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Altersversorgung

Frührente beliebt und teuer

Viele Senioren nutzen die Möglichkeit, mit 63 ohne Abschläge in Ruhestand zu gehen. Die finanziellen Folgen für den Staat sind erheblich.

27.02.2018

Von DIETER KELLER

Mehr als 1 Million Arbeitnehmer sind seit 2014 früher in Rente gegangen. Foto: ©Koldunov/Shutterstock Foto: ©Koldunov/Shutterstock.com

Berlin. Die Rente mit 63 ist sehr beliebt: Seit ihrer Einführung Mitte 2014 haben fast 1 Mio. Senioren den Antrag gestellt, vorzeitig ohne Abschläge in Rente zu gehen. Bis zum Jahr 2020 dürfte das die Rentenkassen 12,5 Mrd. EUR kosten, zu denen der Bund nichts beisteuert. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Markus Kurth hervor.

Den Unternehmen gingen in erheblichem Umfang Arbeitskräfte verloren: In den Jahren 2014 bis 2016 nahmen insgesamt 650?000 Senioren die abschlagsfreie Rente in Anspruch. Davon waren fast zwei Drittel Männer. Für 2017 liegen noch keine Zahlen vor.

Die letzte große Koalition hatte auf Betreiben der SPD diese Möglichkeit geschaffen: Seit 1. Juli 2014 kann schon mit 63 Jahren Rente ohne Abzüge beziehen, wer mindestens 45 Jahre lang Beiträge gezahlt hat. Wer nicht auf so viele Arbeitsjahre kommt, kann zwar auch mit 63 in Rente gehen, aber sie wird für jeden Monat des vorzeitigen Bezugs dauerhaft um 0,3 Prozent gekürzt.

Die Konsequenzen zeigt ein Blick auf den Jahrgang 1955, der in diesem Jahr 63 wird. Er erreicht die normale Altersgrenze erst mit 65 Jahren und 8 Monaten. Wer schon mit 63 in Rente geht, bekommt dauerhaft 9,6 Prozent weniger. Wer mindestens 45 Berufsjahre hat, kann bereits mit 63 Jahren und 6 Monaten Rente ohne Abschläge erhalten. Die Altersgrenze wird auch bei der abschlagsfreien Variante stufenweise angehoben. Der Rentenversicherung entstehen trotzdem erhebliche Mehrkosten. Die Schätzung, dass von 2014 bis 2020 insgesamt 12,5 Mrd. EUR zusammenkommen, hält die Bundesregierung immer noch für richtig. Auch im Jahr 2030 rechnet sie noch mit jährlich 3,1 Mrd. EUR.

Die Belastung der Rentenkassen ist besonders problematisch, da ebenfalls ab 1. Juli 2014 die Mütterrente verdoppelt wurde. Kosten pro Jahr: rund 7 Mrd. EUR. Das gesamte Rentenpaket der letzten großen Koalition von 2013 bis 2017 war nach der Rechnung von Kurth 31,3 Mrd. EUR schwer. In dieser Legislaturperiode kommen vermutlich 33,7 Mrd. EUR dazu – und das ohne neue Leistungen, wie die weitere Erhöhung der Mütterrente ab drei Kindern, die geplant sind. Dem stehen nur 2 Mrd. EUR Steuerzuschuss von 2019 bis 2021 gegenüber. Der Großteil geht also zu Lasten der Beitragszahler.

Kurth, der rentenpolitischer Sprecher der Grünen ist, gönnt zwar jedem nach 45 Arbeitsjahren eine anständige Rente. Er hält aber das „pauschale Aussteigermodell Rente ab 63“ für die falsche Antwort in einer differenzierten Arbeitswelt. Die Rentenkasse verliere Beiträge und der Arbeitsmarkt Fachkräfte.

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Erstellt:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
27. Februar 2018, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. Februar 2018, 06:00 Uhr

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