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Keinen Anspruch auf Saft

Für Flüchtlinge ist Tee und Wasser vorgesehen / Tetrapaks ersetzen Pfandflaschen

Tee statt Saft – das ist die Folge davon, dass das Tübinger Unternehmen U.D.O zusätzlich zum Essen auch die Getränke liefert. Wasser gibt es jetzt in Tetrapaks statt in Flaschen.

06.10.2015
  • Gert Fleischer

Ergenzingen. Am Dienstag berichteten wir anlässlich des Besuchs zweier Bundestagsabgeordneter in der Ergenzinger Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge, dass Mineralwasser in Tetrapaks vorhanden sei, weil der Flaschennachschub nicht geklappt habe, und auch, dass es keinen Saft mehr für die Flüchtlinge gibt.

Petra Dambacher-Digeser rief gleich vormittags in der Redaktion an, um die Ehre ihres Unternehmens, der Ergenzinger Ochsenbrauerei zu retten. „Wir sind angerufen und gefragt worden, ‚Lasst Ihr eure Flüchtlinge verdursten?’“ Die Ochsenbrauerei Digeser hatte gleich in der ersten Nacht vor drei Wochen, als mehrere Hundert Flüchtlinge so überraschend ankamen, Mineralwasser und Saft geliefert. Sie brachte auch weiterhin die Getränke, bis das Tübinger Unternehmen U.D.O., eine Tochter des Universitätsklinikums, die tägliche Versorgung der Flüchtlinge mit Essen übertragen bekam. „Die Flaschenlieferung hat immer geklappt“, sagte Dambacher-Digeser.

U.D.O. hätte, wie sie berichtete, die Getränke durchaus weiterhin von der Ochsenbrauerei genommen. Abgesehen davon, dass mit einem Unternehmen mehr in der Kette die Getränke fürs Land teurer geworden wären – Dambacher-Digeser: „Wir möchten ja auch was verdienen“ –, gab es strukturelle Schwierigkeiten: das Flaschenpfand.

Der Getränkevertrieb Ochsenbrauerei bekam nur einen Teil der gelieferten Pfandflaschen zurück. Etliche leere Flaschen landeten in den Abfallbehältern, viele verschwanden ganz. Vermutlich brachten Flüchtlinge sie weg, um sich vom Pfand ein paar Cent und Euro zu verdienen. Diesen Pfandverlust müsste das Regierungspräsidium dem Lieferanten als Vertragspartner ersetzen.

Nicht ganz nebensächlich: Glasflaschen bergen eine gewisse Gefahr, wenn so viele Menschen eng miteinander leben, wie sie es in der Ergenzinger Flüchtlingsaufnahmestelle tun müssen. Zudem wollen die Flüchtlinge kein Wasser mit Kohlensäure, wie die Ochsenbrauerei feststellte. Das seien sie aus ihren Herkunftsländern nicht gewöhnt. Stilles Wasser, abgefüllt in weniger gefährdenden Pet-Flaschen, habe die Ochsenbrauerei aber nur als Heilwasser. Das wäre zu teuer. U.D.O. habe hingegen Verbindungen zu Lieferanten, die Wasser in Tetrapaks liefern. So kam es dazu, dass die Ergenzinger raus waren aus dem Geschäft mit dem Wasser.

Unbekannt war am Montag auch, weshalb die Flüchtlinge keinen Saft mehr erhalten. Einer der Gesprächsbeteiligten meinte, ohne es selbst glauben zu wollen, es könnte als eine Art Abschreckung gedacht sein.

Auch die Änderung beim Saft hängt zumindest zeitlich mit U.D.O. zusammen. Führende Vertreter des Unternehmens, das 750 Leute beschäftigt und außer in der Verpflegung auch in Gebäudereinigung und Logistik tätig ist, sprachen am Dienstag mit Vertretern des RP. Danach hieß es, Auskunft gebe nur die Behörde. Dort wartete die Pressestelle auf Auskunft von dem, der am Gespräch teilgenommen hatte. Der sei freilich wiederum gefordert, um einige Verlegungen von Flüchtlingen im Regierungsbezirk zu organisieren. Also bekamen wir keine Auskunft mehr.

Daniela Hüttig, Pressesprecherin beim RP, informierte deshalb aus ihrer Grundkenntnis zum Thema. Es gebe, was die Verpflegung der Flüchtlinge angehe, strenge, genau definierte Regelungen. Landesweit sei verbindlich, wie die Speisepläne aufzustellen sind. Diese Regeln sähen als Getränk Wasser und Tee vor, nicht aber Saft. „Soweit ich weiß, gibt es in unserem Regierungsbezirk nirgends Saft“, sagte Hüttig. Möglicherweise sei aus Gründen der Gleichbehandlung die Lieferung von Saft an die Ergenzinger Flüchtlingsunterkunft gestoppt worden.

Babys und Kinder könnten trotzdem ordentlich ernährt werden. Es gebe Obst und spezielle Babynahrung. Zur Unzufriedenheit der Muslime mit dem Essen in Ergenzingen sagte Hüttig: „U.D.O. ist ein großer Caterer. Es gibt im Klinikum viele Patienten, die ausschließlich muslimische Kost bekommen. Das Unternehmen ist auf sowas eigentlich gut eingestellt.“

Lob zollte Daniela Hüttig der Ochsenbrauerei: „Die haben einen Rieseneinsatz gebracht. Das war eine tolle Leistung.“

Die hochschwangere Frau unter den Flüchtlingen in Ergenzingen, die diese Woche ihr Kind erwartet, wurde am Dienstag mit ihrem Mann in die Landeserstaufnahmestelle Sigmaringen gebracht. Das sagte Bruno Gross, Geschäftsführer des DRK Kreis Tübingen. In Sigmaringen sei das Krankenhaus in unmittelbarer Nähe. Auch sonst seien die Umstände besser als in der Aufnahmestelle Ergenzingen, die buchstäblich über Nacht in einer leerstehenden Fabrikhalle eingerichtet wurde und wo es deshalb noch an manchen Strukturen mangelt.

Für eine andere Schwangere und ihren Mann will Gross mit Hilfe eines Dolmetschers ebenfalls eine Lösung suchen. Die Frau hat bereits ein kleines Kind. Sie verweigere die Nahrungsaufnahme, sagte Gross am Montag den beiden Bundestagsabgeordneten Christian Kühn und Beate Müller-Gemekke. Der Mann der Schwangeren sei depressiv. „Da greifen unsere Geschichten nicht so richtig“, sagte Gross. Soll heißen: Eine psychologische oder psychotherapeutische Versorgung für solche Fälle fehlt.
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06.10.2015, 12:00 Uhr
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