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Leitartikel Olympia

Freude und Frust

Deutschland kann sich glücklich schätzen. Es hat wahrhaft das Beste aus den Olympischen Winterspielen in Pyeongchang gemacht. Abseits politischer und sportpolitischer Turbulenzen glänzte „Team D“ mit ebenso erfolgreichen wie sympathischen Auftritten.

26.02.2018
  • MANUELA HARANT

Pyeongchang. Die deutsche Mannschaft hat zudem mit sportartübergreifender Unterstützung gezeigt, was den olympischen Geist eigentlich ausmacht. Dass allerdings ausgerechnet der sportliche Schlusspunkt der Spiele „Deutschland gegen Russland“ – pardon, OAR – hieß, verdeutlichte zugleich das größte Problem dieser Spiele.

Ob man nun mit Fair Play glänzt oder nicht – sportpolitisch macht es keinen großen Unterschied. Dass es die Russen wenig interessiert, mit welcher Teamkleidung oder Flagge sie auflaufen, haben sie in Pyeongchang eindrucksvoll demonstriert. Selbst zwei neue Dopingfälle brachten die Verschwörungstheorie, der Westen habe das alles erfunden, nicht ins Wanken. So bestätigen die positiven Dopingproben nur, was bisher alle befürchtet hatten: Russland schert sich nicht um den Anti-Doping-Code und macht ungeniert da weiter, wo es in Sotschi aufgehört hat.

Und das Internationale Olympische Komitee (IOC) macht indirekt fröhlich mit, indem es sich nach wie vor um eine konsequente Entscheidung drückt. Daran ändert auch die zögerliche Aufrechterhaltung des „neutralen Status“ Russlands wenig. Russland feiert sich trotzdem selbst, wo es kann, wie die Bilder vom Eishockey-Finale belegen.

Eine des systematischen Betrugs beschuldigte Nation macht bei der „Teilnahme unter Bewährung“ erneut mit dem Thema Doping Schlagzeilen – schlimmer geht es nicht. Doch statt die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen, steht das IOC vor seinem größten Problem wie das Kaninchen vor der Schlange. Nach der Ohrfeige kurz vor den Spielen durch das Urteil des Sportgerichtshofs Cas, das lebenslang ausgeschlossene Sportler zurück in die olympische Familie holte, nun der nächste Nackenschlag für die Glaubwürdigkeit des Sports.

Geht nach den Spielen also alles weiter wie bisher? Das ist auch angesichts der Forderungen anderer Nationen, darunter Deutschland, schwer vorstellbar. Wenn „Team D“ den Fair-Play-Gedanken in aller Konsequenz ausleben möchte, muss es sich mit aller Macht gegen die stellen, die die olympische Charta mit Füßen treten. Und zwar nicht nur mit Worten, sondern auch mit dem Mut, russische Veranstaltungen zu meiden.

Dass sportpolitisches Engagement manches Mal belohnt wird, zeigten diese Spiele schließlich auch: Unter dem olympischen Schutz herrscht endlich wieder Tauwetter zwischen Nord- und Südkorea. Wenn dieses zarte Pflänzchen der Hoffnung tatsächlich Triebe entwickelt und aus sportpolitischen politische Gespräche werden, dann wäre es die bislang größte Errungenschaft der olympischen Bewegung in Sachen Friedensentwicklung. So oder so: Niemand kann sagen, die XXIII. Olympischen Winterspiele seien beliebige gewesen.

leitartikel@swp.de

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26.02.2018, 06:00 Uhr
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