatseinkommen von 2600 bis 3300 Euro sind 1200 Euro im Jahr fällig.

Integrativ In der BiL-Schule auf dem Hallschlag liegt der Migrantenanteil bei 90 Prozent, die größte Gruppe machen türkischstämmige Schüler aus dem Großraum Stuttgart aus. Die Hauptaufgabe im futuristischen Haus ist die Integration durch Bildung, erklärt Muammer Akin, einer der Gründer. „Durch erfolgreiche Vorbilder aus der zweiten, dritten Generation wollen wir auch Kinder fördern, die von daheim kaum Unterstützung haben.“ Immer wieder wird der Schule eine Nähe zur Gülen-Bewegung nachgesagt, inhaltlich treffe das aber nicht zu, sagt er: „Wir sind eine deutsche Schule, in der der baden-württembergischen Bildungsplan gilt.“ 2004 startete man mit 18 Kindern als Hausaufgabenhilfe, heute verteilen sich etwa 450 Schüler auf Grund-, Realschule und Gymnasium. Träger ist der Bildungs- und Schulverein Baden-Württemberg. Er staffelt das Schuldgeld nach dem Einkommen, im Schnitt werden laut Muammer Akin 130 Euro fällig.

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21.11.2017, 06:00 Uhr
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