Schule

„Freiwillig darf natürlich jeder“

Baden-Württemberg lehnt eine Maskenpflicht im Unterricht weiter ab. Doch der Gegenwind ist bereits zu spüren.

08.08.2020

Von LSW

Maskenpflicht im Unterricht? Im Land bisher ncht vorgesehen. Foto: Sven Hoppe/dpa

Stuttgart. Auch nach den Sommerferien wird es in baden-württembergischen Schulen keine Maskenpflicht im Klassenraum geben. „Ich halte aus pädagogischen Gründen wenig von einer Maskenpflicht im Unterricht“, sagte Kultusministerin Susanne Eisenmann. Gerade im Unterricht sei es wichtig, klar kommunizieren zu können. „Stellen Sie sich zum Beispiel mal den Französischunterricht mit Maske vor, das ist schon schwierig“, sagte sie.

Baden-Württemberg plant nach den Sommerferien ab Klasse fünf und an den weiterführenden Schulen nur eine Maskenpflicht auf Begegnungsflächen wie Schulfluren, Aula und Toiletten. „Freiwillig darf natürlich jeder eine Maske auch im Unterricht tragen – Schüler wie Lehrer“, sagte Eisenmann. An Grundschulen sind Masken auch nach den Ferien nicht vorgeschrieben. Namhafte Virologen empfehlen dagegen, dass von der fünften Klasse an auch im Unterricht Maske getragen werden sollte, wenn nicht ausreichend Abstand möglich ist.

Eisenmann schließt allerdings nicht aus, dass die Pflicht zum Mund-Nase-Schutz an Schulen auch im Klassenraum eingeführt werden muss, wenn die Infektionszahlen weiter steigen. Es könne auch bei einem lokalen Corona-Hotspot die Maskenpflicht im Schulunterricht angeordnet werden. Nordrhein-Westfalen hat als bisher einziges Bundesland eine Maskenpflicht auch im Unterricht angekündigt.

Sozialminister Manne Lucha (Grüne) hatte in der „Südwest Presse“ eine Pflicht im Klassenraum nicht ausgeschlossen: Gebe es Hinweise, dass durch den Unterricht ohne Maske die Zahl an Infektionen steige, müsse man über eine Maskenpflicht nachdenken, sagte er.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft forderte Eisenmann auf, die Empfehlungen der Wissenschaft umzusetzen. Bei älteren Schülerinnen und Schülern seien Masken zwar vertretbar und konsequent, weil sie eine höhere Infektiosität hätten. „Aber es ist doch nicht nachvollziehbar, dass sie im Klassenzimmer nebeneinander sitzen und miteinander sprechen – und sobald sie aus dem Zimmer rausgehen, müssen sie eine Maske aufsetzen“, sagte GEW-Landeschefin Doro Moritz.

Die Gymnasiallehrer sprechen sich dafür aus, die rund 1,3 Millionen Schüler und Lehrkräfte im Land mit Visieren auszustatten. Visiere seien zwar nicht ganz so effektiv wie Masken, verminderten aber das Ansteckungsrisiko auf etwa die Hälfte, sagte der Landesvorsitzende des Philologenverbandes, Ralf Scholl.

Der Landesschülerbeirat stärkt derweil Eisenmann den Rücken. Mit Maske lasse es sich aus rein psychologischen Gründen und gerade im heißen Sommer nicht angenehm arbeiten, sagt dessen Vorsitzender David Jung. dpa

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Erstellt:
8. August 2020, 06:00 Uhr
Aktualisiert:
8. August 2020, 06:00 Uhr
zuletzt aktualisiert: 8. August 2020, 06:00 Uhr

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