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27.04.2018

Von Dorothee Hermann

Beim 25. Festival Cinelatino gab es in Tübingen gleich drei Favoriten: Der Publikumspreis ging an den mexikanischen Film „Oso polar“ (Eisbär), zu dem sich Regisseur Marcelo Tobar, geboren 1977, vom gleichnamigen Hit der Schweizer Band „Grauzone“ inspirieren ließ (der Song „Eisbär“ war 1980 der eidgenössische Beitrag zur Neuen Deutschen Welle). Leider fanden bei dem Roadmovie durch Mexico-City die angekündigten Untertitel einfach nicht auf die Leinwand, weshalb die meisten Zuschauer nach einigen Fehlversuchen wieder gingen. Doch die verbliebenen bewerteten den Film einhellig so gut, dass „Oso polar“ die 1000 Euro Preisgeld von der Sprachschule „Vivat lingua“ sicher waren.

Für Tobar ist der Publikumspreis „der schönste Film, den wir Filmemacher bekommen können“. Das teilte der bereits wieder auf dem Weg in die USA befindliche Festivalgast dem Cinelatino-Team per Video mit. Er arbeite in erster Linie nicht für eine professionelle Jury und auch nicht für Kritiker, sondern für das Publikum. „Nur die Zeit sagt, wie gut ein Film ist, und das Publikum“, so der Regisseur.

Komplett mit dem Smartphone gedreht, sei sein Film für ihn „ein Akt des Widerstands“, sagte Tobar, der bereits auf Mitstreiter zählen kann: „Wir wollen nicht, dass das Kino in Zukunft eine elitäre Sache bleibt. Wir wünschen uns die Demokratisierung des Kinos durch die Technologie.“

Dicht auf „Oso polar“ folgte in der Zuschauerbewertung die preisgekrönte Doku „Baronesa“ über zwei Schwestern und ihre Überlebensstrategien in einer brasilianischen Favela. Als stärkster Publikumsmagnet erwies sich die Kolumbien-Doku „Días y noches entre guerra y paz“ des Mittelamerika-Kenners und Festivalgasts Uli Stelzner. Auch die Doku „Río Verde“ über das Leben der Yakurunas im peruanischen Amazonasgebiet verzauberte zahlreiche Zuschauer.

Das zeitweilige Hochsommerwetter drückte die Zuschauerzahlen im Vergleich zum Vorjahr um zirka 15 bis 20 Prozent auf 5500 (nur Tübingen: 3500). Dafür steigerten die tropischen Temperaturen das Interesse am Open-Air-Kino mit mexikanischen Kurzfilmen am Donnerstagabend in der Haaggasse. „Die Stimmung war super, beide Male – bis das Ordnungsamt kam“, sagte Kathrin Frenz, die gemeinsam mit Pola Hahn und Festivalleiter Paulo de Carvalho für die Programmauswahl zuständig war. Denn am Freitagabend hatte das Festivalteam spontan eine Leinwand bei der Cafébar „Piccolo Sole d’Oro“ aufgebaut, im kleinen Hof neben dem Eingang, der gewöhnlich als Ladezone dient. In diesem Fall hatten die Zuschauer Glück: Das Programm mit Kurzfilmen aus Brasilien war beim Eintreffen der Ordnungshüter so gut wie beendet.

Die tropische Witterung zu Festivalbeginn überraschte auch die Gäste: Der dominikanische Regisseur Nelson De Los Santos kam aus einem Schneesturm in New York angereist. „Eisbär“-Regisseur Tobar wagte sich anfangs nur in einer Daunenjacke an die Tübinger Luft. Doch alle gewöhnten sich schnell ein: „Die Gäste waren begeistert vom Festival und von der Tübinger Atmosphäre“, so Festivalleiter de Carvalho: „Sie werben für uns in der Welt.“

Was die Stadtverwaltung zum Open-Air-Kino sagt

Tübingens Erste Bürgermeisterin Christine Arbogast begrüßt es, wenn kulturelle Veranstaltungen wie das Cinelatino auch im Freien stattfinden und nicht nur in geschlossenen Räumen, sagte sie auf TAGBLATT-Nachfrage. Doch gleichzeitig müsse auf das Ruhebedürfnis der Anwohnerinnen und Anwohner Rücksicht genommen werden. Für die Zukunft setzt die Bürgermeisterin auf eine bessere Vorab-Abstimmung zwischen Stadtverwaltung und Festivalmachern.

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Erstellt:
27. April 2018, 09:08 Uhr
Aktualisiert:
27. April 2018, 09:08 Uhr
zuletzt aktualisiert: 27. April 2018, 09:08 Uhr

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